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    Der Weg ist das Ziel: Ein Fahrradtrip durchs südliche Afrika

    Die karge Schönheit des Grenzgebiets zwischen Namibia und Südafrika im „/Ai/Ais-Richtersveld Transfrontier Park“ erschließt sich nicht auf den ersten Blick - auf einer sechstägigen Radtour bei Vollmond aber ganz sicher. Eine Reise im Rhythmus der Wüste.

    Sonnenuntergang
    Sonnenuntergang in der Einsamkeit des südafrikanisch-namibischen Grenzgebiets: Desert Knights euphorisiert.
    Foto: Christian Selz/dpa-tmn

    Hobas (dpa/tmn). Die Zahlen, die Pieter Van Wyk vor der Kulisse des Fish River Canyons herunterbetet, sind unvorstellbar. Vor zwei Milliarden Jahren haben Vulkanausbrüche die Berge geschaffen, die hier im Südwesten Namibias noch immer am Horizont thronen.

    Radler unterwegs
    Radfahren muss man beim Desert Knights, bevor die Tage zu heiß werden.
    Foto: Christian Selz/dpa-tmn

    Der Biologe, 28, spricht von 2000 Millionen Jahren, so als wäre diese ungeheure Zeit damit greifbarer - was natürlich nicht stimmt. Erosion ließ im Laufe der Zeit die bis zu 550 Meter tiefen Canyons entstehen. Schon morgens brennt die Sonne unerbittlich über der kargen Steinwüste, nur vereinzelt sträuben sich Büsche mit kleinsten, knochenharten Blättern gegen das Vertrocknen. Die Landschaft gehört zu einem Nationalpark mit dem etwas sperrigen Namen „/Ai/Ais-Richtersveld Transfrontier Park“.

    Orange River
    Ausblick auf das Camp in De Hoop und das Tal des Orange River: Der Grenzfluss teilt Südafrika und Namibia.
    Foto: Christian Selz/dpa-tmn

    Die Einzigartigkeit der Region erschließt sich auf einer kurzen Stippvisite per Auto oder Reisebus kaum. Deshalb gibt es eine entschleunigte Variante: Desert Knights, eine Fahrradtour von Namibias Süden über den Grenzfluss Oranje in den südafrikanischen Norden. Zweimal jährlich, wenn die Temperaturen im April und September einigermaßen erträglich sind, durchqueren bis zu 100 moderne Abenteurer die fast unheimliche Stille der Wüste. Ohne Stoppuhr, jeder in seinem Tempo.

    Mit dem Fahrrad auf der Strecke
    Der Tag zieht herauf, es geht durch eine entrückte Landschaft - auf dem Fahrrad lernt man sie erst richtig kennen.
    Foto: Christian Selz/dpa-tmn

    „Die Absicht war, die touristischen Höhepunkte des Transfrontier Parks in eine Tour zu packen“, erklärt deren Erfinder Roland Vorwerk, Marketing-Manager bei der Agentur Boundless Southern Africa. Doch es sind längst nicht nur die hervorstechenden Landmarken, der Blick in den Canyon oder das Bad in den heißen Thermalquellen von „/Ai/Ais“, die diese Tour ausmachen. Auf den 300 Kilometern, 20 davon per Kayak auf dem Oranje, ist vielmehr der Weg das Ziel.

    Kajak-Trip auf dem Orange River
    Willkommene Abwechslung: 20 Kilometer der Desert-Knights-Tour werden in Kajaks auf dem Orange-Fluss absolviert.
    Foto: Christian Selz/dpa-tmn

    Nach einem Warmfahren am ersten Tag führt die Etappe am nächsten Abend von Hobas nahe des Canyons nach „/Ai/Ais“. „Heiß wie Feuer“ bedeutet der Name in der Sprache der Nama, der das 65 Grad warme Quellwasser meint.

    Trinkpause
    Viel trinken muss sein beim Desert Knights. Und manchmal will man sich einfach nur den Staub aus dem Gesicht spülen.
    Foto: Christian Selz/dpa-tmn

    Kaum kühler fühlt es sich in den späten Nachmittagsstunden jedoch auf der Schotterstraße an, die sich von Hobas aus gen Süden durch die welligen Weiten zieht. Ein erbarmungsloser, staubtrockener Gegenwind lässt selbst dann den Schweiß laufen, wenn es einmal leicht bergab geht. Im Westen fallen Sonnenstrahlen durch die Wolken. So lila-rot sind die Farben, dass das Panorama fast schon kitschig wirkt.

    Blick in die Ferne
    Erster Tag, die kürzeste Etappe, hier zwischen dem Camp Hobas und dem Fish River Canyon: weites Land.
    Foto: Christian Selz/dpa-tmn

    Sonst ist Ruhe, 68 lange Kilometer. Unterbrochen wird sie nur von drei Verpflegungsstationen, an denen die Radler Wasser und Energie tanken, letztere in Form von Datteln, Keksen und Biltong, dem in Namibia und Südafrika allgegenwärtigen Trockenfleisch.

    Hirtenbaum und Menschengruppe
    Die Vegetation versucht, der Dürre zu trotzen: Hirtenbaum bei De Hoop auf der südafrikanischen Seite im Richtersveld.
    Foto: Christian Selz/dpa-tmn

    Bei der Durchquerung der verlassenen Farm Kanabeam treibt tiefer Sand in der einzigen Jeep-Spur die Radfahrer zur Verzweiflung. Ein US-amerikanisches Paar hatte die Farm einst in dem Glauben gekauft, dort Zink fördern zu können. Doch die ersten Funde waren fingiert. Von den enttäuschten Hoffnungen auf einen Zink-Boom zeugen heute nur noch die rostigen Minengerätschaften, die aus der sandigen Ebene ragen - und die weitgehend intakte Wüstenvegetation.

    Proviant für die kommenden Etappen
    Großer Andrang am Verpflegungspunkt auf der fünften Etappe von De Hoop nach Hakkiesdoring.
    Foto: Christian Selz/dpa-tmn

    So schiebt sich der runde Mond in fast gespenstischer Stille über die steilen Felswände der Gamkab-Schlucht, die nur zweimal jährlich zu den Fahrradtouren von Menschen betreten wird.

    Knöcherbaum
    Pieter Van Wyk vor einem Köcherbaum bei Hobas am Rand des Fish River Canyons.
    Foto: Christian Selz/dpa-tmn

    Bedroht sind die Ökosysteme des Parks dennoch. Am Grund des Oranje, dem einzigen ganzjährig Wasser führenden Fluss der Region, wimmelt es inzwischen vor exotischen Schnecken, deren Vorfahren vermutlich von Aquariumbesitzern stromaufwärts „entsorgt“ worden sind. Der dünne grüne Uferstreifen leidet zudem unter der Überweidung durch die Ziegenherden der örtlichen Bevölkerung.

    Ausgetrockneter See
    Trockene Schönheit: der Fish River Canyon bei Hobas. Unten fließt der «Fischfluss».
    Foto: Christian Selz/dpa-tmn

    Die für ganz Afrika so charakteristischen Hirtenbäume können im Park locker 1500 Jahre alt werden. Hier trifft man auch Pieter Van Wyk, der sonst in der Gärtnerei des Parks arbeitet, auf einer seiner morgendlichen Botanikwanderungen. Von den einst 2000 Kilometern Auenwald ist aber nur noch ein Zehntel erhalten.

    Ausblick ins weite Land
    Radfahren mit Aussicht: der Fish River Canyon bei Hobas.
    Foto: Christian Selz/dpa-tmn

    Auch weiter weg vom Ufer sieht es nicht besser aus. Infolge der seit vier Jahren anhaltenden Dürre sind 40 Prozent der Pflanzen im Park abgestorben. Insbesondere bei den Köcherbäumen ist ein wahres Massensterben zu beobachten. Woran genau das liegt, kann auch Van Wyk nicht erklären, denn längere Trockenperioden sind in der Gegend eigentlich normal. „Es muss mit dem Klimawandel zu tun haben.“

    Sukkulenten am Wegesrand
    Die Vegetation ist häufig spärlich: blühende Sukkulenten am Helskloof-Pass.
    Foto: Christian Selz/dpa-tmn

    Nach einer langen Vollmondfahrt über enge, steinige Pfade wartet schließlich das Ziel der sechstägigen Radtour am Grenzübergang Sendelingsdrift mit einem Glühwein. Wer hier ankommt und dann noch auf die Suche nach den 22 Gecko-Arten des Parks geht, der hat nicht einfach nur Urlaub gemacht. „Es ist die Möglichkeit, in einer der großartigsten Landschaften der Welt zu meditieren“, sagt Raymond Siebrits, ein Teilnehmer aus Kapstadt.

    Wüstentour durch Namibia und Südafrika
    Der Nationalpark «/Ai/Ais-Richtersveld Transfrontier Park» ist Austragungsort der sechstägigen Fahrradtour Desert Knights - die Reise führt durch spektakulär einsame Landschaften.
    Foto: dpa-infografik

    Webseite der Radtour Desert Knights

    Fahrradtour Desert Knights

    Anreise: Der vom Startpunkt in Hobas nächstgelegene erreichbare Flughafen ist Upington im Norden Südafrikas (400 Kilometer entfernt). Die Flüge in die Kleinstadt sind jedoch meist recht teuer, hinzu kommt, dass die Mietwagenanbieter für Fahrten nach Namibia in der Regel eine Grenzübertrittsgebühr verlangen. Günstiger ist daher die Anreise über Namibias Hauptstadt Windhuk (650 Kilometer entfernt). Hobas ist nur per Mietwagen zu erreichen.

    Einreise: Für die Einreise sowohl nach Südafrika als auch Namibia reicht für EU-Bürger ein Reisepass, der bei Reisebeginn noch sechs Monate lang gültig sein sollte.

    Kosten: 15 000 südafrikanische Rand (etwa 1100 Euro) pro Person für die gesamte Tour mit Vollverpflegung und Übernachtung in Zelten. In Namibia gelten sowohl der südafrikanische Rand als auch der daran gekoppelte Namibia-Dollar, in Südafrika jedoch nur der Rand. Die jeweilige Landeswährung kann in allen Städten am Geldautomaten abgehoben werden, nicht jedoch in den Camps des Parks.

    Informationen: South African Tourism, Friedensstraße 6-10, 60311 Frankfurt, Tel.: 069 92912950, E-Mail: info.de@southafrica.net.

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