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Bonne Bay

Eisberge und Wale garantiert: Unterwegs in Neufundland

dpa/tmn

Ein prustendes Geräusch beendet am frühen Morgen den Schlaf. Die Morgensonne funkelt auf der spiegelglatten Wasseroberfläche der Bonne Bay im Westen der Insel Neufundland. War da wirklich ein Geräusch?

Wal
Wale zu sehen, ist auf der Insel Neufundland keine Seltenheit. Die Zeit von Mitte Mai bis Mitte September ist für Tierbeobachtungen am besten.
Foto: Newfoundland & Labrador Tourism/Barrett & MacKay Ph – dpa

Vom Hotelbett aus wandern die Augen suchend übers Wassers. Da zischt es plötzlich wieder, eine Fontäne spritzt nach oben. Die Flosse eines Zwergwals taucht auf. Gleichzeitig zeigt sich ein zweiter Wal direkt daneben.

Eisberge
Bis zu 15 000 Eisberge ziehen pro Jahr auf der sogenannten Eisberg-Allee direkt an der Küste Neufundlands vorbei.
Foto: Newfoundland & Labrador Tourism/Barrett & MacKay Photo – dpa

«Wale und Delfine zu sehen ist auch für mich immer noch etwas Besonderes», sagt die Hotelbetreiberin Darlene Thomas. «Ich glaube, uns fasziniert dabei die spürbare Kraft der Natur.» Die Kanadierin steht am riesigen Panoramafenster ihres kleinen Hotels in Woody Point. Die Bonne Bay am Sankt-Lorenz-Golf ist umgeben von bewaldeten Bergen. Sie liegt im Gros-Morne-Nationalpark im Süden der Northern Peninsula, der nördlichen Halbinsel Neufundlands.

L'Anse aux Meadows
In L'Anse aux Meadows bauten Wikinger ihre erste Siedlung in Nordamerika. Heute sind Nachbauten davon zu besichtigen.
Foto: Daniela David – dpa

Darlene Thomas hat als ehemaliger Golfprofi schon an vielen weit entfernten Orten gelebt. Doch sie kam zurück nach Neufundland. Sie ist eine von rund 500 000 Einwohnern der Insel und typisch für dessen Bevölkerung: Neufundländer, die der Arbeit wegen die Insel verlassen, kehren unweigerlich irgendwann wieder zurück, heißt es.

Wikinger
In L'Anse aux Meadows werden die Wikinger lebendig – Marc Pilgrim (l) mimt zusammen mit anderen Schauspielern Wikinger aus dem Jahr 1000 nach Christus.
Foto: Newfoundland & Labrador Tourism – dpa

Auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht bei Norris Point treffen zwei Fjorde aufeinander. Reg Williams legt dort gerade mit seinem Schiff ab. Der Kapitän steuert Besucher tiefer in die Fjordlandschaft hinein. Die Fahrt geht vorbei an nach Fotos schreienden Felsformationen und Wasserfällen. Weit und breit sind keine anderen Boote zu sehen. Einsam steigt ein Weißkopfadler am Ufer auf.

Woody Point
Wer eine Unterkunft im Fischerdorf Woody Point gefunden hat, schaut nicht selten direkt auf die Bonne Bay – und sieht womöglich auch Wale.
Foto: Newfoundland & Labrador Tourism – dpa

Für die Touristen völlig überraschend, gibt sich ein Hochzeitspaar an Bord das Ja-Wort. «Die Location ist so majestätisch, dass sie die Kulisse für unsere Trauung sein sollte», meint die Braut. Das Paar ist eigens dafür in ihre neufundländische Heimat gereist. Die Zeremonie ist so ergreifend, dass die Passagiere fast die Wale übersehen, die gerade vorbeischwimmen.

Broom Point
Neufundländer leben mit und vom Meer. Am Broom Point lässt sich nachspüren wie die Fischerei die Geschichte Neufundlands geprägt hat.
Foto: Newfoundland & Labrador Tourism – dpa

Auch Kapitän Williams zeigt sich als typischer Neufundländer: Nicht nur, dass er an keinem anderen Ort der Welt leben wollte und außerdem Neufundland für den besten und sichersten Ort weltweit hält – er macht auch Musik. Ebenfalls typisch hier. «Das sind unsere irischen Wurzeln», scherzt Williams. Die Vorfahren der meisten Neufundländer stammen aus Irland und England.

Reg Williams
Reg Williams ist Kapitän und Musiker. Er bringt Besuchern die Fjordlandschaft Neufundlands näher.
Foto: Daniela David – dpa

In der grünen Naturlandschaft des Gros-Morne-Nationalparks sticht der Tafelberg deutlich heraus: flach, ockerfarben, ohne Bäume. Ein paar Besucher stiefeln über das Geröllfeld, ganz als würden sie in einer Mondlandschaft wandern. «Wir spazieren gerade auf dem Erdmantel», erklärt Kim Thompson vom Parkmanagement. «Der liegt eigentlich unter der Erdkruste. Doch durch die Verschiebung der Erdplatten wurde er nach oben gedrückt.» Diese geologische Besonderheit ist eine Attraktion. Der Nationalpark mit Unesco-Label zählt zu den ganz wenigen Orte des Planeten, wo der Erdmantel zur Oberfläche kam. «Doch nur in Gros Morne ist er so einfach zugänglich», erklärt Thompson.

Angela Decker
Angela Decker führt Touristen durch das historische Fischerhaus der Familie Mudge am Broom Point.
Foto: Daniela David – dpa

Im Westen der Insel führt der Highway direkt an der Küste nach Norden durch dünn besiedeltes Land. Bei gutem Wetter will man am liebsten alle paar Kilometer stoppen, um Fotos zu machen. Imposant zeigen sich die schroffen Bergen und die See, das satte Grün und das tiefe Blau der Wellen. Im Arches Provincial Park hat die Kraft der Gezeiten eine pittoreske Brücke aus Felsen geformt, die Mutige erklettern.

Shannon
Shannon ist Studentin der Meereswissenschaften und erklärt Besuchern in der Bonne Bay Marine Station, was es mit den Meerestieren auf sich hat.
Foto: Daniela David – dpa

Insgesamt zählt Neufundland fast 18 000 Kilometer Küstenlinie. Zumindest einer der vielen Leuchttürme muss da besucht werden: Lobster Cove Head Lighthouse von 1897 thront in strahlendem Weiß auf einer Klippe. Der letzte Leuchtturmwärter und seine Frau haben an diesem stürmischen Ort sechs Kinder groß gezogen. Neufundländer scheinen sich vor den Naturgewalten eben nicht zu fürchten.

Blauer Hummer
In der Bonne Bay Marine Station gibt es tatsächlich blauen Hummer zu bestaunen.
Foto: Daniela David – dpa

Auch in L'Anse aux Meadows im Norden trifft man auf zähe Burschen wie etwa Marc Pilgrim. Mit Rauschebart und robuster Kleidung mimt der Schauspieler einen Wikinger aus dem Jahr 1000 nach Christus. «An dieser Stelle bauten Wikinger ihre erste Siedlung in Nordamerika», sagt der Einheimische. «Lange vor Kolumbus betraten hier die ersten Europäer die neue Welt.» Forscher entdeckten in den 1960er Jahren Überreste der Siedlung. Einige der Erdhäuser sind rekonstruiert, mit Torf verkleidet und Grassoden bedeckt.

Gros Morne Nationalpark
Kim Thompson vom Gros-Morne-Nationalpark Management zeigt die Topographie der Landschaft.
Foto: Daniela David – dpa

Unweit davon steht Dough Cook mit seiner Kamera am Ufer des Atlantischen Ozeans. Der Fotograf hat gerade einen vorbei ziehenden Eisberg vor der Linse. Bis zu 15 000 von ihnen flanieren pro Jahr auf der sogenannten Eisberg-Allee direkt an der Küste Neufundlands vorbei. «Daraus wird inzwischen auch «Eisberg-Bier» gebraut.»

Panoramafenster
Darlene Thomas steht vor dem Panoramafenster ihres kleinen Hotels in Woody Point mit Blick auf die Bay – und manchmal sogar auf vorbeiziehende Wale.
Foto: Daniela David – dpa

Ob Eisberge, Wale oder Elche – sein früheres Geschäft mit Postkarten läuft im Smartphone-Zeitalter nicht mehr. Daher verdingt sich Dough im Winter als Möbelverkäufer. Auf die Frage, ob er sich vorstellen könnte, Neufundland zu verlassen, kommt die Antwort fast entrüstet: «Oh no! Ich bin vielleicht verrückt, aber doch nicht dumm!»

Erdkruste
Im Gros-Morne-Nationalpark spazieren Wanderer auf der Erdkruste, die hier an die Oberfläche tritt – das ist nur an ganz wenigen Orten weltweit möglich.
Foto: Newfoundland & Labrador Tourism – dpa

Tourismusseite von Neufundland und Labrador (auf Englisch)

Neufundland

Pitcher Plant
Die Pitcher Plant ist eine fleischfressende Pflanze – und Symbol für Neufundland.
Foto: Newfoundland & Labrador Tourism/Hans Van Klinken – dpa

Reiseziel: Die Provinz Neufundland Labrador liegt im Osten Kanadas.

Lobster Cove Head Lighthouse
Idyllisch: Das Lobster Cove Head Lighthouse steht einsam auf einer Klippe.
Foto: Newfoundland & Labrador Tourism/Barrett & MacKay Photo – dpa

Reisezeit: Die beste Zeit für die Walbeobachtung ist von Mitte Mai bis Mitte September. Eisberge sieht man vor allem von Mai bis Anfang Juli. Ins Gepäck gehört Kleidung für kühlere Tage und Regen.

Karte Neufundland
Die Insel Neufundland gehört zur kanadischen Provinz Neufundland und Labrador. Die Geschichte des Eilands ist vom Fischfang geprägt, die Natur lockt heute viele Touristen an. Karte: dpa-infografik Fot
Foto: dpa

Anreise: Von Deutschland aus ist die neufundländische Hauptstadt St. John's mit Zwischenstopps zu erreichen. Von dort geht es im Flugzeug weiter zur Westküste nach Deer Lake auf die Northern Peninsula.

Einreise: Deutsche Staatsbürger brauchen einen gültigen Reisepass. Ab Herbst ist auch eine elektronische Einreisegenehmigung (eTA) verpflichtend. Diese wird vor der Reise online beantragt und gilt fünf Jahre. Die Gebühr beträgt 7 Kanadische Dollar (rund 4,80 Euro).

Informationen: Newfoundland and Labrador Tourism, P.O. Box 8700 2nd Floor West Confederation Building, St. John's, NL, A1B 4J6, Canada (E-Mail: contactus@newfoundlandlabrador.com).

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