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    Sansibar im Wandel: Eine Märcheninsel putzt sich heraus

    Zerfallen wie Kuba, orientalisch wie Marrakesch, Traumstrände wie auf Mauritius: Die Insel Sansibar ist aus Jahren des Stillstands erwacht. Überall in der Altstadt wird gehämmert und gebaut, Stone Town glänzt wieder. Doch nicht alle sehen den Wandel positiv.

    Strand bei Sonnenuntergang
    Die schönsten Strände Sansibars liegen im Norden der Insel - meist kombinieren Touristen einen Aufenthalt in Sansibar-Stadt mit Badeurlaub.
    Foto: Andrea Tapper/dpa-tmn

    Sansibar-Stadt (dpa/tmn) - Das Hämmern der Zimmerleute ist gerade erst verstummt. Überall sind Fassaden von Altbauten mit Plastikplanen verhangen. Sansibar, die Tropeninsel vor Ostafrika, ist aus einem jahrzehntelangen Dornröschenschlaf erwacht.

    Ausblick auf Stone Town
    Über den Dächern von Stone Town: Schon die Kolonialherren haben diesen Ausblick mit einem Sundowner genossen.
    Foto: Andrea Tapper/dpa-tmn

    Kurz vor der Dämmerung haben die meisten Urlauber jedoch keinen Blick für die kunstvollen Restaurierungen, sondern nur ein Ziel: das Meer. Am belebten Stadtstrand oder auf Dachterrassen neuer Boutique-Hotels stoßen sie auf den Sonnenuntergang über dem Indischen Ozean an.

    Segelboot auf dem Wasser
    Postenkartenmotiv: ein Dau-Segler am Strand.
    Foto: Andrea Tapper/dpa-tmn

    Allabendlich erschallt eine verwirrende Kakophonie über der Altstadt. Aus der „Tatu“-Bar am Meer tönt westlicher Rap, aus indischen Tempeln Glockengeklingel, aus den Moscheen rufen die Muezzine. So mancher Besucher fragt sich, ob das Medley aus Tradition und Party Bestand haben wird auf der Insel, die so ganz anders ist als ihre luxuriösen Schwestern im Indischen Ozean.

    Einheimisches Geschäft
    Mitbringsel gefällig? Sansibar hat (fast) alles zu bieten.
    Foto: Andrea Tapper/dpa-tmn

    Halb so groß wie Mallorca und 40 Kilometer vor der Küste Tansanias gelegen, ist der halbautonome Inselstaat Sansibar schwer angesagt, aber noch nicht überlaufen. 300 000 Touristen, darunter 30 000 Deutsche, zog das Eiland im vergangenen Jahr an. Anders als Mauritius oder die Malediven ist Sansibar ein Ort mit regem Eigenleben.

    Sanierung eines Hauses
    Auf Sansibar werden viele alte Handelshäuser renoviert - einige Gebäude haben es bitter nötig. Manche sagen: Es ist schon zu spät.
    Foto: Andrea Tapper/dpa-tmn

    Der plötzliche Bauboom sei wie in Kuba „ein Zeichen der Öffnung“, meint Hausbesitzer Said Salim, 52. „Der Wettlauf der Investoren hat begonnen.“ 200 Jahre gehörte das mehrheitlich muslimische Inselreich zum Sultanat von Oman, bis es 1964 mit dem sozialistischen Tanganjika zu Tansania zwangsvereinigt wurde. Drei Viertel der Altstadt wurden damals verstaatlicht. Doch die Rechnung ging hier ebenso wenig auf wie in Fidel Castros Reich: Statt Gerechtigkeit gab es Zerfall.

    Hotel am Wasser
    Das «Hyatt»-Hotel am Rand der Altstadt fügt sich architektonisch nicht wirklich in das Ensemble von Stone Town ein - das beklagten auch bereits die Unesco-Prüfer.
    Foto: Andrea Tapper/dpa-tmn

    Sansibar mit seiner Altstadt, der Stone Town, wurde vor mehr als 1000 Jahren gegründet und ist heute Unesco-Weltkulturerbe. Den maroden Charme Sansibars genießen Urlauber zum Beispiel auf der Dachterrasse des legendären Hotels „Emerson on Hurumzi“, wo schon Bill Clinton und Johnny Depp arabische Snacks mit südafrikanischem Chardonnay-Weißwein kombinierten. Und so munkeln manche schon wie bei Kuba: Reise nach Sansibar, solange es noch echt ist.

    Blick auf die Stadt
    Wenn die Sonne über dem Ozean untergeht, kommen Touristen und Einheimische auf den Dachterrassen Sansibars zusammen.
    Foto: Andrea Tapper/dpa-tmn

    Stone Town heißt so, weil die meisten der 2000 denkmalgeschützten und ineinander verschachtelten ehemaligen arabischen Sultanpaläste, indischen Handelshäuser und Krämerläden allein aus Korallenstein gebaut sind. Die meisten Gebäude sind zwischen 100 und 150 Jahren alt. Die Stadt ist wie ein Freilichtmuseum - und doch lebendig. Ein jährliches Open-Air-Festival namens Sauti za Busara lockt 20 000 Besucher. In den Läden schneidern Jungdesigner trendige Afro-Mode.

    Sagenumwobenes Bauwerk
    Das Haus der Wunder ist eines der bedeutendsten Gebäude Sansibars - aber einsturzgefährdet.
    Foto: Andrea Tapper/dpa-tmn

    Sansibar putzt sich heraus, aber nicht ganz freiwillig. „Der Aufschwung im Tourismus und Druck der Vereinten Nationen brachten wohl die Wende“, sagt der Altparlamentarier Parmuk Singh. Seit die Unesco 2016 drohte, dem schönen Sansibar wegen Nachlässigkeit den Status als Weltkulturerbe zu entziehen, werden öffentliche Grünzonen wie der Jamhuri-Garten zum ersten Mal seit Jahren gesäubert.

    Szenetreff am Strand
    Wie Ibiza früher: Der Beachclub «Upendo» an Sansibars Ostküste ist ein Treffpunkt der lokalen Szene.
    Foto: Andrea Tapper/dpa-tmn

    Dutzende neue Hotellizenzen für die Altstadt seien beantragt, heißt es. Privatinvestoren kommen zum Zug, wo die Stadt lange untätig war. Der bekannte Architekt Abdul Sheriff meint jedoch, für die Rettung des Weltkulturerbes sei es bereits zu spät: „85 Prozent der Altstadt sind unwiederbringlich verloren.“ Und auch der Fortschritt ist mühsam. So bleibt ausgerechnet das majestätische „Haus der Wunder“ vorerst geschlossen - wegen akuter Einsturzgefahr.

    DJane am Werkeln
    Sansibar besteht aus mehr als orientalisch-afrikanischen Kulissen, die Szene ist jung - hier eine DJane im Africa House.
    Foto: Andrea Tapper/dpa-tmn

    Anderswo führt Investoreneifer zu Bausünden. Das neue Luxushotel „Park Hyatt“ am Rand der Altstadt zerstöre die denkmalgeschützte Skyline des alten Sansibars, monierten die Unesco-Prüfer. Sie forderten einen teilweisen Rückbau des Hauses.

    Verschönertes Portal
    Kunstvoll verziert mit feinen Schnitzereien ist diese alte Pforte in Sansibar-Stadt. Vielerorts sind Restauratoren gefragt, um die Kulturgüter zu erhalten.
    Foto: Andrea Tapper/dpa-tmn

    Mancher Urlauber in Sansibar ist überrascht von so viel Geschichte. Schwer fällt dann die Abwägung, ob man Stadturlaub plus Strand oder Strandurlaub plus Stadt machen soll. Am besten den Urlaub splitten, raten Inselkenner. Obwohl man auch am Stadtstrand schwimmen kann, liegen die wahren Traumstrände an der Nord- und Ostküste.

    Waiz Shelukindo
    Waiz Shelukindo (r) ist einer der jungen Designer, die in Sansibar angesagte Afro-Mode entwerfen.
    Foto: Andrea Tapper/dpa-tmn

    Sansibar, das ist längst auch ein Ziel für Urlauber mit einer gut gefüllten Urlaubskasse. Diese Klientel will es sich gut gehen lassen, etwa im „Mrembo“-Spa einer Deutsch-Holländerin in Sansibar-Stadt. Spa-Chefin Stefanie Schoetz, seit über 15 Jahren auf der Insel, sieht den Wandel der Stadt nicht ohne Sorgen: „In zehn Jahren werden vermutlich keine Einheimischen in der Altstadt mehr wohnen können.“

    Faridi Hamid
    Lokaljournalist Faridi Hamid glaubt, dass Tradition und modernes Leben in Sansibar nebeneinander existieren können.
    Foto: Andrea Tapper/dpa-tmn

    Der Lokaljournalist Faridi Hamid sieht das nicht ganz so negativ. Er glaubt, dass Sozialismus und Tourismus, Schleier und Bikinis auch in Zukunft auf Sansibar friedlich koexistieren werden.

    Sansibar
    Sansibar, der Name klingt für viele Reisende immer noch nach exotischer Märcheninsel. Um die schmucken Fassaden der Altstadt ist es allerdings schlecht bestellt - deshalb wird nun überall renoviert. G
    Foto: dpa

    Sansibar

    Reisezeit: Die Temperaturen liegen ganzjährig zwischen 25 und 35 Grad. In der Hauptsaison von Dezember bis März ist es am heißesten, kühler von Juni bis September. Regenzeit ist im April.

    Anreise: Von Deutschland aus gibt es Direktflüge nach Sansibar, etwa mit Condor ab Frankfurt und München. Alternative sind Stopover-Flüge zum Beispiel mit Turkish Airlines über Istanbul.

    Einreise: Deutsche Staatsbürger benötigen für die Einreise nach Tansania ein Visum, das 50-US-Dollar kostet. Es kann vor Reisebeginn bei der Botschaft in Berlin beantragt werden. Man erhält es aber auch bei Einreise über die internationalen Flughäfen des Landes.

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