Archivierter Artikel vom 05.12.2019, 05:25 Uhr

Deutschland von unten

Sieben Tipps für Trips unter Tage

Wenn sich Frost und Kälte über das Land legt, können Urlauber in Deutschland sich unter Tage flüchten. Unter der Erde locken viele Attraktionen – vom Bunker bis zur Zaubergrotte.

Lesezeit: 4 Minuten
Wunder der Natur
Die linke Quellgrotte in den Saalfelder Feengrotten.
Foto: Matthias Frank Schmidt/Feengrotten/dpa-tmn

Berchtesgaden (dpa/tmn) – Winterurlaub in Deutschland? Das heißt Skifahren, Museen oder Strandspaziergänge an der See. Doch es geht auch anders. Höhlen, Grotten, Keller, Stollen und Bunker laden zu Entdeckungen unter Tage ein. Geschützt vor Regen, Wind und Schnee. Sieben Anregungen für lohnenswerte Ausflüge in die Unterwelt.

Relikte aus der Bronzezeit
Uralte Knochen im Museum des Höhlenerlebniszentrums im Harz.
Foto: Lisa Koschnitzke-Wirth/Höhlenerlebnis Zentrum HEZ/dpa-tmn

Salzluft in der Tiefe des Berges

Für den Notfall
15 Milliarden Deutsche Mark lagerten während des Kalten Krieges im Bunker der Deutschen Bundesbank in Cochem an der Mosel.
Foto: Reuter & Reuter GbR/Bundesbank-Bunker Cochem/dpa-tmn

Was ist das für ein Gefühl, in einem Stollen zu übernachten? Eine Antwort auf diese Frage gibt es in Berchtesgaden. Hier können Besucher der Spur des Salzes in ein 500 Jahre altes Salzbergwerk folgen – und in einem 850 Quadratmeter großen Salzheilstollen die Nacht verbringen. Weil die Luft in der Halle zusätzlich mit Salzionen angereichert wird, entsteht ein Klima, das nicht nur zur Erkältungszeit die Gesundheit fördern kann. Die Akustik lässt sich zum Beispiel bei Konzerten erleben. ( www.salzbergwerk.de, www.salzheilstollen.com)

Bunker der Deutschen Bundesbank
Tonnenschwere Tresortür im Bunker der Deutschen Bundesbank – dahinter lagerte Geld für den Ernstfall.
Foto: Reuter & Reuter GbR/Bundesbank-Bunker Cochem/dpa-tmn

Erdgeschichte hautnah

Höhlenerlebniszentrum
Im Museum des Höhlenerlebniszentrums im Harz – hier sind Knochen aus einem Bronzezeit-Grab ausgestellt.
Foto: Günter Jentsch/Höhlenerlebnis Zentrum HEZ/dpa-tmn

Ein Korallenriff im Harz? Klingt unwirklich. Doch der Iberg im Oberharz hat eine lange Reise hinter sich. Mit der Kontinentalverschiebung ist das ehemalige Riff aus der Südsee auf die nördliche Halbkugel gelangt. In der viele Millionen Jahre alten Tropfsteinhöhle bezeugen auch versteinerte Meeresbewohner die bewegte Geschichte. Sinterkaskaden und mächtige Bodentropfsteine stammen aus jüngerer Zeit. Im Museum des Höhlenerlebniszentrums sind rund 3000 Jahre alte Knochen aus einem bronzezeitlichen Höhlengrab ausgestellt. ( www.hoehlen-erlebnis-zentrum.de)

Märchendom
Märchendom der Saalfelder Feengrotten: Das Gestein schillert in verschiedenen Farben.
Foto: Matthias Frank Schmidt/Feengrotten/dpa-tmn

Zwangsarbeit unter Tage

Beklemmendes Erlebnis
Über die KZ-Zwangsarbeit unter dem Nazi-Regime können sich Besucher in den Stollen der KZ-Gedenkstätte Mittelbau Dora informieren.
Foto: Claus Bach/KZ-Gedenkstätte Mittelbau Dora/dpa-tmn

In den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges wurden weite Teile der deutschen Rüstungsindustrie und damit die KZ-Zwangsarbeit unter Tage verlegt. So mussten auch mehr als 60 000 Menschen in den Stollen des KZs bei Nordhausen im Harz in Zwangsarbeit eine unterirdische Raketenfabrik ausbauen. Jeder dritte Häftling starb. Einen geschichtswissenschaftlich fundierten Einblick in das Ausmaß der Menschrechtsverletzungen der NS-Diktatur erhalten Besucher bei Führungen über das einstige Lagergelände und durch die Stollen in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora. ( https://www.buchenwald.de/29/)

Salzheilstollen
Im Salzheilstollen in Berchtesgaden wird auch Wellness angeboten – die Luft soll bei Atemwegserkrankungen helfen.
Foto: Salzheilstollen Berchtesgaden/dpa-tmn

Märchenhafter Farbreichtum

Schieferbergwerk Nuttlar
Stollen im Schieferbergwerk Nuttlar: Führungen kommen ohne großen Komfort aus.
Foto: Bülent Kantar/Schieferbergwerk Nuttlar/dpa-tmn

Sie schimmern blau, grün, rötlich, gelb oder violett: Mit der Pracht von 75 Farben haben es die Saalfelder Feengrotten sogar bis ins Guinnessbuch der Rekorde geschafft. Die „farbenreichsten Schaugrotten der Welt“ verändern sich ständig. Denn das Weichmineral Diadochit lässt die Tropfsteine ein bis drei Zentimeter pro Jahr wachsen. Das Erlebnismuseum Grottoneum informiert über die Entstehung des ehemaligen Schieferbergwerks. ( www.feengrotten.de)

Schwimmend unter der Erde
Im Schieferbergwerk Nuttlar ist Höhlentauchen möglich.
Foto: Björn Dorstewitz/Schieferbergwerk Nuttlar/dpa-tmn

Relikt des Kalten Krieges

Heilstollen
Liegen im Salzbergwerk Berchtesgaden – im Heilstollen können Besucher eine Nacht verbringen.
Foto: Salzheilstollen Berchtesgaden/dpa-tmn

In der alten Bundesrepublik war er über zwei Jahrzehnte lang eines der bestgehüteten Geheimnisse: Der Bunker der Deutschen Bundesbank in Cochem an der Mosel. Gut getarnt unter der Erde in einem Atombunker lagerten 15 Milliarden Deutsche Mark für den Ernstfall. Zur Aufbewahrung der geheimen Notstandswährung BBK II wurde eine 1500 Quadratmeter große Tresoranlage benötigt. Nach der Restaurierung haben Besucher seit 2016 die Möglichkeit, die Dokumentationsstätte der bundesdeutschen Geschichte zu besichtigen. ( www.bundesbank-bunker.de)

Unterwegs wie Bergleute früherer Tage
Bei Führungen durch das alte Schieferbergwerk Nuttlar im Sauerland wird auf Annehmlichkeiten verzichtet.
Foto: Paul Deakin/Schieferbergwerk Nuttlar/dpa-tmn

Auf den Spuren der Bergleute

Weinkeller in Traben-Trarbach
Zum Themendienst-Bericht von Catharina Puppel vom 5. Dezember 2019: Festlich geschmückt zeigt sich der Weinkeller in Traben-Trarbach – beim Mosel-Wein-Nachts-Markt.
Foto: Jan-Gerrit Baumann/Weinkeller – dpa

In Nuttlar können Besucher den Schieferabbau noch so erleben, wie er vor über 100 Jahren im Sauerland praktiziert wurde. Bei den Führungen wird Wert auf Authentizität gelegt. Auf Annehmlichkeiten wie elektrisches Licht, geschotterte Wege, betonierte Stufen oder Stahlgeländer wird bewusst verzichtet. Wie bei den Bergleuten sorgt lediglich eine Lampe am Bergwerkshelm für Orientierung auf dem Weg in den Berg, dessen Stollenlabyrinth sich auf fünf Sohlen über 20 Kilometer erstreckt. Der Lichtschein lässt die Kulisse aus haushoch gestapelten Schiefermauern, unterirdischen Seen, Schiefertreppen, schmalen Gängen und riesigen Abbaukammern noch imposanter erscheinen. ( www.schieferbau-nuttlar.de)

Schieferbergwerk Nuttlar
Ein Gefühl von Größe in der Enge unter Tage – unterwegs im Schieferbergwerk Nuttlar.
Foto: Michael Straßburger/Schieferbergwerk Nuttlar/dpa-tmn

Bacchus-Gewölbe an der Mosel

Bacchus-Gewölbe an der Mosel
Weihnachtsmarkt im Bacchus-Gewölbe an der Mosel – dort können Besucher sonst etwas über den Weinbau und die alte Kellertechnik in Traben-Trarbach erfahren.
Foto: G. Weyrich/Weinkeller Traben-Trarbach/ – dpa

Der unterkellerte Stadtkern von Traben-Trarbach erinnert heute noch daran, dass die Stadt an der Mosel um 1900 als zweitgrößter Weinumschlagplatz Europas galt. In dem verzweigten Netzwerk aus historischen Schiefer- und Sandsteinkellern können 32 Kellergewölbe besichtigt werden. Auf geführten Ausflügen in die Unterwelt haben Besucher Gelegenheit, mehr über den historischen Weinbau und die alte Kellertechnik zu erfahren. Außerhalb der Führungen ist es möglich, sich auf einer QR-Code-Tour über die einzelnen Keller zu informieren. ( www.unterwelt-ausflug.de, www.mosel-wein-nachts-markt.de)

Iberger Tropfsteinhöhle
Blick in die Iberger Tropfsteinhöhle im Harz: Hier tauchen Besucher tief in die Erdgeschichte ein.
Foto: Günter Jentsch/Höhlenerlebnis Zentrum HEZ/dpa-tmn

Erlebniswelt Feengrotten

Bundesbank-Bunker

Schieferbergwerk Nuttlar

Traben-Trabacher Unterwelt

Mosel-Wein-Nachts-Markt

Salzheilstollen in Berchtesgaden

Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora

Höhlen- und Erlebniszentrum am Iberg