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Klingende Sehenswürdigkeiten: Gescher Glocken im Münsterland

Gescher im Münsterland trägt den Beinamen Glockenstadt. Doch nur noch selten entstehen in einer der letzten Glockengießereien Deutschlands große Bronzeglocken. Die Stadt hat jedoch noch weitere klingende Sehenswürdigkeiten zu bieten.

Glocken in allen Größen
Rund 1000 Glocken in allen Größen sind im Westfälischen Glockenmuseum in Gescher zu sehen.
Foto: Bernd F. Meier/dpa-tmn

Gescher (dpa/tmn). Unwillkürlich wird man an Friedrich Schillers „Lied von der Glocke“ erinnert: „Fest gemauert in der Erden steht die Form, aus Lehm gebrannt...“ Der geführte Rundgang durch die Glockengießerei Petit & Gebr.

Älteste Exponate
Die ältesten Exponate im Westfälischen Glockenmuseum: Die beiden Glocken sind Grabungsfunde aus dem Römerlager bei Haltern am See.
Foto: Bernd F. Meier/dpa-tmn

Edelbrock ist eine der Stationen des Gescheraner Dreiklangs, bei dem die Touristen außerdem im Kirchturm den Glocken ganz nahe kommen und das Westfälische Glockenmuseum besuchen. Nur im Abstand von vielen Monaten entstehen heutzutage Bronzeglocken in der traditionsreichen Gießerei. Die Aufträge von Kirchengemeinden seien zurückgegangen, berichtet einer der Glockengießer. Stattdessen arbeiten die 24 Beschäftigten häufiger an Kunstgüssen.

Glockengrube
Wie früher: Im Museum ist eine Glockengrube nachgebaut.
Foto: Bernd F. Meier/dpa-tmn

Früh morgens haben die Glockengießer an diesem Tag begonnen, den Schmelzofen mit Braunkohlestaub anzuheizen und mit Zinn und Kupfer zu beschicken. Vier Bronzeglocken für die St. Albani-Kirche in Göttingen sollen heute entstehen. Flammen schlagen hin und wieder aus den Kaminen in den nächtlichen Himmel. Am Nachmittag ist die rotglühende Schmelze bereit für den Abstich.

Westfälisches Glockenmuseum
Die Sammlung im Westfälischen Glockenmuseum wurde 1980 aufgebaut und zeigt über 1000 Glocken und Glöckchen.
Foto: Bernd F. Meier/dpa-tmn

Mehrfach wird die Ofenklappe geöffnet, mit einem groben Birkenstamm die Glockenspeise genannte Schmelze verrührt. Fast neun Tonnen Metall brodeln im Schmelzofen. Hitze schlägt den Männern entgegen, mehr als 1100 Grad beträgt nun die Temperatur.

Glockengießerei Petit & Gebr
Seitdem die Aufträge von Kirchengemeinden zurückgegangen sind, entstehen in der traditionsreichen Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock nur noch selten Bronzeglocken.
Foto: Bernd F. Meier/dpa-tmn

Gebete werden gesprochen, die Glockengießer bekreuzigen sich. „In Gottes Namen“, erhallt der Ruf.

Turm der Kirche St. Pankratius
Mehr als 7000 Kilogramm wiegen die Glocken im Inneren des Turm der Kirche St. Pankratius.
Foto: Bernd F. Meier/dpa-tmn

Ein paar kräftige Hammerschläge auf den Zapfen, und die rotgelbe Bronze quillt aus dem Ofen, bahnt sich wie ein glühender Lavastrom den Weg durch Rinnen. Sie verschwindet in den Öffnungen im Boden, wo in den Wochen zuvor die Gussformen aus Lehm in der Glockengrube festgestampft wurden. Qualm steigt auf, Flammen lodern, angespannt überwachen die Männer den Gussvorgang. Das Ergebnis können sie erst einige Wochen später sehen, wenn die Glocke richtig erkaltet ist.

Schmelzofen
Lodernde Flammen: Riesige Mengen Kupferschrott landen im Schmelzofen.
Foto: Bernd F. Meier/dpa-tmn

Doch wie werden die Glocken später zum Schwingen und Klingen gebracht? Um das herauszufinden, geht es beim Gescheraner Dreiklang hinauf in den Turm der Pfarrkirche St. Pankratius, über 200 steinerne Stufen und knarrende Holzstiegen. Josef Leinen und Reinhold Löring erklimmen immer wieder den neugotischen Kirchturm. Und sind mächtig stolz darauf, die fünf Glocken und das Läutewerk den Besuchern aus nächster Nähe zeigen zu können. „Glocken liegen mir am Herzen“, bekennt der 71 Jahre alte Löring. Schon als Kind durfte er sie manchmal läuten: „Mein Opa war Küster von Sankt Pankratius.“

Beim Schmelzen
Bis zu 1100 Grad heiß: Im Schmelzofen brodeln fast neun Tonnen Metall – 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn.
Foto: Bernd F. Meier/dpa-tmn

„Glocken sind nicht nur ein bedeutendes Symbol des Christentums, sondern auch das Zeugnis großer Handwerkskunst“, sagt Hendrik Sonntag beim Rundgang durch das Westfälische Glockenmuseum. Die Sammlung wurde 1980 aufgebaut und zeigt über 1000 Glocken und Glöckchen. Von der tonnenschweren Kirchenglocke über Schiffsglocken, der Glocke eines Stammtisches und Kuhglocken bis zum zart klingenden Glöcklein einer Hotelrezeption reichen die Exponate aus kirchlicher und weltlicher Nutzung.

Beobachtung der Glockenspeise
Anspannung unter den Mitarbeitern: Die Glockenspeise läuft in die Formen im Boden.
Foto: Bernd F. Meier/dpa-tmn

Westfälisches Glockenmuseum

Reinhold Löring und Josef Leinen
Reinhold Löring (links) und Josef Leinen führen Gäste zu den Glocken der Pfarrkirche St. Pankratius.
Foto: Bernd F. Meier/dpa-tmn

Stadtmarketing Gescher

Hendrik Sonntag
Hendrik Sonntag ist Leiter des Westfälischen Glockenmuseums in Gescher.
Foto: Bernd F. Meier/dpa-tmn

Gescher

Reiseziel: Gescher liegt im Kreis Borken im Münsterland, etwa 60 Kilometer westlich von Münster/Westfalen. Gescher hat rund 17 000 Einwohner und trägt seit dem 8. Juli 2013 den Beinamen Glockenstadt.

Anreise: Mit dem Flugzeug nach Düsseldorf. Von dort mit dem Leihwagen nach Gescher, Fahrtdauer etwa 60 Minuten. Mit dem Auto über die A 31 Bottrop-Emden, Abfahrt Gescher/Coesfeld, Nr. 33. Mit der Bahn über Münster bis Coesfeld. Von dort gibt es Busverbindungen.

Westfälisches Glockenmuseum: Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag, 10.00 bis 17.00 Uhr. Lindenstraße 4, 48712 Gescher, Tel.: 02542/71 44.

Anmeldungen zum Gescheraner Dreiklang im Stadtmarketing-Büro.

Informationen: Stadtmarketing, Armlandstraße 15, 48712 Gescher, Tel.: 025 42/980 11, E-Mail: stadtmarketing@gescher.de.

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