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    Einsam im indischen Himalaya – Schluchtenwanderung in Ladakh

    Indien wird in wenigen Jahren das bevölkerungsreichste Land der Welt sein. Im rauen Norden des Landes, hinter der ersten Himalaya-Kette, ist davon nichts zu spüren. Wer hier wandert, braucht schnittfeste Sohlen, einen dicken Schlafsack und viele Ponys.

    Wanderung bei brennender Sonne
    Die Sonne brennt: Drei Wanderer arbeiten sich einen Hang hinauf. Im Hintergrund sind die grünen Felder eines Dorfes auf etwa 4000 Metern Höhe zu sehen.
    Foto: Doreen Fiedler - dpa

    Leh (dpa/tmn). Langsam bewegt sich die Karawane aus deutschen Wanderern, Tourenführer, Helfern und Ponys auf einem Zick-Zack-Pfad zum 4430 Meter hohen Kiupa-Pass im Himalaya hinauf. Die nächste holprige Straße in dieser Ecke Indiens liegt fünf Tagesmärsche Richtung Süden oder zwei Richtung Norden.

    Lasttiere auf dem Weg
    Die trittsicheren Lasttiere bahnen sich gemächlich den Weg im scharfkantigen Schutt.
    Foto: Doreen Fiedler - dpa

    Die Bergrücken hier, sagt einer aus der Gruppe, sähen aus wie die Zacken eines Drachen. Ladakh ganz im Norden Indiens ist ein karger Landstrich. Sowohl landschaftlich als auch kulturell gehört er eher zu Tibet als zum tropischen Südindien oder den Zig-Millionen-Metropolen wie Mumbai und Delhi. Bäume gibt es in vielen Tälern Ladakhs nicht, Baumaterial muss herangeschleppt werden. Daraus bauen die Menschen ihre Häuser: Holzgebälk, Lehmziegel, Reisig auf dem Dach, weiß getüncht. Manche Dörfer haben keine Straßen- und Stromanbindung. Doch die Moderne kommt, meist in Form von großrädrigen Baggern mit gewaltigen Schaufeln. Kilometer um Kilometer werden jedes Jahr neue Straßen in die unwirtlichen Himalaya-Berge Indiens gebaut.

    Teilnehmer der Schluchtenwanderung
    Hinein in die nächste Schlucht: Nach wenigen Tagen zählt niemand in der Gruppe mehr die zurückgelegten Höhenmeter.
    Foto: Doreen Fiedler - dpa

    Die bei Wanderern aus aller Welt beliebte Durchquerung des Zanskar-Gebirges dauerte einst drei Wochen. Nun ist es möglich, auf beiden Seiten und zwischendurch einige Tage mit dem Jeep zu verkürzen. Wer das nicht will, kann stattdessen von West nach Ost laufen, zum Beispiel auf der 18-tägigen Schluchtenwanderung von Rangdum über Lingshed und Zangla bis nach Shang Sumdo.

    Kiupa-Pass
    Eine buddhistische Gebetsfahne flattert auf dem Kiupa-Pass im Wind. Die meisten Bewohner der Region sind Buddhisten - ihre Religion erinnert an die einst enge Verbindung zu Tibet.
    Foto: Doreen Fiedler - dpa

    Bevor der erste Schritt geschafft ist, sind einige Herausforderungen zu meistern. Zum Beispiel die Akklimatisierung, denn das regionale Zentrum Leh liegt auf rund 3500 Metern. Ein Aufstieg zur Shanti-Stupa etwas oberhalb der Stadt fühlt sich für frisch Angekommene an wie eine Bergbesteigung in den Alpen. Gegenüber liegt der Königspalast des Löwenkönigs Sengge Namgyal, dem Potala-Palast in Lhasa nachempfunden. Der neunstöckige Leh-Palast mit seinen 100 Zimmern ist viel kleiner als das große Vorbild. Der tibetische Buddhismus ist in Ladakh überall präsent: Gebetsfahnen wehen im Wind, in den Tälern stehen Stupas und Chörten, wie die Schreine hier heißen.

    Kaku Maghi mit Lasttieren
    Kaku Maghi steht zusammen mit seinen Lasttieren auf einem Pass. Bis zu 50 Kilogramm schleppt jedes Tier.
    Foto: Doreen Fiedler - dpa

    Von Leh zum Startpunkt der Wanderung braucht der Geländewagen zwei Tage. Die Fahrt ist holprig und oft haarscharf am Abgrund entlang. „Juley, Hallo, Guten Tag“, grüßt schließlich das Team in einer Flussebene in Rangdum. Neben den Zelten grasen Ponys und Maultiere. Statt auf Träger setzen viele Organisatoren von Trekkingtouren in Ladakh auf die leichtfüßigen Lasttiere.

    Wandergruppe auf dem Barmi-Pass
    Die Wandergruppe überquert zusammen mit ihren Lasttieren den Barmi-Pass auf 4700 Metern.
    Foto: Doreen Fiedler - dpa

    Elf von ihnen sind nötig, um alles Notwendige für die Vierergruppe aus Deutschland zu tragen: fünf Gaszylinder, Essens-, Koch- und Klozelt, Schlafzelte, Mehl für Kuchen und Pizza und Fladenbrote, Gemüse für Currys und Kürbissuppe, Milchpulver und ein Gemisch aus Soja, Kichererbsen und Gerste für die Tiere. Hinzu kommen die Rucksäcke und dicke Schaumstoffmatten. Rund 50 Kilogramm schleppt jedes Pony. Noch unerschrockener als die Maultiere sind in den Bergen nur Yaks sowie Chopas, eine Mischung aus Yak und Rind.

    Fluss Zuling Chu
    Die beiden Tierführer Syam (l) und Kaku Maghi (r) treiben ihre Maultiere und Ponys durch den Fluss Zuling Chu. Überquerungen von Flüssen können in Ladakh gefährlich sein.
    Foto: Doreen Fiedler - dpa

    Am Oberlauf des Flusses Oma Chu steht eine Lehmhütte, in der drei runzelige Yak-Hirten den Sommer verbringen. Sie melken die Tiere, bereiten aus der Milch Butter zu und senden diese auf Yak-Rücken hinunter in die Zivilisation. Vorbeikommende Wanderer bekommen aus großen Holzfässern so viel Joghurt geschöpft, wie sie trinken können.

    Lasttiere laufen durch eine Schlucht
    Syam treibt seine Lasttiere durch eine Schlucht. Sie können sich im Gebirge deutlich souveräner bewegen als Menschen.
    Foto: Doreen Fiedler - dpa

    Die zusätzliche Energie ist nötig, denn die Schluchtenwanderung macht ihrem Namen schon auf den ersten Abschnitten alle Ehre. Es geht von einem Flusstal auf 4010 Metern über einen Pass auf 5020 Metern, dann hinunter in Schluchten auf rund 4000 Metern, wieder über einen 4700 Meter hohen Pass, hinein in die nächste Schlucht, und so weiter.

    Wanderer auf einem Pass
    Zwei Wanderer aus der Gruppe gehen über den Kiupa-Pass. Auf den Pässen werden oft Chörten errichtet, das sind buddhistische Kultbauten.
    Foto: Doreen Fiedler - dpa

    Zwischendrin müssen alle über die Flüsse und Bäche - manchmal von Stein zu Stein springend, manchmal watend. Ab und an hilft nur noch ein Seil, wenn das Wasser zu tief und gefährlich wird.

    Shanti-Stupa in Leh
    Drei Touristen und ein Reiseführer ziehen auf den Stufen der Shanti-Stupa in Leh ihre Schuhe wieder an. Das Gebäude ähnelt dem Potala-Palast in Lhasa.
    Foto: Doreen Fiedler - dpa

    Am Wegesrand huschen die Wildtiere davon: Murmeltiere, Kaninchen, blaue Schafe, Bergantilopen und Eidechsen mit orangenen Halsflecken. In der Luft kreisen Adler, Bergdohlen und Falken.

    Nonne Nam Tikih
    Die buddhistische Nonne Nam Tiki lebt im Nonnenkloster von Zangla. Sie war nach Angaben der anderen Nonnen zum Zeitpunkt der Aufnahme 101 Jahre alt.
    Foto: Doreen Fiedler - dpa

    Hinter Lingshed führt der Weg einen knappen Tag lang entlang des bei Touristen beliebten Zanskar-Treks. An anderen Stellen hingegen ist die Schluchtentour so wenig begangen, dass der Weg verschüttet ist und neu gelegt werden muss. Einmal irrt sich der Guide, und die Ponys brechen durch eine Schneedecke über einem Fluss ein und müssen herausgezogen werden. Die höchste Nacht der Tour verbringt die Gruppe auf 4700 Metern. Am Morgen bedeckt den See vor den Zelten eine Eisschicht. Einer der niedrigsten Punkte der Wanderung ist ein Canyon, dessen Wände sich so sehr neigen, dass sie sich an einem Punkt oben sogar berühren.

    Eine Bäuerin in Ladakh
    Eine Bäuerin in Ladakh treibt mit Tierfutter beladene Esel durch ein Dorf auf etwa 4000 Metern Höhe. Zwischen den Lehmhäusern sind Gebetsfahnen gespannt.
    Foto: Doreen Fiedler - dpa

    Der letzte Pass auf der Tour, der Kongmaru La, ist mit 5260 Metern der höchste - und der einfachste. Niemand aus der Gruppe hat mehr Schmerzen oder Blasen, die Muskeln haben sich an die Anstrengungen gewöhnt. Unter den Gebetsfahnen auf dem Pass fallen sich alle in die Arme. Der Gruppenälteste blickt auf die vergangenen 17 Tage zurück: „Jeden Tag eine Überraschung, mit vielen Extremen: Wind, Sonne, Kälte, Wasser. Ein echtes Abenteuer.“

    Chopa im Tal
    Ein Chopa, eine Mischung aus Yak und Rind, grast in einem Tal. Die Tiere können in großen Höhen leben, ihre Milch wird zu Joghurt und Butter verarbeitet.
    Foto: Doreen Fiedler - dpa

    Sehenswürdigkeiten rund um Leh

    Karte von Indien
    Die Region Ladakh liegt ganz im Norden Indiens und gehört zum Bundesstaat Jammu und Kaschmir. Es ist eine gebirgige Gegend, in der nur wenige Menschen wohnen.
    Foto: dpa-infografik

    Hotel-Liste der Regierung

    Festival-Kalender in Ladakh

    Ladakh

    Reisezeit: Von Juni bis September.

    Anreise: Von Deutschland nach Neu Delhi. Von dort fliegen täglich indische Airlines wie Jet Airways, Go Air und Air India nach Leh.

    Einreise: Deutsche können für Indien ein sogenanntes E-Visum für 30 Tage bekommen, das einige Tage vor der Abreise online beantragt werden muss. Bei den Vertretungen Indiens in Deutschland bekommen Touristen außerdem ein normales Dreimonatsvisum.

    Übernachtung: Es gibt viele Unterkünfte in Leh, und nie ist alles ausgebucht. Einfache saubere Doppelzimmer bei Familien in Laufweite des Stadtzentrums sind ab 10 Euro zu bekommen. Nett ausgebaute Jurten einige Kilometer entfernt mit phänomenalem Blick auf die Berge gibt es für rund 80 Euro pro Nacht mit Frühstück.

    Informationen: Tourist Information Centre Leh (Tel.: +91 1982 257788, E-Mail: ticleh1@gmail.com, http://www.leh.nic.in/). Die Auskunft bei offiziellen Stellen ist jedoch nur rudimentär. Es ist notwendig, sich im Vorfeld einen privaten Anbieter zu suchen. Für kürzere Touren kann man spontan in Leh Guide und Träger organisieren.

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