Archivierter Artikel vom 20.02.2020, 04:35 Uhr

Kunst an jeder Ecke

Auf Art-Safari durch Kapstadt

Kapstadt ist bunt. Und zwar im wörtlichen Sinne. Weltweit bekannt sind die farbenfrohen Häuser in Bo Kaap. In anderen Teilen der Stadt sorgt Street Art für Farbe. Eine Kunst-Safari durch Kapstadt.

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Salt River
Salt River wirkt durch die großflächigen Kunstwerke an vielen Häusern freundlich.
Foto: Falk Zielke/dpa-tmn

Kapstadt (dpa/tmn) – An die Farbe im Treppenhaus müssen sich die Augen erst kurz gewöhnen. Sattes Rosa strahlt von den Wänden, das Treppengeländer ist passend dazu in Rot gehalten.

Street Art Künstler Jason
Street Art Künstler Jason ist seit 20 Jahren Teil der Szene. Heute führt er auch Touristen durch die Stadt.
Foto: Falk Zielke/dpa-tmn

Cinga Sampson nimmt diesen Weg fast jeden Tag, um in sein Atelier in einer früheren Textilfabrik im Stadtteil Woodstock zu kommen.

Bo Kaap
In Bo Kaap wohnten früher viele Künstler. Heute treibt die Gentrifizierung sie in andere Teile Kapstadts.
Foto: Falk Zielke/dpa-tmn

Der junge Maler arbeitet gerade an einer Serie von großflächigen Bildern. „Ich liebe Realismus“, sagt der 32-Jährige. Die Bilder zeigen selbstbewusste Afrikaner bei einer Trauerzeremonie. Das verbindende Element: Alle tragen Jeans in der gleichen Waschung.

Street Art mit Patina
Die kunstvollen Street Art Bilder setzen nach einer Weile Patina an. Allerdings kommen jedes Jahr auch neue Bilder hinzu.
Foto: Falk Zielke/dpa-tmn

Künstler öffnen Ateliers für Besucher

Kontraste
Kapstadt ist eine Stadt der Kontraste: Street Art, Verfall und Unrat vor wunderbarer Natur.
Foto: Falk Zielke/dpa-tmn

Angefangen hat Sampson mit 20 Jahren. Ohne Kunststudium hat er sich die Techniken selbst beigebracht. Heute kann er von seiner Kunst leben, hat in Europa und Amerika ausgestellt. Obwohl er inzwischen zu den etablierten Künstlern aus Südafrika zählt, öffnet er hin und wieder sein Atelier für Touristen. „Viel Kunst aus Afrika handelt von Rassismus, dem Kampf ums Überleben oder dem Kolonialismus“, sagt Sampson. „Ich will auch die andere Seite, die schöne Seite zeigen.“

Atelier Cinga Sampson
Im Atelier von Cinga Sampson herrscht geordnetes Chaos.
Foto: Falk Zielke/dpa-tmn

Kapstadt zieht viele Künstler an. „Es gibt hier vergleichsweise viel Geld“, erklärt Touristenführer Sabelo Maku. „Das bedeutet, es gibt auch viele Sammler.“ Auf organisierten Touren bekommen Besucher einen spannenden Einblick in diese lebendige Kunst-Szene.

Nicht nur außen farbig
Die Farbigkeit Kapstadts zeigt sich auch im Inneren der Gebäude: Durch dieses rosafarbene Treppenhaus gelangt der Maler Cinga Sampson in sein Atellier.
Foto: Falk Zielke/dpa-tmn

Gentrifizierung ist für viele Künstler ein Problem

Cinga Sampson
Cinga Sampson hat sich das Malen selbst beigebracht. Inzwischen kann er von seiner Kunst leben.
Foto: Falk Zielke/dpa-tmn

„Früher waren viele Künstler in Bo Kaap zu Hause“, sagt Sabelo auf dem Weg zur nächsten Station der heutigen Tour. „Heute ist die Gegend allerdings ein Paradies für Immobilienmakler.“ Und so treibt die Gentrifizierung die kreative Szene jetzt in andere Gegenden der Mother City, wie Kapstadt oft genannt wird.

Immer bunter
Street Art bringt Farbe in die Stadt. Das Viertel Salt River wird jedes Jahr ein Stückchen bunter.
Foto: Falk Zielke/dpa-tmn

Woodstock und das benachbarte Salt River sind deshalb inzwischen nicht nur Standort für Ateliers und Galerien. Die Gegend rund um die Shelley Road ist dank des Street Art Festivals IPAF mittlerweile zu einer großen Open-Air-Galerie geworden. Einmal im Jahr kommen die besten Street-Art-Künstler aus Südafrika und der Welt und bringen ihre Kunstwerke auf Häusern, Schulen oder Brandmauern an.

Manfred Zylla
Der gebürtige Augsburger und Künstler Manfred Zylla lebt und arbeitet seit den 1970er Jahren in Kapstadt.
Foto: Falk Zielke/dpa-tmn

Künstler drücken mit ihrer Arbeit Hoffnung aus

Hafenviertel Waterfront
Das neugestaltete in Kapstadt zieht jedes Jahr viele Touristen an.
Foto: Falk Zielke/dpa-tmn

„Kunst hält uns am Leben“, erzählt der Künstler Jason, der Sabelo an diesem Tag bei der Tour unterstützt. Denn in einem Land mit hoher Arbeitslosigkeit und einer erschreckenden Kriminalitätsrate ist Kunst oft verbunden mit der Hoffnung auf ein besseres Leben. Deshalb bietet das IPAF talentierten Street-Art-Künstlern diese Plattform. Jedes Jahr werden neue Wände verziert, wächst die Galerie um weitere Werke.

Zeitz Mocaa Museum
Das Zeitz Mocaa Museum im Viertel Waterkant ist allein architektonisch ein Highlight. Drinnen findet sich eine Dauerausstellung und wechselnde Schauen.
Foto: Falk Zielke/dpa-tmn

Kunst ist immer auch ein Spiegel der gesellschaftlichen Verhältnisse. „Als ich herkam waren Schwarze und Weiße strikt getrennt“, erzählt Manfred Zylla. Der gebürtige Augsburger lebt und arbeitet seit 1970 in Kapstadt. „Die Kunst war für viele eine Möglichkeit, mit diesen Beschränkungen umzugehen.“ Politische Aktivisten nutzten Kunst in den 1970er und 1980er Jahren, um auf die Apartheid aufmerksam zu machen.

Kapstadt
Kapstadt bietet Kunstliebhabern viel: Neben Museen gibt es in einigen Stadtteilen auch viel Street Art zu sehen.
Foto: dpa-infografik GmbH/dpa-infografik GmbH/dpa-Themendi/dpa

Beeindruckendes Museum im Hafenviertel

Einst Getreidesilo
Im Inneren des Zetz Mocaa Museums: Die früheren Getreidesilos wurden aufgeschnitten, um eine größere Fläche zu bekommen.
Foto: Falk Zielke/dpa-tmn

Welche Themen Künstler aus Afrika heute beschäftigen, lässt sich unter anderem in den Museen der Stadt erleben, etwa im Zeitz Museum of Contemporary Art Africa (Zeitz MOCAA) im Hafenviertel Waterfront. Die umgebauten Getreidesilos am Hafen sind nicht nur architektonisch ein Highlight. Zu sehen ist hier in einer permanenten Ausstellung auch die umfangreiche Privatsammlung beeindruckender afrikanischer Kunst des Namensgebers und ehemaligen Puma-Chefs Jochen Zeitz.

Sabelo Maku
Touristenführer Sabelo Maku führt Touristen zu den besten Spots in Woodstock und Salt River.
Foto: Falk Zielke/dpa-tmn

In wechselnden Ausstellungen zeigen zeitgenössische Künstler außerdem, was ihnen unter den Nägeln brennt: Emanzipation, Sexualität, prekäre Lebensbedingungen oder Korruption. „Es gibt halt immer noch eine Menge Probleme“, sagt Zylla.

Südafrika Tourismus

Coffeebeansroutes

International Public Art Festival

Zeitz Mocaa

Kapstadt

Anreise: Kapstadt wird unter anderem von München aus nonstop angeflogen. Weit mehr Flugverbindungen gibt es von Frankfurt am Main aus über Johannesburg, etwa mit South African Airways oder Lufthansa.

Klima und Reisezeit: Südafrika bietet das ganze Jahr über gute Reisebedingungen. Das Land liegt auf der südlichen Halbkugel, die dortigen Jahreszeiten sind also denen in Deutschland entgegengesetzt.

Einreise: Deutsche Touristen erhalten eine Aufenthaltsgenehmigung für 90 Tage. Der Reisepass muss noch mindestens 30 Tage über die Ausreise aus Südafrika hinaus gültig sein. Kinder benötigen einen eigenen Reisepass mit Lichtbild und ihre Geburtsurkunde für die Einreise. Empfehlenswert ist eine internationale Geburtsurkunde.

Kunst-Touren: Art Safaris werden unter anderem von Coffeebeansroutes angeboten. Die Tour mit einem privaten Reiseführer dauert einen halben Tag und kostet für bis zu vier Personen etwa 490 Euro.

Informationen: South African Tourism, Friedensstraße 6-10, 60311 Frankfurt (Tel.: 0800/118 91 18, www.dein-suedafrika.de).