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    Vier Ufer und zwei Abstecher: Mit dem Rad um den Chiemsee

    Die größte Attraktion am Chiemsee ist nur mit dem Boot erreichbar: die Herreninsel mit Bayerns Antwort auf Schloss Versailles. Manche Touristen schauen sich außer dieser Märchenwelt von Ludwig II. nichts weiter an. Ein Fehler – wie jeder merkt, der den See einmal umrundet.

    Das «Bayerische Meer»
    Auf zwei Rädern um den Chiemsee – wie hier bei Seebruck erkunden viele Touristen das «Bayerische Meer» gerne vom Fahrradsattel aus.
    Foto: Norbert Eisele-Hein/Chiemgau Tourismus/dpa

    Übersee (dpa/tmn). Wer ohne Pausen in die Pedale tritt, kann den Chiemsee in knapp drei Stunden mit dem Fahrrad umrunden. Es gibt Einheimische, die das regelmäßig als Ausdauertraining machen.

    Die Berge vor der Nase
    Die Berge vor der Nase: Am Südostufer des Chiemsees bei Übersee bilden die Chiemgauer Alpen eine beeindruckende Kulisse.
    Foto: Christian Röwekamp/dpa

    Wer als Urlauber in den Fahrradsattel steigt, nimmt sich dagegen meist mehr Zeit, und das aus gutem Grund: Viel ist zu entdecken, wenn das Tempo gemächlich bleibt, und ein paar lohnende Abstecher gibt es auch. Eine Radreise um den Chiemsee in sechs Etappen, verteilt über zwei Tage:

    Am Rande des Naturschutzgebietes
    Unterwegs am Rande des Naturschutzgebietes: Hier bei Übersee kommen Radler der Tiroler Achen noch ganz nahe – das Mündungsdelta direkt am Chiemsee hingegen darf niemand betreten.
    Foto: Christian Röwek – dpa

    SÜDUFER: Von Übersee nach Bernau

    Wenn das Wetter mitspielt
    Ein besonders schöner Sonnenuntergang: Bei Übersee bekommen Chiemsee-Urlauber am Abend eine solche Aussicht, wenn das Wetter mitspielt.
    Foto: Christian Röwekamp/dpa

    Übersee an der Südostecke des Sees ist ein exzellenter Ausgangspunkt für eine Umrundung – weil er perfekt passt, um diese auch wieder zu beenden. Dazu später mehr. Zunächst aber heißt es, eine Entscheidung zu treffen: Welcher Radweg soll's denn sein? Da ist zum einen der 57 Kilometer lange, auf Karten blau eingezeichnete Chiemsee-Rundweg. Er ist für langsame Radler, Familien, Nordic-Walker und Fußgänger gedacht. Und es gibt zum anderen den 55 Kilometer langen und orange markierten Chiemsee-Radweg für sportliche, schnellere Radfahrer.

    Die Fraueninsel
    Die Fraueninsel ist von Gstadt aus mit dem Ausflugsboot schnell erreicht – das Fahrrad mitzunehmen lohnt sich aber nicht, denn das Radeln ist auf den Chiemsee-Inseln nicht erlaubt.
    Foto: Christian Röw – dpa

    „Auf dem Chiemsee-Radweg ist man manchmal etwas mehr auf der Anhöhe unterwegs und hat dann einen schönen Blick auf den See“, sagt Nina Glasow von Chiemgau Tourismus. Der Chiemsee-Rundweg dagegen bleibt an manchmal näher am Ufer, dafür muss man die Fußgänger in Kauf nehmen.

    Die Herreninsel
    Urlauberziel Nummer eins am Chiemsee: Die Herreninsel mit Schloss Herrenchiemsee, hier mit Prien am Westufer des Sees im Vordergrund.
    Foto: Siegfried Kerscher/Chiemsee-Alpenland Tourismus/dpa

    Heute soll es der gemütlichere Rundweg sein – bei dem man den See aber erstmal aus dem Blick verliert. Es geht durch Wälder, an Kühen vorbei und am Naturschutzgebiet Kendlmühlfilzen entlang, eines der größten Hochmoore Süddeutschlands, wo bis 1985 Torf abgebaut wurde.

    Blick in die Chiemgauer Alpen
    Vom Aussichtsturm der Ratzinger Höhe westlich des Chiemsees aus hat man einen guten Blick hinüber in die Chiemgauer Alpen.
    Foto: Christian Röwekamp/dpa

    WESTUFER: Von Bernau nach Gstadt

    Die Fraueninsel ganz nah
    Die Fraueninsel zum Greifen nahe – bei Gstadt verläuft der Chiemsee-Rundweg meist nahe am Seeufer.
    Foto: Christina Pahnke/Chiemsee-Alpenland Tourismus/dpa

    Prien, etwas nördlich von Bernau, ist der größte Ort am Chiemsee. Hier wird es merklich voller, am Hafen steht der Parkplatz voller Busse und Autos, Tourenanbieter verkaufen Tickets für Ausflüge. Mit dem Fahrrad geht es irgendwann nur noch schiebend voran. Bis zum Anleger am Ende der Seestraße sollte man sich aber vorkämpfen. Von der Promenade aus blickt man auf Schloss Herrenchiemsee, das Bayerns König Ludwig II. von 1878 bis 1885 auf der Herreninsel bauen ließ.

    Am Nordufer bei Seebruck
    Bayerns größter See am Nordufer bei Seebruck: Segeln gehört neben dem Fahrradfahren zu den beliebtesten Arten, den Chiemsee zu erleben.
    Foto: Chiemgau Tourismus/dpa

    ERSTER ABSTECHER: Zur Ratzinger Höhe

    Kloster Baumburg in Altenmarkt
    Zwischenstopp für einen Radler: Zum Kloster Baumburg in Altenmarkt an der Alz gehört neben der Kirche auch eine Brauerei mit Ausschank unter freiem Himmel.
    Foto: Christian Röwekamp/dpa

    Wer einen ganz anderen Ausblick auf den See genießen will, kann sich in Prien nach Westen wenden – und erlebt sich beim Gedanken an das Wort Ratzinger anschließend fluchend und betend, immer abwechselnd. Mit dem Papst aus Bayern hat das alles nichts zu tun, die Anhöhe hat nur denselben Namen. Der Weg wird für den ungeübten Großstadtmenschen nur irgendwann so steil, dass er sich verflucht, ihn angetreten zu haben – und zugleich dafür betet, er möge doch bald zu Ende sein.

    Leichte Orientierung
    Leichte Orientierung: Der schnelle Chiemsee-Radweg ist auf den Karten in Orange markiert, der etwas langsamere Chiemsee-Rundweg in Blau.
    Foto: Thomas Kujat/Chiemgau Tourismus/dp – dpa

    Die Ratzinger Höhe, 694 Meter über dem Meeresspiegel, ist die höchste Erhebung am Chiemsee. Von dem zur Landesgartenschau 2010 in Rosenheim errichteten Aussichtsturm kann man schön hinüber zur Kampenwand und zum Hochfelln in den Chiemgauer Alpen sehen. Eine bessere Aussicht auf den See bietet ein kleiner, hinter einem Wäldchen versteckter Aussichtspunkt nordwestlich des Ausflugslokals „Gasthof Weingarten“. Herren- und Fraueninsel, Segelboote, die Alpen: was für ein Panorama!

    Strömungsfähre über die Alz
    Per Strömungsfähre über die Alz: An stressigen Tagen muss Fährmann und Gastwirt Wolfgang Koten bis zu 100 Mal den kleinen Fluss überqueren, um Gäste über den Chiemsee-Abfluss zu bringen.
    Foto: Christi – dpa

    NORDWEST- UND NORDUFER: Von Gstadt nach Seebruck

    Genug Zeit einplanen
    Zwischendurch mal die Beine ins Wasser halten – wer den Chiemsee mit dem Fahrrad umrundet, sollte genug Zeit für die Tour einplanen.
    Foto: Norbert Eisele-Hein/Chiemgau Tourismus/dpa

    Von Gstadt aus verläuft der Chiemsee-Rundweg unter hohen Bäumen am Wasser entlang. Hier verschmelzen Rundweg und Radweg zeitweise mit anderen Routen wie dem 450 Kilometer langen Mozart-Radweg und dem Klosterweg zu den drei Klöstern Frauenwörth, Seeon und Baumburg. „Das Radwegenetz der Region umfasst insgesamt 20 Themenrouten mit 1400 Kilometern Strecke“, sagt Jens Hornung von Chiemgau Tourismus.

    Entspannen am Seeufer
    Entspannen am Seeufer: An sonnigen Abenden zieht das Strandbad Übersee oft besonders viele Besucher an.
    Foto: Thomas Kujat/Chiemgau Tourismus/dpa

    ZWEITER ABSTECHER: Nach Seeon und Altenmarkt

    Blick in Richtung Westen
    Am Ende eines langen Tages im Fahrradsattel: Blick über den weiten Chiemsee in Richtung Westen.
    Foto: Christian Röwekamp/dpa

    Am Nordufer des Chiemsees gibt es einige Stellen, an denen sich Radfahrer, Fußgänger und Autoverkehr sehr nahe kommen. Wer davon im Wortsinn Abstand nehmen möchte, kann auf dem Skulpturenweg und dem Klosterweg ein wenig weiter nach Norden fahren. Das Kloster Seeon liegt direkt an einem See und ist ein Tagungshotel. Und im Kloster Baumburg in Altenmarkt an der Alz gibt es eine Brauerei, in deren Biergarten man – passend zur Tour – ein Radler trinken kann.

    Der Chiemsee
    Südöstlich von München: Mit einer Fläche von etwa 80 Quadratkilometern ist der Chiemsee Bayerns größter See. Grafik: dpa-infografik/dpa
    Foto: dpa-infografik

    Zwischen Seeon und Altenmarkt wartet am „Gasthaus Roiter“ am Westufer der Alz eine besondere Fähre auf Gäste: Sie hängt an einem Drahtseil über dem Fluss und wird von der Strömung bewegt. „An stressigen Tagen fahre ich 50 bis 100 Mal“, sagt Gastwirt Wolfgang Koten – an Wochenende und Feiertagen ab 11.00 Uhr, sonst ab 13.00 Uhr, Dienstag und Mittwoch sind Ruhetage. Am Ostufer gibt es eine Klingel, um im rund 120 Meter entfernten Wirtshaus per Glocke den Fährmann zu rufen.

    OSTUFER: Von Seebruck über Chieming nach Übersee

    Auf dem Weg von Altenmarkt oder Seebruck nach Süden liegen nun die Alpen beständig vor Augen – und bald auch das Naturschutzgebiet an der Mündung der Tiroler Achen. Der Chiemsee-Zufluss spült pro Jahr neben viel Wasser auch 200 000 Kubikmeter Feinmaterial und 10 000 Kubikmeter Sand und Kies aus den Bergen herbei. In dem einzigen sich natürlich entwickelnden Binnendelta Europas, schieben sich die Sand- und Kiesbänke jedes Jahr um einige Meter nach Norden in den See.

    Aus der Nähe anschauen kann man sich das nicht, denn das Mündungsdelta darf niemand betreten. An der Hirschauer Bucht südlich von Chieming und am Aussichtspunkt Lachsgang nördlich von Übersee gibt es jedoch Beobachtungstürme, in denen sich Radler und andere Touristen informieren können über die 300 Vogelarten am Chiemsee.

    Doch nun zurück zum Ausgangspunkt der Tour. Die Sonne sinkt schon zum Horizont – Zeit für die große Show im Strandbad Übersee, von dem der Blick weit über den See reicht und das an diesem Tag das gemeinsame Ziel eines großen Teils der Bevölkerung von München ist. Während das Abendlicht immer weicher wird, klingt die Chiemsee-Umrundung aus mit den Füßen im sanft schwappenden Wasser, einem kühlen Getränk in der Hand – und dem Gedanken, dass es vielleicht nirgendwo in Bayern einen so schönen Sonnenuntergang gibt wie hier am Südostufer des Chiemsees.

    Bayerische Schlösserverwaltung zu Herrenchiemsee

    Chiemsee-Schifffahrt

    Bayerisches Moor- und Torfmuseum

    Kloster Seeon

    Klosterbrauerei Baumburg in Altenmarkt

    Strandbad Übersee

    Offizielle Tourismusseite Prien am Chiemsee

    Offizielle Tourismusseite Bernau am Chiemsee

    Offizielle Tourismusseite Seeon-Seebruck

    Offizielle Tourismusseite Chieming

    Offizielle Tourismusseite Übersee

    Informationen

    Für das Nord-, Ost- und Südufer: Chiemgau Tourismus, Haslacher Straße 30, 83278 Traunstein, Tel.: 0861/909 59 00, E-Mail: info@chiemgau-tourismus.de.

    Für das West- und Südwestufer im Kreis Rosenheim: Chiemsee-Alpenland Tourismus, Felden 10, 83233 Bernau am Chiemsee, Tel.: 08051/96 55 50, E-Mail: info@chiemsee-alpenland.de.

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