Archivierter Artikel vom 12.03.2020, 04:25 Uhr

Schönstes Regengrün

Die Gärten von Nord-Wales

Bei Gärten in Großbritannien denken viele sofort an England. Doch auch in Wales gibt es eine Reihe wunderschöner Paradegärten – vor allem im Norden. Eine Reise ins regenreiche Grüne.

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Bodnant Garden
Für Romantiker: Seerosenbecken mit herrlicher Aussicht in Bodnant Garden.
Foto: Daniela David/dpa-tmn

Conwy (dpa/tmn). Ja, es regnet viel in Wales. Doch dank der Feuchtigkeit sprießen die Pflanzen üppig, und davon profitieren auch die herrschaftlichen Gärten im Norden des Landes, die mittlerweile viele Reisende anlocken. Und ja, es scheint dort auch die Sonne.

Goldregen-Tunnel
Goldregen-Tunnel in Bodnant Garden – der längste in ganz Wales.
Foto: Daniela David/dpa-tmn

Goldregen-Tunnel und seltene Bäume

Fran Llewellyn
Fran Llewellyn hat ein Buch über Bodnant Garden geschrieben.
Foto: Daniela David/dpa-tmn

Im Bodnant Garden im Tal von Conwy flanieren die Gäste über große Terrassen zum Seerosenbecken und genießen die Aussicht auf die hügelige Landschaft. Dann spazieren sie durch den Goldregen-Tunnel, der angeblich längste im Land.

Rosengarten von Bodysgallen Hall
Weiße Blüten überall: der Rosengarten von Bodysgallen Hall – im Hintergrund das dazugehörige Hotel.
Foto: Daniela David/dpa-tmn

„Allein zwei Wochen benötigt ein Gärtner, um die verblühten Blüten einzusammeln“, sagt Obergärtner John Rippin. Ihm unterstehen 24 Gärtner und 200 Freiwillige. „Es gibt kaum mehr Gärten mit so einem großen Team.“ Bodnant Garden ist ein Ort der Superlative, er misst insgesamt 32 Hektar, rund 45 Fußballfelder.

Garten von Bodysgallen Hall
Für Freunde klarer Linien: geometrisches Buchs-Parterre im Garten von Bodysgallen Hall.
Foto: Daniela David/dpa-tmn

Die wenigsten Besucher wandern im waldartigen Teil des Gartens mit seinem Fluss. Pflanzenjäger brachten seltene Bäume nach Europa. Das Pflanzenrefugium wurde bereits im 19. Jahrhundert angelegt. Fünf Generationen einer Familie pflegten den herrschaftlichen Garten bis zur Übergabe an den National Trust im Jahr 1949.“

Herrenhaus von Erddig
Im Herrenhaus von Erddig bekommen Besucher gehobene britische Wohnkultur zu sehen – und auch von außen sieht das Anwesen sehr herrschaftlich aus.
Foto: Daniela David/dpa-tmn

Rosenduft und das Plätschern des Wassers

Eiben in Kegelform
Eiben in Kegelform im Garten von Erddig – hier wähnt man sich im 18. Jahrhundert.
Foto: Daniela David/dpa-tmn

Die gemeinnützige Organisation kümmert sich mittlerweile um mehr als 300 Herrenhäuser und Gärten. Meist stammen die historisch wertvollen Gebäude aus den Nachlässen wohlhabender Briten. Durch die Übereignung an den National Trust bleiben die Besitzungen der Nachwelt erhalten und werden öffentlich zugänglich – wie der Garten von Bodysgallen Hall. Das Herrenhaus, dessen ältester Teil auf das 13. Jahrhundert zurückgeht, dient heute als Hotel.

Lindenspalier
Das Lindenspalier im Garten von Erddig ist das längste dieser Art in Wales.
Foto: Daniela David/dpa-tmn

Der formale, sehr gepflegte Garten ist in acht unterschiedlich große Räume eingeteilt. Viel fotografiert wird das streng geometrische Buchs-Parterre, das nicht mit Blumen, sondern mit Kräuterpflanzen gefüllt ist. Der Rosengarten empfängt die Gäste mit süßlichem Duft. Dazu spendet ein Wasserfall im Felsengarten Schatten und Kühle.

Herrenhaus von Plas Newydd
Noble Einrichtung im Herrenhaus von Plas Newydd – mit zahlreichen Antiquitäten.
Foto: Daniela David/dpa-tmn

Der Geschmack der Upper Class

Waldgarten von Plas Cadnant Hidden Gardens
Wirkt wild, wurde aber bewusst so gestaltet: der Waldgarten von Plas Cadnant Hidden Gardens.
Foto: Daniela David/dpa-tmn

Das Anwesen von Erddig in Wrexham wollte der National Trust erst ablehnen. Doch dann übernahm er das Herrenhaus mit Garten doch, vor allem wegen des einzigartigen Inventars. Heute können die Besucher durch Jahrhunderte gehobenster Wohnkultur der britischen Oberschicht schreiten. Gesammelt wurde auf diesem Gut einfach alles: erste Automobile, Hochräder, mobile Duschen und Fotos der Bediensteten.

Anthony Tavernor
Anthony Tavernor hegt und pflegt die Plas Cadnant Hidden Gardens.
Foto: Daniela David/dpa-tmn

Auch der Garten mutet historisch an. Da wachsen in Reih und Glied zu Kegeln getrimmte Eiben und viele Obstbäume, darunter 180 zumeist alte Apfelsorten. Und ein schier endloses Spalier aus Lindenbäumen – das längste Lindenspalier in Wales.

Hoteldorf Portmeirion
Pittoresk und auch ein wenig kitschig: Hoteldorf Portmeirion.
Foto: Daniela David/dpa-tmn

Zwischen Wasser und Bergen

Ein Gefühl für das 19. Jahrhundert bekommt der Besucher von Plas Newydd auf der Insel Anglesey ganz im Nordwesten von Wales. Bis zur Übergabe an den National Trust gehörte der herrschaftliche Besitz dem Marquess of Anglesey.

Im restaurierten Inneren des Herrenhauses ist eine exquisite Einrichtung zu bestaunen, zum Beispiel ein 17,5 Meter langes Wandbild und chinesische Seidentapeten. Im Garten wachsen Azaleen, Magnolien und Rhododendren aus dem Himalaya. Genial ist die Lage direkt am Wasser – mit Ausblick auf das Snowdonia-Gebirge.

Den Wildwuchs gezähmt

Dagegen dreht sich in Plas Cadnant Hidden Gardens auf Anglesey wirklich alles um die Pflanzen – ein echter Geheimtipp. Anthony Tavernor hat das Gut 1996 gekauft und den jahrzehntelang zugewucherten Garten mit Leidenschaft restauriert. Selbst Prinz Charles war hier schon zu Besuch.

Die Vielfalt der Pflanzen ist überwältigend. Noch urwaldartiger mutet der Waldgarten des Hoteldorfs Portmeirion mit seinen seltenen und wundersamen Bäumen an. Die glatten Äste der Japanischen Zeder sehen aus wie riesige Arme. Tief im Wald gibt es sogar einen Hundefriedhof.

Tourismuswebseite von Visit Wales

Bodnant Garden

Bodysgallen Hall

Erddig

Portmeirion

Plas Cadnant Hidden Gardens

Plas Newydd House and Garden

Anreise: Mit dem Flugzeug nach Liverpool oder Manchester und von dort mit einem Mietwagen nach Nordwales. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln sind die Gärten nicht oder oftmals nur mühsam zu erreichen.

Informationen: www.visitwales.com/de