40.000
  • Startseite
  • » Ratgeber
  • » Reise & Tourismus
  • » Durch Deutschland
  • » Reise auf den Spuren Martin Luthers
  • Aus unserem Archiv

    Reise auf den Spuren Martin Luthers

    Außer Thesen viel gewesen: Martin Luther hinterließ an zahlreichen Orten in Ostdeutschland seine Spuren. 500 Jahre nach seinem Thesenanschlag kommen besonders viele Touristen nach Wittenberg und Eisenach. Doch nicht alles, was sie sehen, ist echt.

    Schlosskirche von Wittenberg
    Wo Luther Geschichte schrieb: An die Tür der Schlosskirche von Wittenberg schlug der Reformator seine 95 Thesen an.
    Foto: Michael Bader/IMG Sachsen-Anhalt/dpa-tmn

    Wittenberg (dpa/tmn) – Es ist ein unscheinbarer Stein. Ein älterer Herr liest gebeugt die Inschrift: „Hilf du St. Anna, ich will ein Mönch werden.“ Ob der Mann weiß, was hier geschah?

    Poträt Martin Luthers
    Porträt des Reformators: Aus dem Lutherhaus in Wittenberg stammt dieses Cranach-Bild von Martin Luther.
    Foto: IMG Sachsen-Anhalt/dpa-tmn

    Am 2. Juli 1505 gerät Martin Luther auf dem Rückweg von seinen Eltern in Mansfeld in ein heftiges Gewitter. Von Blitz und Donner zu Tode geängstigt, legt er das heute in Stein verewigte Gelübde ab, das seinen weiteren Werdegang bestimmt und die Weltgeschichte verändert. Zwölf Tage später tritt er in das Augustinerkoster in Erfurt ein.

    Luthers Geburtshaus
    Die Stube in Luthers Geburtshaus in Eisleben ist so eingerichtet wie damals, aber das ganze Haus ist nicht original.
    Foto: Stefan Weißenborn/dpa-tmn

    Der Stotternheimer Luther-Stein ist ein kleiner Geheimtipp für Reformationstouristen im großen Jubiläumsjahr 2017, 500 Jahre nach dem Thesenanschlag zu Wittenberg am 31. Oktober 1517. Nur braucht es Vorstellungskraft, um der Historie nachzuspüren.

    Die Lutherstube
    Die Lutherstube im Lutherhaus in Wittenberg ist mit originalem Interieur des 16. Jahrhunderts eingerichtet.
    Foto: Peter Endig/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

    Das gilt auch, wenn man vor der Taufkirche Luthers St.-Petri-Pauli in Luthers Geburtsort Eisleben im heutigen Sachsen-Anhalt steht. Das Original-Gebäude, in das Luthers Vater mit dem frisch geborenen Martin im November 1483 eilte, steht nicht mehr – bis auf einen Teil der alten Turmkapelle. Immerhin ist noch der Taufstein Luthers in der heutigen Kirche erhalten, auch wenn er nach Auskunft von Pfarrerin Simone Carstens-Kant Anfang des 19. Jahrhunderts neu aufgebaut wurde.

    Tür der Schlosskirche Wittenberg
    Lange Zeit galt es als unwahrscheinlich, dass Luther seine 95 Thesen wirklich an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg anschlug. Heute geht man jedoch davon aus, dass die Geschichte stimmt.
    Foto: IM - dpa

    34 Jahre nach seiner Taufe tut Luther nicht nur aus Sicht des Papstes in Rom etwas Unerhörtes, das zu seiner Exkommunikation und Ächtung führt. Er veröffentlicht seine berühmten 95 Thesen gegen den Ablasshandel. Hat er sie ans Nordportal der Schlosskirche in Wittenberg geschlagen, wo Luther als Theologieprofessor lehrt?

    Stube auf der Wartburg
    In dieser Stube auf der Wartburg arbeitet Luther an seiner Übersetzung des Neuen Testaments.
    Foto: Thüringer Tourismus GmbH/dpa-tmn

    „Hier war das Schwarze Brett der Uni“, sagt Stadtführerin Annett Schulz vor der zwei Tonnen schweren bronzenen Thesentür, die erst im 19. Jahrhundert gefertigt wurde. „Wenn er etwas angeschlagen hat, werden es Plakate oder Zettel gewesen sein als Grundlage einer Disputation unter Unikollegen.“

    Die Wartburg
    Auf der Wartburg übersetzte Martin Luther getarnt als Junker Jörg das Neue Testament. Im Jubiläumsjahr kommen jetzt besonders viele Besucher.
    Foto: Marco Fischer/Thüringer Tourismus GmbH/dpa-tmn

    Der Luthertourismus boomt im Jubiläumsjahr. Unterwegs sind Pilger, die einmal dort sein wollen, wo der Reformator wirkte. „Seit 1655 wird die Wittenberger Lutherstube Reisenden gezeigt“, sagt Benjamin Hasselhorn vom Lutherhaus in Wittenberg. Heute kämen Evangelikale oder Protestanten aus den USA, die in Ehrfurcht in der Stube innehalten und „A mighty fort is our god“ singen.

    Grabstein des Martin Luthers
    In der Schlosskirche von Wittenberg liegt Martin Luther begraben. Er starb am 18. Februar 1546.
    Foto: Jens Wolf/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

    Die Wittenberger Stube ist wohl der authentischste aller Lutherorte, original ist die hölzerne Wandvertäfelung, weitestgehend auch der Tisch. Nur der äußere Rahmen musste erneuert werden, weil Reliquienjäger ab dem 18. Jahrhundert Span um Span raubten. „Man glaubte, Holz aus der Lutherstube helfe gegen Zahnschmerzen“, sagt Hasselhorn. Die wohl prominenteste „I was here“-Signatur stammt vom russischen Zar Peter dem Großen, der 1712 seinen Namen mit Kreide an die Tür zur Stube setzte – noch heute ist sie erhalten.

    Ort der Taufung Luthers
    Wo Luther getauft wurde: Pfarrerin Simone Carstens-Kant in der Kirche St.-Petri-Pauli in Eisleben.
    Foto: Stefan Weißenborn/dpa-tmn

    Anders ist es an vielen anderen Lutherorten. Die Stube im Geburtshaus in Eisleben? So eingerichtet, wie sie damals wohl eingerichtet war, aber wie das ganze Haus nicht original. Das Sterbehaus? Ist nicht das Sterbehaus, wenngleich sich das Museum mit einer Nachbildung von Luthers Totenmaske offiziell so nennt.

    Luthers Sterbehaus
    Blick in das Schlafzimmer in Luthers Sterbehaus. Wahrscheinlich starb der Reformator jedoch in einem anderen Gebäude in Eisleben.
    Foto: Kunstmann/Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt/dpa-tmn

    Auch die Wartburg bei Eisenach, wo Luther als Junker Jörg in Ritterkleidung getarnt weilte und das Neue Testament in allgemein verständliches Deutsch übertrug, kann sich in diesem Jahr kaum vor Besuchern retten. Klassiker ist die dortige Lutherstube in der alten Vogtei, wo Luther an seiner Übersetzung arbeitete.

    Kanzel in der St.-Andreaskirche
    Original erhalten: Auf der Kanzel in der St.-Andreaskirche hielt Luther am 14. Februar 1546 seine letzte Predigt.
    Foto: Klaus-Peter Voigt/IMG Sachsen-Anhalt/dpa-tmn

    Begraben liegt Luther wie sein Weggefährte Philipp Melanchthon unter einer Steinplatte vor den Kirchbänken in der Wittenberger Schlosskirche. Bei der Restaurierung der Kirche 1892 sei das Grab untersucht worden, sagt Hasselhorn. Heute verkaufen Museumsshops und Souvenirläden Luther-Socken oder Luther-Quietscheenten. Im Lutherhaus Wittenbergs aber liegt ein unverkäufliches Einzelstück - ein Griff vom Luthers Sarg, der „irgendwann wieder auftauchte“.

    Lutherstätten

    Eisleben: Das Kombiticket für Luthers Geburtshaus und sein Sterbehaus, in dem auch der Eintritt ins Elternhaus in Mansfeld enthalten ist, kostet 8 Euro.

    Wittenberg: Das Kombiticket Lutherhaus/Melanchthonhaus kostet 10 Euro. Empfehlenswert: das 15 mal 75 Meter große 360-Grad-Panorama des Künstler Yadegar Asisi, Eintritt 11 Euro.

    Eisenach: Ein geführter Rundgang auf der Wartburg mit Eintritt in die Sonderausstellung „Luther und die Deutschen“ (noch bis 5. November) und in die Lutherstube kostet 9 Euro. Lutherhaus: noch bis 5. November ist die Sonderschau „Ketzer, Spalter, Glaubenslehrer – Luther aus katholischer Sicht“ zu sehen, Kombikarte 8 Euro.

    Reiserouten: Wer ausführlicher auf Luthers Spuren reisen möchte, kann den Empfehlungen der Deutschen Zentrale für Tourismus folgen: . Pilgern wird der Lutherweg empfohlen, der durch Thüringen, Sachsen-Anhalt, Bayern, Sachsen und Hessen führt.

    Ratgeber: Deutschland-Reise
    Meistgelesene Artikel
    Anzeige
    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Onliner vom Dienst

    Jochen Magnus

    0261/892-330 | Mail


    Fragen zum Abo: 0261/98362000 | Mail

    Das Wetter in der Region
    Dienstag

    13°C - 15°C
    Mittwoch

    11°C - 19°C
    Donnerstag

    12°C - 18°C
    Freitag

    8°C - 16°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!

    Event-Kalender