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Wenn das Fährschiff zum Traumschiff wird

Manchmal geht es bei Fähren nur um eine kurze Überfahrt. Manchmal aber ist das Ziel gar nicht so wichtig. Dann wird die Fähre zum luxuriösen Kreuzfahrtschiff – und der Weg zum Ziel.

Von Kiel nach Schweden
Tagesausflug nach Göteborg: Stena Line fährt während der Nacht von Kiel nach Schweden. Am Abend geht es dann wieder zurück.
Foto: Stena Line/dpa-tmn

Trier (dpa/tmn). Ein großes und schönes Schiff mit freundlichen Kabinen, Showbühne, einem Kasino, mehreren Restaurants, einem Spa, diversen Bars und jeder Menge Läden. Klingt nach Traumschiff, ist aber eine Fähre.

Color Line zwischen Kiel – Oslo
Wie eine kleine Kreuzfahrt: Color Line bedient unter anderem die Strecke Kiel – Oslo.
Foto: Fjellanger Wideroe Foto/Color Line/dpa-tmn

Denn die Zeiten, als spartanisch ausgestattete Fähren vor allem Lastwagen von A nach B brachten, sind schon lange vorbei (Eurostat zu Schiffsverkehr). Fährkreuzfahrten, Minikreuzfahrten, Städtetouren – wie auch immer es genannt wird: Fähren sorgen nicht nur für den klassischen Transport zwischen zwei Häfen. Auch die Fahrt als solche wird von vielen Reisenden als Erholungserlebnis geschätzt.

DFDS Fähre
Unterhaltungsprogramm und großes kulinarisches Angebot inklusive: DFDS bedient mehrere Routen in Nord- und Ostsee.
Foto: DFDS/dpa-tmn

„Da sind sensationelle Schiffe unterwegs“, sagt Kathrin Schiemann vom Verband Fährschifffahrt und Fährtouristik (VFF) in Hamburg über das Angebot auf der Ostsee. „Das steht einer Kreuzfahrt in nichts nach.“ Und der stellvertretende VFF-Vorsitzende Jens-Peter Berg sieht auch im Mittelmeer eine Entwicklung hin zu einem „Kreuzfahrtgefühl“, wenngleich noch nicht ganz so ausgeprägt. Jedenfalls seien auch in Griechenland und Italien kaum noch die einst gefürchteten Seelenverkäufer unterwegs, sondern oft hochmoderne Schiffe mit Unterhaltungsangebot und mehreren Restaurants. „Und ein Swimming Pool gehört auch dazu.“

Tagesausflüge per Schiff
Die dänische Reederei DFDS bietet Tagesausflüge per Schiff von Amsterdam nach Newcastle an.
Foto: DFDS/dpa-tmn

Wie viel Traumschiff der Tourist bei einer Überfahrt erwarten darf, hängt vor allem von dem eingesetzten Schiff und damit auch von der Route ab. Wer zweieinhalb Stunden von Calais nach Dover über den Ärmelkanal reist, sollte nicht allzu viel Unterhaltung und kulinarische Vielfalt erwarten. Wer sich hingegen auf längere Fahrt begibt – beispielsweise eine ganze Nacht – hat gute Chancen, rundum verwöhnt zu werden. Grundsätzlich ist es ratsam, sich vor einer Fährbuchung im Internet das Schiff anzuschauen (Buchungshilfe VFF mit Routen), mit dem man unterwegs sein will. Viele große Reedereien bieten virtuelle Rundgänge auf ihren Fähren an.

Live-Shows an Bord
Selbst auf Live-Shows muss man an Bord von Fährschiffen – wie hier bei Color Line – nicht verzichten.
Foto: Ivan Tostrup/Color Line/dpa-tmn

Von Kiel aus kann man beispielsweise mit der schwedischen Stena Line über Nacht bis nach Göteborg fahren, dann die Stadt anschauen und abends mit der gleichen Fähre wieder nach Kiel zurückfahren. Etwa 20 Prozent der Passagiere nutzen solche Angebote, wie Stena-Sprecher Martin Wahl sagt.

Zwischen Helsinki und Tallin
Ostsee-Shuttle: Unter anderem zwischen Helsinki und Tallin fährt Tallink.
Foto: Meyer Turku Oy/dpa-tmn

Ähnlich hält es die norwegische Color Line mit der Strecke Kiel-Oslo. Da in Norwegens Hauptstadt aber nur etwa vier Stunden Landgang möglich wären, offeriert man auch Pakete mit eingeschlossener Hotelübernachtung. Einen Tagesausflug im nordenglischen Newcastle bietet auch die dänische Großreederei DFDS ab Amsterdam an – mit großem Unterhaltungsprogramm und kulinarischem Angebot. Von Rotterdam und Zeebrügge fährt die Reederei P&O praktisch jede Nacht nach Hull – mit Live-Musik, Kasino und einem Kino an Bord.

Kabinen an Bord der Tallink
Mit Fünf-Sterne-Luxus darf man in den Kabinen nicht rechnen, aber für eine entspannte Übernachtung wie hier bei Tallink reicht es allemal.
Foto: Egert Kamenik/AS Tallink Grupp/dpa-tmn

„Was sich ganz stark entwickelt hat, ist der Verkehr ins Baltikum, sowohl von Deutschland als auch von Schweden aus“, sagt Berg. Vor allem Fracht werde da befördert: „Aber das sind alles sehr gute Schiffe.“ Eine Ausnahme ist die Strecke zwischen Stockholm und Riga, wo schon eher Party angesagt ist.

Speisen mit Ausblick
Speisen mit Ausblick: Auf einigen Fähren wie hier auf der Color Fantasy unterscheiden sich die Restaurants nicht von denen auf Kreuzfahrtschiffen.
Foto: Gisle Bjorneby/Color Line/dpa-tmn

Kaum nüchtern zu betrachten sind die Routen zwischen Stockholm und dem finnischen Turku oder Tallin in Estland, die von Viking und Tallink betrieben werden und über die finnischen Åland-Inseln führen. Denn die Inseln haben dank eines Völkerbundmandats von 1921 einen Spezialstatus als entmilitarisierte Zone – und deswegen auch heute noch das Recht zu steuerfreiem Verkauf von Alkohol, Zigaretten und anderem. Der Anteil der Passagiere, die nur der Fahrt wegen auf dem Schiff reisen, sei verhältnismäßig hoch, so der schwedische Passagierreederverband. „Die Skandinavier setzen sich auf ein Schiff und feiern und geben richtig Geld aus“, sagt Berg.

Kurztrip nach England
Kurztrip nach England: Von Rotterdam und Zeebrügge fährt die Reederei P&O fast jede Nacht nach Hull.
Foto: P&O Ferries/dpa-tmn

Verband Fährschifffahrt und Fährtouristik

Viking Line auf der Ostsee
Ankunft in Turku: Viking Line verbindet mehrere Städte in der Ostsee.
Foto: Petri Valo/Viking Line/dpa-tmn

Buchungshilfe VFF mit Routen

Eurostat zu Schiffsverkehr

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