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    Zwischen Bären und Beeren – Der Denali in Alaska

    Der Denali-Nationalpark ist mit Abstand der beliebteste Park in Alaska. In diesem Jahr wird er 100 Jahre alt, und auf den Wegen werden sich mehr Besucher drängen denn je. Wer aber in den Südteil fliegt, erlebt noch menschenleere Wildnis.

    Auf einem schmalen Pfad
    Erkundung der Wildnis: Ein schmaler Weg führt entlang eines Flusses nahe des Denali.
    Foto: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn

    Anchorage (dpa/tmn) – In Alaska haben sie hübsche Wörter für gar nicht so schöne Dinge. Bushwhacking ist so ein Wort. Klingt nach wackelndem Busch, bedeutet aber: sich durch Dickicht drücken, im Morast stecken bleiben, Zweigen ausweichen. Schöne Aussichten.

    Catherine Rigby
    Catherine Rigby (r.), kurz Kasha, führt die Gruppe durch die Wildnis im Südteil des Denali-Nationalpark.
    Foto: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn

    Es ist der erste Tag unserer Tour im Denali-Nationalpark, der eher als zahmer Abenteuerspielplatz gilt. Es gibt markierte Wanderwege, man kann statt nur per Flugzeug mit Bus und Zug anreisen. Entsprechend voll sind im Sommer die Campingplätze.

    Ein Schwarzbär
    Schwarzbären haben äußerst feine Nasen und finden zuverlässig die Essensreste menschlicher Besucher.
    Foto: Chris McLennan/State of Alaska/dpa-tmn

    All das gilt aber nur für den Nordteil des Nationalparks. Im Südteil gibt es keine Straßen, kein Besucherzentrum, keine Campingplätze. Nur ein Basislager hoch oben an einem Gletschersee. Da wollen wir hin.

    Blick auf den Denali
    Epischer Anblick des Denali am Abend: In der Sprache der Athabasken bedeutet Denali «der Große».
    Foto: Jocelyn Pride/State of Alaska/dpa-tmn

    Das All-Inclusive-Abenteuer beginnt in Anchorage, mit knapp 300.000 Einwohnern die größte Stadt des 49. US-Bundesstaates. Im Kleinbus fahren wir auf dem Parks Highway nach Norden.

    Gletschermühle im Ruth Glacier
    Mächtiger Eisstrom: Schmelzwasser verschwindet in einer Gletschermühle im Ruth Glacier.
    Foto: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn

    Am Fish Lake wartet Chip. Ziegenbart und Sonnenbrille, kein Nachname bitte, einfach Chip. Seit 19 Jahren arbeitet er als Pilot in Alaska, sein Wasserflugzeug ist eine Beaver, Baujahr 1949. „Dafür gemacht, verprügelt zu werden“, sagt Chip. Die Maschine dröhnt.

    Der Pilot Chip
    Chip und sein «Bieber»: Der Pilot kann mit seinem Flugzeug auf vielen Seen rund um den Denali landen.
    Foto: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn

    Wir fliegen über den Ruth Glacier, einen fünf Kilometer breiten Eisstrom, der sich zwischen Bergketten talwärts windet. Dahinter leuchtet in ewigem Weiß der Denali, 6190 Meter, der höchste Gipfel Nordamerikas. Ein unbeschreiblicher Ausblick.

    Speisezelt
    Das Speisezelt steht abseits des Lagers, alle Essensreste kommen in den Fluss - alles andere lockt Bären an.
    Foto: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn

    „Der Backside Lake ist der höchste See, auf dem ich landen kann“, sagt Chip. Dann steuert er seine Maschine links in ein Hochtal und bremst sie auf einem milchig grauen See. Am Ufer winkt eine Blondine mit Sonnenbrille und Baseballcap. „Hi, ich bin Kasha, euer Guide.“ Catherine Rigby, 46, ist eine Legende. Das US-Magazin „Outside“ nannte sie „die beste Telemark-Skifahrerin des bekannten Universums“. Hier aber ist sie einfach Kasha und das Gegenteil einer Diva.

    Ein Murmeltier
    Tierische Begegnung in Alaskas Wildnis: ein eisgraues Murmeltier.
    Foto: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn

    Kasha hat eine 44er Magnum umgeschnallt, wegen der Bären. „Packt euer Essen immer in diese Bärtonnen. Und eure Zahnpasta, Seife, Deos – alles, was riecht“, sagt sie. Bären beißen sogar in Batterien, probieren alles.

    Kasha Rigby
    In kurzen Hosen über Schnee: Das Posieren hat Kasha Rigby als Covergirl von Skimagazinen gelernt.
    Foto: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn

    Nächste Lektion: nichts auf den Boden schütten, immer in den Bach. Bären haben unfassbar gute Nasen. Und sie sollen sich auf keinen Fall an Menschen mit Nahrung gewöhnen. Kochen muss aber natürlich sein. Zumindest steht das rote Speisezelt 100 Meter abseits der Zelte.

    Vorbereitung des Mittagessens
    Kasha Rigby und ihr Kollege bereiten das Mittagessen vor - es gibt wahrlich schlechtere Ort für den Lunch.
    Foto: Florian Sanktjohanser/dpa

    Zeit für den ersten Ausflug. Wir steigen den Hang hinter dem Bach hinauf, querfeldein durch weglose Wildnis, staksen durch schmatzenden Sumpf und schulterhohes Gebüsch. An einem Bergsee rasten wir, hinter ihm ragen die Eisspitzen von Hunter und Huntington auf. Ein hübscher Vorgeschmack auf das, was noch kommen wird.

    Bushwacking
    Abseits der Wege geht es durch die Wildnis - Bushwacking heißt das in Alaska und ist oft eine eher ungemütliche Angelegenheit.
    Foto: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn

    Abends gibt es Hühnchen-Enchiladas mit zerbröselten Tacos aus Plastikschüsseln. Die anderen Reisenden sind junge Amerikaner. Es wird viel erzählt, und die besten Geschichten hat natürlich Kasha. Von der Skitour in Grönland, bei der keiner eine Karte eingepackt hatte. Und von der Besteigung des Denali. Vor drei Jahren ging sie auf den Gipfel. 35 Tage war Kasha am Berg. Als das Wetter endlich passte, stieg sie hoch und fuhr mit Skiern ab. „Die Abfahrt war okay“, sagt sie. „Ziemlich eisig, nichts Besonderes.“

    Blick auf Hunter und Huntington
    Der Blick geht über einen namenlosen Bergsee auf Hunter und Huntington - anmutig ragen die Eisspitzen in der Ferne auf.
    Foto: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn

    Über den Nachthimmel kann man das nicht sagen. Bis zum Horizont hinab funkeln Millionen Sterne, über uns leuchtet die Milchstraße. Und dann rüttelt jemand an meinem Zelt: „Komm, Polarlichter!“ Man könnte sie für Wolkenschleier halten, bis sie anfangen zu tanzen. Ein grüner Blitz zieht sich über den Himmel, eine rote Spirale erscheint. Es dauert lange, bis wir der Kälte und Müdigkeit nachgeben.

    Am Ruth-Gletscher
    Rast am Ruth-Gletscher, einen fünf Kilometer breiten Eisstrom, der sich zwischen Bergketten talwärts windet. Dahinter leuchtet in ewigem Weiß der Denali.
    Foto: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn

    „Ihr habt die beste Woche des Jahres erwischt“, sagt Kasha am nächsten Morgen. „Sonne, kaum Moskitos, wenig Wind.“ Wir gehen über den Kamm einer Moräne. Nach einer knappen Stunde erreichen wir die hübschen Kaskaden des Cook's Creek. Es ist die Standardroute, hier wandern die Guides mit den Gästen jedes Mal.

    Denali-Nationalpark-Karte
    Der Denali-Nationalpark ist mit dem Bus oder Zug zu erreichen. Er ist ein beliebtes Sommer-Ausflugsziel für Camper. Das betrifft jedoch nur den Norden, im Süden gibt es keine Straßen, sondern nur ein
    Foto: dpa

    Durch ein bildhübsches Hochtal geht es hinauf, über Beerenbüsche und Schmalblättrige Weidenröschen. Auf dem Kamm angekommen, möchte man niederknien. Vor uns erhebt sich König Denali in vollem Ornat. Eisweiß das Haupt, die breiten Schultern und der Spitzbart; granitgrau die verschränkten Arme und die Fransen aus Felsrillen.

    „Der Denali ist in den USA kein Traumziel aus der ersten Reihe wie der Grand Canyon oder Hawaii“, erklärt Kasha am Abend. In den vergangenen zehn Jahren sei der Tourismus aber gewissermaßen explodiert. 2017 könnte eine neue Rekordmarke erreicht werden: Dann feiert der Denali National Park den 100. Geburtstag.

    In den Schlagzeilen war der höchste Berg Nordamerikas schon im Sommer 2015. Damals entschied Präsident Barack Obama, ihm endlich seinen alten Namen zurückzugeben. In der Sprache der Athabasken bedeutet Denali „der Große“. In Alaska habe ihn ohnehin nie jemand Mount McKinley genannt. Schon 1975 beantragte die Staatsregierung, den Namen wieder in Denali zu ändern. Manche sagen nur: „the Mountain“.

    Am nächsten Morgen wartet die letzte Tour. An einem namenlosen Fluss entlang wandern wir zum Ruth Glacier. Die Städter bekommen noch ihr Beweisfoto für Zuhause: ein Bär! In sicherer Entfernung fläzt ein Schwarzbär in den Büschen. Kurz hebt er den Kopf, schaut zu uns herüber, dreht uns den Hintern zu - und tut, wofür es selbst in Alaska kein hübsches Wort gibt.

    Denali National Park

    Busverbindung von Anchorage zum Denali

    Alaska Railroad

    Busservice im Denali National Park

    Tour Basecamp-Wandern im Denali National Park

    Kesugi Ridge Trail

    Kesugi Ridge Trail (II)

    Der Denali in Alaska

    Reisezeit: Die beste Zeit ist von Mitte Mai bis Mitte September, allerdings kommen dann auch die meisten Besucher. Ab 6. Juni sind alle Zeltplätze geöffnet.

    Anreise: Mit dem Flugzeug nach Anchorage. Von Ende Mai bis Mitte September fahren von dort täglich Busse der Park Connection zum Nationalparkszentrum (rund sechs Stunden, 90 US-Dollar, rund 82 Euro). In den gleichen Monaten bietet Alaska Railroad täglich einen Panoramazug (rund acht Stunden, ab 167 Dollar). Ein Shuttlebus bringt Besucher auf der berühmten Park Road zu mehreren Zeltplätzen. Die Straße wurde 1972 zum Großteil für Privatwagen gesperrt.

    Wandern: Rund um das Besucherzentrum am Parkeingang und am Savaga River Campground gibt es mehrere markierte Wanderwege. Einer der schönsten Panoramawege mit Ausblicken auf den Denali ist der Kesugi Ridge Trail. Die Vier-Tage-Tour mit dem Basislager am Backside Lake wird nur von Alaska Alpine Adventures angeboten.

    Informationen: Visit Anchorage, 524 W. Fourth Avenue, Anchorage, AK 99501, USA (Tel.: 001/907/2572363, www.anchorage.net).

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