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    Bei den Muschelfischern: Das Perlenwunder von Westaustralien

    In Westaustralien wächst eine der schönsten Perlen der Welt. Denn durch die extreme Ebbe werden die Muscheln riesig. Es entstehen nicht nur wunderbare Schmuckstücke. Touristen können sich auch an einem besonderen Naturschauspiel erfreuen – der Strickleiter zum Mond.

    Perlen aus Broome
    Die Perlen haben die Stadt Broome weltbekannt gemacht. Heute kommen sie vorwiegend aus Zuchtfarmen.
    Foto: Tourism Western Australia – dpa

    Broome (dpa/tmn). Die Sonne ist hinter dem Horizont verschwunden, doch noch immer sitzen Hunderte Touristen am Mangrovenstrand von Broome im Norden Westaustraliens. Alle schauen aufs Meer.

    Fitzroy River
    Vorsicht beim Fischen: Im Fitzroy River in Western Australia gibt es herrliche Barramundi, aber auch Krokodile.
    Foto: Michael Juhran – dpa

    Langsam schiebt sich der goldgelbe Mond über das schwarze Wasser und erzeugt wenige Minuten später ein spektakuläres Phänomen: Die Strahlen spiegeln sich sowohl im Meer als auch auf dem Watt, so als werfe der Mond eine Strickleiter aus. Diese „Staircase to the Moon“ gibt es nur rund um die Vollmondzeit zwischen Mai und Oktober bei extremer Ebbe zu bestaunen. Bis zu 13 Höhenmeter zieht sich das Meer zurück.

    Blick aus dem Kleinflugzeug
    Blick aus dem Kleinflugzeug: Die geschützten Buchten der Inselwelt von Talbot Bay garantieren beste Bedingungen für die Perlenzucht.
    Foto: Michael Juhran – dpa

    Für die Pinctada maxima, die silberlippige Perlmuschel, bildet der größte Tidenhub der südlichen Hemisphäre das Lebenselixier. Die bis zu 30 Zentimeter große Muschel erreicht durch die vielen Nährstoffe, die von der extremen Strömung angespült werden, eine besondere Größe und Stärke. Die Muschel machte die Stadt Broome zur Weltperlenmetropole.

    Taucher in Broome
    Die gefährliche Arbeit früherer Tage ist vorbei. Heute verfügen die Perlenzüchter und Taucher in Broome über modernste Technik.
    Foto: Michael Juhran – dpa

    „Lange vor der europäischen Besiedlung nutzten meine Vorfahren die Muscheln als Tauschmittel im Handel“, berichtet Neville Poelina. Er lebt rund 200 Kilometer nordöstlich von Broome im Outback und hat selbst 22 Jahre als Taucher in der Perlenindustrie gearbeitet.

    Pinctada maxima
    Die Pinctada maxima, die silberlippige Perlmuschel, bringt besonders harte und glänzende Perlen hervor.
    Foto: Tourism Western Australia – dpa

    Kurz vor der Jahrhundertwende lieferte Broome etwa 80 Prozent der Pinctada maxima weltweit, erfährt man im historischen Museum von Broome. Um die 400 Spezialschiffe für das Muscheltauchen waren bis zum Ersten Weltkrieg im Einsatz, um die Riesenmuscheln mit dem wertvollen Perlmutt zutage zu fördern. „Die Chance, dabei eine Perle zu finden, lag bei 1 zu 5000“, berichtet Poelina. Aber das Perlmutt war so wertvoll, dass Broome zu Wohlstand gelangte. Knöpfe, Bestecke und Broschen aus Broome-Perlmutt waren in der ganzen Welt gefragt. Man kann sie noch immer auf dem Markt erstehen.

    Schmuck aus Perlen
    Aus den Perlen werden in Broome kostbare Schmuckstücke hergestellt – zum Beispiel Halsketten.
    Foto: Tourism Western Australia – dpa

    Erst in den 1950er Jahren begann man in Broome mit der Perlenzucht. Die Taucher sammelten die Riesenmuscheln fortan vom Meeresgrund, um sie in Zuchtfarmen zu bringen. Dort wurden sie mit einem Nukleus bestückt, der langsam zu einer Perle heranwächst.

    Broome Besteck
    Begehrtes Mitbringsel: Noch immer kann man in Broome Besteck aus Muschelperlmutt erstehen.
    Foto: Michael Juhran – dpa

    Um mehr über die Geschichte zu erfahren, hilft eine Wanderung. Ein Lehrpfad führt zum historischen Museum, passiert am Strand eine Reihe von Schautafeln und ein Denkmal, steuert mit dem Pearl Lugger ein weiteres kleines Museum an, um schließlich am Pier zu enden. Einige Meter weiter steht eine Galerie, in der einige der schönsten Perlen der Welt zu bewundern und zu kaufen sind.

    Streeter's Jetty
    Hier am Streeter's Jetty in Broome nahmen die Taucher früher Abschied von ihren Familien und landeten die gesammelten Muscheln an.
    Foto: Michael Juhran – dpa

    Die Arbeit in der Perlenindustrie brachte Poelina genug Geld für den Start als Aborigines-Touranbieter im Tourismus. Mit seiner Frau Joanne führt er jetzt Gäste aus aller Welt durch die Region. Von den Tombstone Flats mit Tausenden von Termitenhügeln geht es durch rote und ockerfarbene Wüstengebiete. Dann ändert sich das Landschaftsbild hin zu dichterem Baumbewuchs mit weißstämmigem Eukalyptus, australischen Teebäumen, Feigen und Lianen.

    Alte Taucherausrüstung
    Schweres Gerät: 80 Kilogramm wogen einst die Taucherausrüstungen, die heute im Pearl-Lugger-Museum von Broome zu sehen sind.
    Foto: Michael Juhran – dpa

    Neville Poelina hält immer wieder an und erklärt den medizinischen Nutzen von Blüten, Früchten, Blättern, Rinden und Wurzeln. „Das ist meine Apotheke“, sagt er lächelnd. Für den Sundowner steuert er seinen Geländewagen an den Skeleton-See. Jetzt sind auch Tochter Angelina (9) und Sohn Simon (11) dabei, die tagsüber am Computer via Satellit Schulunterricht hatten. Simon eifert seinem Vater nach, kennt bereits über 100 Pflanzenarten, fährt den Pick-up und kann mit dem Gewehr umgehen. Nun wirft er geschickt ein Fangnetz aus und sammelt Garnelen für das Abendessen am Lagerfeuer.

    Horizontal Falls
    Im Nordwesten Australiens können Reisende geführte Ausflüge zu den Horizontal Falls unternehmen.
    Foto: Tourism Western Australia – dpa

    Nach zweieinhalb Tagen geht es zurück nach Broome. Junge Männer bereiten im Hafen an Bord der „Paspaley IV“ die nächste Ausfahrt vor. Das Schiff ist mit modernsten Maschinen ausgestattet. Es fährt wie zu früheren Zeiten an den Eighty Mile Beach im Süden zum Muschelsammeln. Das Einsetzen des Nukleus erfolgt nun aber bereits an Bord.

    Fahrt zu den Horizontal Falls
    Eine Bootsfahrt zu den Horizontal Falls ist ein echtes Abenteuer – die Gegend ist sehr entlegen.
    Foto: Seaplane Adventures – dpa

    Sind die mit Meerwasser gefüllten Sammelbehälter gefüllt, wird das kostbare Gut zu den Muschelfarmen im Norden transportiert. Hunderte Meilen unbewohnter wilder Küste bieten beste Wachstumsbedingungen. Kristallklares Wasser garantiert eine außergewöhnliche Qualität der Perlen, die als die schönsten der Welt gelten. Bei einem Flug entlang der Küste beeindrucken die Farben und Formen der Korallen- und Sandbänke. Dort unten legen die Muscheln in den Farmen eine Perlmuttschicht nach der anderen um den Nukleus, bis nach zwei Jahren die fertige Perle entnommen werden kann.

    Vorsicht Krokodile!
    Australien-Reisende können sich Gewässern nicht bedenkenlos nähern – oft leben darin Krokodile.
    Foto: Tourism Western Australia – dpa

    Tourismus-Webseite von West-Australien

    Touranbieter Neville Poelina
    Neville Poelina war Taucher und ist nun Touranbieter. Selbst im Outback inmitten der Tombstone Flats findet er köstliche Beeren.
    Foto: Michael Juhran – dpa

    Uptuyu Aboriginal Adventures

    «Strickleiter zum Mond»
    Als «Strickleiter zum Mond» wird das Phänomen bezeichnet, wenn der Himmelskörper seinen Schein bei starker Ebbe auf Meer und Watt wirft.
    Foto: Tourism Western Australia – dpa

    Perlenmuseum Pearl Luggers Broome

    Australien
    Broome ist eine Küstenstadt, die am Indischen Ozean gelegen ist.
    Foto: dpa-infigrafik

    Kimberley Aviation

    Pinctada McAlpine House

    Visum beantragen

    Westaustralien

    Anreise: Die Anreise von Deutschland dauert lange. Zunächst mit mindestens einem Zwischenstopp etwa am Persischen Golf bis Perth, von dort per Inlandsflug weiter nach Broome.

    Einreise: Deutsche Reisende müssen vor der Reise ein elektronisches Visum beantragen.

    Übernachtung: Ein Platz im Backpacker-Hostel ist in Broome ab rund 40 Euro pro Nacht zu haben. Für Hotelzimmer und B&B sollte man 100 bis 150 Euro pro Nacht ohne Frühstück einkalkulieren.

    Informationen: Tourism Western Australia, c/o The Conjoint Marketing Group GmbH, Fraunhoferstraße 8, 82152 Martinsried, Tel.: 089/219 096 516.

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