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    Almrausch und Buschenschank: Wandern durch die Steiermark

    „Vom Gletscher zum Wein“ heißt der neue Star unter den Fernwanderwegen in der Steiermark. Doch kaum jemand scheint den Vorzeigeweg bisher zu kennen. Für die Touristiker ein Problem, für die Wanderer ein Segen.

    Auf der zweiten Etappe
    Die zweite Etappe der Route «Vom Gletscher zum Wein» führt durch ein wildes, schönes Karstland.
    Foto: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn

    Schladming (dpa/tmn) - Aus der Bergstation auf dem Dachstein stapfen Senioren mit Wanderstöcken auf die Panorama-Plattform, Kinder im Selfie-Autopilot schwirren umher. Schnell weiter. Es bleibt ja noch genug zu gehen auf dem neuen Fernwanderweg „Vom Gletscher zum Wein“ durch die Steiermark.

    Almrausch am Wegesrand
    Almrausch in voller Blüte: Wandern auf dem Fernwanderweg «Vom Gletscher zum Wein» in der Steiermark ist ein Genuss für die Sinne.
    Foto: Andreas Kocher/Steiermark Tourismus/dpa-tmn

    548 Kilometer sind es auf der Nordroute. Oder 382 Kilometer, wenn einem die südliche Kurzversion genügt.

    Abstieg vom Dachstein
    Hochalpiner Start: Durch ein Mondland aus Fels und Eis geht es vom Dachstein bergab.
    Foto: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn

    Ein paar Minuten von der Station entfernt hört man nur das Rauschen des türkisen Schmelzwassers in winzigen Bächen. „Na, da kommen ned viele“, sagt Günter Perhab. Zu wenige wandern nach seinem Geschmack bisher den neuen Weg. Perhab, 54, ist der Wirt des Guttenberghauses, in dem wohl jeder Fernwanderer einkehrt.

    Auf dem Gletscher am Dachstein
    Die Überquerung des Gletschers am Dachstein ist nur ein Spaziergang über die Skipiste.
    Foto: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn

    Fünf bis zehn Wanderer auf der Gletscher-Wein-Route kämen pro Monat, sagt Perhab. Nichts im Vergleich zum Dachstein-Rundweg. Doch den neuen Weg gibt es erst die zweite Saison.

    Gerhard Resch
    Gerhard Resch ist Bergführer und führt normalerweise Kletterer durch die Felswände der Steiermark.
    Foto: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn

    Als egoistischer Wanderer findet man die Anlaufprobleme weniger schlimm. Der Weg ist einsam am nächsten Morgen, obwohl er durch ein Alpen-Bilderbuch führt. Teppiche von Almrausch blühen rosa zwischen Latschenkiefern und bleichem Kalkstein, dazu leuchten so viele bunte Blumen, dass selbst Gerhard Resch nicht all ihre Namen weiß.

    Wanderung zum Stoderzinken
    Vortreffliches Panorama auf dem Weg zum Stoderzinken - sechs Stunden ist man ohne Pausen auf dieser Etappe unterwegs.
    Foto: Herbert Raffalt/Steiermark Tourismus/dpa-tmn

    Normalerweise wandert das steirische Sean-Penn-Double hier nie mit Kunden. „Wozu soll man hier einen Bergführer brauchen?“, fragt der 53-Jährige. Tatsächlich ist die einzige Herausforderung, dass man beim Schauen nicht über eine Wurzel stolpert. Und Kondition sollte man freilich mitbringen auf dem Weg zum Stoderzinken.

    Bodo Hell
    Bodo Hell ist Teilzeit-Senner - jeden Sommer kommt er aus Wien, wo er sonst experimentelle Prosa schreibt.
    Foto: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn

    Resch marschiert über das Hochplateau, das passenderweise „Am Stein“ heißt: ein Hügelland aus rissigem Karst. Schatten findet man nur unter den vereinzelten Zirben, die die nahende Waldgrenze ankündigen. Oder in einer Almhütte. Am besten bei Bodo Hell.

    Friedenskircherl
    Das Friedenskircherl sitzt auf einem Felsvorsprung am Stoderzinken und ist ein beliebtes Fotomotiv.
    Foto: Herbert Raffalt/TV Gröbminger Land/dpa-tmn

    Der Teilzeit-Senner ist eine lokale Berühmtheit. Als Resch anklopft, sitzt er in seiner spartanischen Hütte und macht Ziegenkäse. Die militärgrüne Bundhose hat er über den Bauch gezogen, dazu Karohemd, Kniestrümpfe und Mütze. Begeistert erzählt Hell von seinen Ziegen, für die Züchter von weither anreisen. Und von seinen täglichen Wanderungen, sieben Stunden, auf denen er über die hundert Kühe und die Handvoll Pferde auf der riesigen Alm wacht.

    Auf dem Windberg
    Einsamer Ausblick: Sonnenuntergang auf dem Windberg gleich oberhalb der Schneealm.
    Foto: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn

    Es erfordert starken Willen, sich von Bodo Hell und seiner Alm loszureißen. Aber es lohnt sich. Denn es wartet noch das ungemein fotogene Friedenskircherl am Stoderzinken. Die folgenden Tage geht es bildhübsch weiter: über das Seenplateau der Tauplitzalm, durch die Wörschachklamm und entlang der Enns zum Stift Admont, durch den Nationalpark Gesäuse mit seinen wilden Bergen, zu den Bergwerken bei Eisenerz und hinauf auf den Hochschwab, weiter und weiter.

    Am Hölltalsee
    Mühsamer Abstecher: Der Hölltalsee liegt weit unten in einer Doline.
    Foto: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn

    „Aber natürlich werden die Wenigsten den ganzen Weg gehen“, sagt Hannes Nothnagl. Der Bergfex, 47, hat die acht Etappen durch die Hochsteiermark mit entworfen. Neue Wege wurden dafür nicht angelegt, es ging vielmehr darum, bestehende Pfade auf möglichst schöne und sinnvolle Weise zu verbinden.

    Unterwegs in der Südsteiermark
    Die Südsteiermark ist zahm und friedlich - und landschaftlich ganz anders als der Beginn der Gletscher-Wein-Route.
    Foto: Harry Schiffer/Steiermark Tourismus/dpa-tmn

    Auf der Etappe nach Leutschach durch die Südsteiermark findet sich auf jedem der steilen Hügelchen ein Weingut, und fast jedes hat Gästezimmer und einen Buschenschank. Wer Chardonnay, Muskateller oder den ausgezeichneten Sauvignon Blanc vom Pößnitzberg pur kosten möchte, sollte das dringend in die lauen Abendstunden verschieben. Und vielleicht auf den letzten Tag der Tour.

    Weinberge
    Auf den letzten Kilometern der Route laden Weinberge und Buschenschanken zum Verweilen ein.
    Foto: Harry Schiffer/Steiermark Tourismus/dpa-tmn

    Wanderroute "Vom Gletscher zum Wein"

    Hüttenwirt Günter und sein Sohn René Perhab
    Hüttenwirt Günter und sein Sohn René Perhab vor dem Guttenberghaus.
    Foto: Florian Sanktjohanser/dpa-tmn

    "Vom Gletscher zum Wein" Nordroute (Outdooractive.com)

    "Vom Gletscher zum Wein" Südroute (Outdooractive.com)

    Fernwanderweg „Vom Gletscher zum Wein“

    Anreise: Mit dem Zug bis Schladming, vom Bahnhof mit dem Bus weiter zur Talstation der Gletscherbahn.

    Übernachtung: Auf den Etappen im Norden der Steiermark übernachten Wanderer oftmals in Berghütten, in den südlichen Teilen der beiden Routen enden die Etappen oft in Dörfern mit Hotels und Pensionen.

    Wandern: Die Nordroute ist unterteilt in 35 Etappen, die Südroute in 25 Etappen. Alle sollten für moderat fitte Wanderer machbar sein. Schwierige Passagen kann man umgehen.

    Informationen: Steiermark Tourismus, St. Peter Hauptstraße 243, 8042 Graz, Österreich, Tel.: 0043/316/4003 0, E-Mail: info@steiermark.com.

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