Laborärzte-Chef

Testzentren sind vor Reisen die falsche Adresse

Wo komme ich an einen Corona-Test, wenn ich ihn für meine geplante Reise brauche? Bestimmte Orte, an denen viel getestet wird, sollte man jedenfalls nicht aufsuchen.

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Corona-Testzentrum
Corona-Testzentren des öffentlichen Gesundheitsdienstes sind vor allem für Reiserückkehrer und etwa Kontaktpersonen gedacht, die sich testen lassen sollen.
Foto: Swen Pförtner/dpa/dpa-tmn

Lübeck (dpa/tmn). Die Testzentren des öffentlichen Gesundheitsdienstes sind für Menschen, die am Reiseziel einen negativen Corona-Test vorweisen müssen, nicht die richtige Adresse.

Jemand, der in den Urlaub fahren wolle, sollte nicht dort hinkommen, betont Andreas Bobrowski vom Berufsverband Deutscher Laborärzte.

Wer für seine Reise einen negativen Corona-Test brauche, müsse zum Hausarzt oder in eine reisemedizinische Praxis gehen. Testzentren des öffentlichen Gesundheitsdienstes seien vor allem für Reiserückkehrer und etwa Kontaktpersonen gedacht, die vom Gesundheitsamt zu einem Test gebeten werden, so der Vorstandsvorsitzende des Verbandes.

Patienten mit Symptomen werden priorisiert

Doch neben diesen „von der Politik gewollten Abstrichen an asymptomatischen Patienten“, etwa von Reiserückkehrern, müsse man natürlich auch die akut erkrankten Patienten aus Krankenhäusern und Praxen versorgen, erläutert er. „Für diese symptomatischen Patienten müssen ausreichend Notfall-Testkapazitäten vorgehalten werden. Die werden priorisiert.“

Mit Blick auf die 48-Stunden-Frist – also dass das negative Testergebnis maximal zwei Tage zurückliegen darf – sagte Bobrowski, dass das eine Infektion innerhalb dieses Zeitraumes natürlich nicht ausschließe. „Wenn Teststrategien dazu führen, dass die Menschen noch leichtsinniger werden, ist das die falsche Richtung“, sagte er. Die Aufmerksamkeit und Verantwortlichkeit des Bürgers dürfe dadurch keinen Schaden leiden.

Testkapazitäten werden mehr in Anspruch genommen

Nach Bobrowskis Beobachtung werden die Testkapazitäten in den Laboren aktuell zunehmend mehr in Anspruch genommen. Ob die Labore durch die jetzige Welle schon an die Grenzen kommen werden, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehbar.

„Gegenüber der Situation im August und September, wo zahlreiche Reiserückkehrer getestet wurden, sind die Kapazitäten erhöht worden.“ Die Ausweitung sei eine Lehre aus dieser Hochbelastungsphase der Labore. „Aber jeder weiß: wenn alle 80 Millionen Bürger in unserem Land einen Test benötigen, sind die Grenzen schnell erreicht“, sagt Bobrowski.

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