Archivierter Artikel vom 25.05.2021, 04:35 Uhr

Radreisen

Alles im Fluss auf dem Tauber-Altmühl-Radweg

350 Kilometer vom Main zur Donau: Kurz vor der lang erwarteten Rückkehr zur Reisenormalität ist unser Autor auf dem Tauber-Altmühl-Radweg schon einmal vorausgefahren.

Auf dem Tauber-Altmühl-Radweg
Bei Eichstätt führt der Radweg direkt an der Altmühl entlang.
Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Wertheim (dpa/tmn) – Der Tauber-Altmühl-Radweg hat kaum Steigungen. Doch 350 Kilometer sind keine Kleinigkeit. Die Strecke verläuft zum Glück fast nur über Asphalt – und ist voller Sehenswürdigkeiten. Durch Wein- und Bierland geht es, ins Zauberstädtchen Rothenburg ob der Tauber, zu Burgen, Kirchen, Seen, wilden Felsen und freundlichen Menschen. Ein Reisetagebuch in sieben Etappen.

Ufer des Altmühlsees
Rast am Wasser: Am Ufer des Altmühlsees lässt es sich gut eine Weile entspannen.
Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Etappe 1: Wertheim-Distelhausen (33 Kilometer)

Zwölf-Apostel-Felsen
Entlang der Strecke wartet immer wieder Sehenswertes – wie der Zwölf-Apostel-Felsen.
Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Bunte Häuschen reihen sich in Wertheim an der Altmühl auf, in der nördlichsten Stadt Baden-Württembergs. Hoch über den Schleifen des Mains thront die Burg Wertheim. In der Altstadt kommt ein Automat für Fahrradschläuche zu früh – denn noch steht der Tacho auf null.

Rothenburg ob der Tauber
Diese Pracht lockt in gewöhnlichen Zeiten auch Reisende aus den USA und Fernost: Fassaden in Rothenburg ob der Tauber.
Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Der Radweg führt hinaus in die Natur, vorbei an seichten Höhen, Wiesen und Obstbäumen. Ein Bachlauf gluckst, Harzperlen glitzern an Bäumen. Jenseits der Tauberbrücke lockt der frei zugängliche Garten des Klosters Bronnbach mit einigen Picknicktischen. Das Dorf Impfingen ist in Corona-Zeiten ein grotesker Namenszufall. In Distelhausen wirkt der Schornstein der Brauerei wie ein Fingerzeig auf die örtliche Flüssignahrung.

Schloss Weikersheim
Schloss Weikersheim präsentiert sich mit einem imposanten Rittersaal.
Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Etappe 2: Distelhausen-Rothenburg (68 Kilometer)

Weidenkirche hinter Pappenheim
Die Weidenkirche hinter Pappenheim ist ein kurioses Bauwerk.
Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Morgenstille im Tal. In Lauda steht nicht Bier auf dem Programm, sondern Wein. Schmuckstück des Weinguts Johann August Sack ist das Holzkunstwerk „Weinbau um Lauda“ von Heinz A. Theobald: ein kapitaler Fassboden, geschnitzt aus Spessart-Eiche. Hier, im Anbaugebiet Baden, öffnen sich neue kulinarische Horizonte: mit dem weißen Souvignier gris und dem Tauberschwarz, einem hellen, fruchtigen Roten mit Aromen von Kirsche und Schwarzer Johannisbeere.

Herrgottskirche
Ab Creglingen führt ein Abstecher zur Herrgottskirche mit dem Riemenschneider-Altar.
Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

In Bad Mergentheim zieht der Marktplatz die Blicke auf sich. Wahrzeichen von Weikersheim ist das einstige Grafenschloss. Im dortigen Rittersaal tummeln sich Tiere aus bemaltem Gips. Der Barockgarten begeistert mit seiner Blumenpracht. In Creglingen lohnt ein Abstecher zur Herrgottskirche. Dort hat der Bildhauer Tilman Riemenschneider (1460-1531) ein Meisterwerk hinterlassen: den knapp zehn Meter hohen Marienaltar, geschnitzt aus Föhren- und Lindenholz.

Winzer Karlheinz Sack
Winzer Karlheinz Sack in Lauda lädt zur Verköstigung ein.
Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Die kurzen, giftigen Anstiege bis Rothenburg ob der Tauber lassen E-Biker kalt. Wer hingegen ordentlich strampeln muss, wird versöhnt. Das berühmte Städtchen ist ein Gedicht, das nicht vieler Worte bedarf: Fachwerkhäuser, Wehrmauern, Türme, kopfsteingepflasterte Gassen. Noch stürmen keine Touristen aus dem Ausland die Souvenirshops.

Weinprobe
Kostprobe: Ein typischer Rotwein um Lauda ist der Tauberschwarz.
Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Etappe 3: Rothenburg-Herrieden (54 Kilometer)

Wiese in Herrieden
Bei der Ankunft in Herrieden grüßt ein Storch auf der Wiese.
Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Hinter Rothenburg wird es unromantisch: Weg vom Taubertal, hin zur Altmühl, parallel zur Stadtausfahrt unter der Autobahn hindurch, steil hinauf nach Wachsenberg und durch austauschbare Dörfer.

Manfred Bauer
Manfred Bauer ist Ranger im Naturpark Altmühltal.
Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Umso überraschender ist in Windelsbach der Werkstattbetrieb von Martin Kost. Der 54-Jährige ist Kammmacher, wie schon sein Großvater. Kost fertigt Holzkämme. „In Handarbeit mit maschineller Unterstützung“, wie er sagt. In einem Kamm stecken bis zu 20 Arbeitsschritte, beginnend mit dem Aufschnitt der Holzblöcke. Martin Kost selbst benutzt keinen, die Haarpracht ist gewichen. Corona und Billigkonkurrenz aus Drogeriemarktketten sieht er nicht als Bedrohung: „Die Menschen wollen individuell hergestellte Artikel, dazu etwas Wertiges aus dem eigenen Land“, sagt er.

Wegkreuz bei Distelhausen
Gut behütet unterwegs: Überall an der Strecke gibt es Wegekreuze, hier eines hinter Distelhausen.
Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Der Hornauer Weiher gilt offiziell als Quellgebiet der Altmühl. Eine Enttäuschung: Der Radweg führt oft nicht direkt am Fluss entlang, sondern über Felder und durch Wälder. Colmberg empfängt schließlich mit Badeweiher und Burgblick, Herrieden mit einem Weißstorch.

Martin Kost
Martin Kost arbeitet als Kammmacher direkt an der Strecke durch Windelsbach.
Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Etappe 4: Herrieden-Treuchtlingen (57 Kilometer)

Bad Mergentheim
Ankunft in Bad Mergentheim: Der Marktplatz lädt zu einem Fotostopp ein.
Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Es läuft, alles ist im Fluss. Dorf folgt auf Dorf. Ornbau kündigt sich als „Tor zum Fränkischen Seenland“ an. Bald ist die Brücke zur Vogelinsel im Altmühlsee erreicht, wo man das Rad parkt und zu Fuß auf den Lehrpfad ausschwärmt. Gewimmel am Himmel und in den Niederungen. Surfer, Segler, Stehpaddler. Kormorane und Graureiher.

Burgruine über Wertheim
Die Burgruine über Wertheim thront über der Stadt.
Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Weiter geht es, der See verschwindet. Schilf begrenzt die Altmühl. Der Fluss kommt nah und zieht sich zurück. Ein erdiger Weg verläuft kilometerlang parallel zur Bahntrasse. In Treuchtlingen tauchen eine Tankstelle und ein Discounter auf: profane Zivilisation.

Kloster Bronnbach
Ein kurzer Abstecher führt zum Kloster Bronnbach – dort lockt der frei zugängliche Garten.
Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Etappe 5: Treuchtlingen-Eichstätt (43 Kilometer)

Auf dem Tauber-Altmühl-Radweg
Idylle: die Tauber in Wertheim kurz vor der Mündung in den Main.
Foto: Andreas Drouve/dpa-tmn

Der Radweg hält sich herrlich nah am Fluss. Die Altmühl ist Lebensraum von Enten und Blässhühnern, der Luftkurort Pappenheim tatsächlich von Pappenheimern. Kurios dahinter: die Weidenkirche, ein Freiluftkonstrukt aus Rankgerüsten. In Sicht geraten die Formationen der Zwölf-Apostel-Felsen auf der anderen Seite des Tals.

Ein unbefestigter Weg führt nun in den Wald. In Dollstein thront eine kitschgoldene Maria auf einer Säule. Der Burgsteinfelsen, der viele Kletterer anlockt, war einst Teil eines subtropischen Meeres. Ein Motocrosser bricht auf dem Radweg mit dem Gesetz und der Stille.

Eichstätt ist Universitätsstadt und eine Hochburg des Katholizismus. Der Barockstil feiert ein Fest in der Schutzengelkirche.

Etappe 6: Eichstätt-Beilngries (45 Kilometer)

Manfred Bauer kennt alles, was im Tal wächst, zum Beispiel Weißdorn, Scharbockskraut, Buschwindröschen und Orchideen. Der 50-Jährige ist einer von vier Rangern im Naturpark Altmühltal. Der Fluss begleitet ihn, solange er denken kann. In Inching lernte er darin schwimmen.

Was macht seinen Heimatfluss so besonders? „Es ist einer der am langsamsten fließenden Flüsse in Bayern, vielleicht sogar der langsamste. Dadurch strahlt er für mich eine unglaubliche Ruhe aus.“ Typisch sind die Wacholderheiden über dem Tal.

Bei Kinding stört der sirrende Lärm einer Autobahn. Der doppelte Spitzturm der Kirche weist den Weg hinein nach Beilngries.

Etappe 7: Beilngries-Kelheim (46 Kilometer)

Auf dem letzten Abschnitt geht es mal wunderbar am Wasser entlang, mal allzu nah an der Straße. Das Bett der Altmühl wird vom Main-Donau-Kanal genutzt, geblieben sind Altflussarme als Biotope und Anglerreviere. Ein Frachter schiebt sich voran.

Kurz vor Kelheim liegen eine Schleuse und der Abzweig zur Tropfsteinhöhle Schulerloch, die man nur zu Fuß durch den Wald erreicht. Wer empfänglich ist, soll drinnen zwei Kraftpunkte spüren. Etwas wehmütig steigt man an der Donau vom Rad. Die Reise ist zu Ende, für den Moment. Irgendwann warten neue Ufer.

© dpa-infocom, dpa:210521-99-692842/3

Tauber-Altmühl-Radweg

Burg Wertheim

Klosten Bronnbach

Distelhäuser Brauerei

Weingut Johann August Sack

Schloss Weikersheim

Creglinger Herrgottskirche

Kammmacher Martin Kost

Infos zum Burgsteinfelsen

Tropfsteinhöhle Schulerloch

Tourbegleiter zum Blättern

Tauber-Altmühl-Radweg

Tourenplanung: Umfassende Informationen zur Route bietet die Webseite www.tauber-altmuehl-radweg.de. Die Strecke ist mit grünweißen Radsymbolen gekennzeichnet und/oder mit den Routennamen, die der Tauber-Altmühl-Radweg verbindet: „Liebliches Taubertal“ und „Altmühltal-Radweg“. Unterwegs gibt es viele Quartiere, die am besten frühzeitig reserviert werden.

Informationen: Tourismusverband Franken, Pretzfelder Straße 15, 90425 Nürnberg (Tel.: 0911/941 510, E-Mail: info@frankentourismus.de, www.frankentourismus.de).