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Grünes Berlin: Treptow-Köpenick entdecken

Industriekultur in Schöneweide, Aussicht ins Grüne auf dem Müggelturm, Flanieren durch Köpenick: Wer abseits von Touristenströmen Berlin erkunden will, muss in den Südosten der Stadt. Dabei erfährt er einiges über Berlins Vergangenheit.

Treptower Park
Im Treptower Park mit seinen 88 Hektar kann man sich als Spaziergänger schnell verlieren.
Foto: Alexandra Stahl/dpa-tmn

Berlin (dpa/tmn). Für die meisten Touristen sieht ein Besuch in Berlin so aus: Brandenburger Tor, Ku'Damm, Mauerreste an der East Side Gallery. Was es im Südosten der Stadt zu sehen gibt, wissen weniger Menschen.

Insel der Jugend
Am Vormittag ist die Insel der Jugend im Treptower Park fast verlassen.
Foto: Alexandra Stahl/dpa-tmn

Wer sehen will, wie grün Deutschlands Hauptstadt ist und etwas für Geschichte übrig hat, ist in Berlins größtem Bezirk richtig: Treptow-Köpenick. Mehr als 40 Prozent der Berliner Waldfläche finden sich hier, und nirgends in der Stadt ist der Wasseranteil höher.

Das sowjetische Ehrenmal
Das sowjetische Ehrenmal erinnert an die Befreiung Berlins von den Nazis mithilfe der Roten Armee.
Foto: Alexandra Stahl/dpa-tmn

TREPTOWER PARK: Wen die S-Bahn am Treptower Park ausspuckt, der steht vor einem mehr als 88 Hektar großen Park samt Hafen. Dahinter beginnt der Plänterwald. Wer gerne spazieren geht, kann sich hier verlieren.

Müggelsee
Den Müggelsee besucht man am besten mit einem Schiff vom Hafen Treptow.
Foto: Benjamin Jehne/Bilderpool Bezirksamt Treptow-Köpenick von Berlin, Wirtschaftsförderung/dpa-tmn

Zum Beispiel am sowjetischen Ehrenmal. Zwölf Meter hoch ragt die Statue eines Soldaten in den Himmel, drumherum sind symmetrisch angelegte Wege und ausladende Treppen. Das Bauwerk zur Erinnerung an die Befreiung Berlins von den Nazis mithilfe der Roten Armee ist riesig. Die Weite und das Monumentale der Anlage, die 1949 errichtet wurde, lassen einen innehalten. Mehr als 7000 Rotarmisten sind hier bestattet.

Müggelturm
Auf dem Gipfel des kleinen Müggelbergs steht der Müggelturm mit seinen knapp 30 Metern Höhe.
Foto: Verena Kneiske/visitBerlin/dpa-tmn

Leichtigkeit bringt die Insel der Jugend. An einem Vormittag ist die Insel fast verlassen. Auf dem kleinen Eiland gegenüber eines großen Biergartens gab es zu DDR-Zeiten viele Partys. Auch heute finden dort noch Veranstaltungen statt.

Industriegeschichte Treptow-Köpenick
Im Osten Berlins kann man viel Industriegeschichte entdecken.
Foto: Michael Diehl/Tourismusverein Berlin Treptow-Köpenick e.V./dpa-tmn

MÜGGELSEE: Berlins größten See besucht man am besten mit einem Schiff vom Hafen Treptow aus – so bekommt man den Bezirk zu sehen. Aus dem Plänterwald etwa ragt ein altes Riesenrad hervor. „Dit war der ehemalige Spreepark“, erklärt der Moderator. Links und rechts der Spree stehen alte Fabrikhallen und verfallene Gebäude. Es sieht aus, als sei nach der Wende jeder verschwunden und dann nichts mehr passiert. Doch dazwischen finden sich auch luxuriöse Neubauten. Nach zwei Stunden Fahrt ist das Schiff auf dem Müggelsee angekommen.

Blick vom Peter-Behrens-Turm
Vom Peter-Behrens-Turm in Oberschöneweide reicht der Blick über die gesamte Stadt bis zum Teufelsberg im Westen und Köpenick im Osten.
Foto: Alexandra Stahl/dpa-tmn

Wer an der Haltestelle Rübezahl aussteigt, kann zum Müggelturm laufen. Dabei begegnen einem oft ältere Paare, man schnappt Wortfetzen wie „West-Deutschland“ auf. Es sind Menschen aus dem Osten. Das Müggelturm-Areal war in der DDR beliebtes Ausflugsziel. Dass Berlin einst geteilt war, spürt man hier draußen. Breite Treppenstufen führen schließlich auf einen kleinen Berg, auf dem der fast 30 Meter hohe Turm steht. Er wird derzeit saniert. Von einem Café abgesehen ist hier nichts touristisch. Wer oben steht, blickt bis zum Fernsehturm am Alexanderplatz und sieht drumherum grün.

Peter-Behrens-Turm
Der denkmalgeschützte Peter-Behrens-Turm ist fast 60 Meter hoch.
Foto: Benjamin Jehne/Bilderpool Bezirksamt Treptow-Köpenick von Berlin, Wirtschaftsförderung/dpa-tmn

OBERSCHÖNEWEIDE: Oberschöneweide als Ausflugsziel kann man wohl als Geheimtipp bezeichnen, auch wenn einem mancher Berliner dann den Vogel zeigt – den Stadtteil nennt er „oberschweineöde“. Aber die riesigen, alten Fabrikhallen direkt an der Spree sind sehenswert: Berlin war mal führende Metropole in Elektrotechnik.

Schloss Köpenick
Das Schloss Köpenick ist ein Barockschloss und liegt im Zentrum des Berliner Ortsteils.
Foto: visumate/visitBerlin/dpa-tmn

„Elektropolis“ heißt dann auch die Führung, die der Berliner Industriesalon anbietet. „Es ist mehr los, als man sieht“, sagt die freie Mitarbeiterin Annette Siegert. In dem Stadtteil hatte der ehemalige Elektrokonzern AEG seine Werke. Siegert zeigt verfallene Hallen und verrät, der kanadische Rocksänger Bryan Adams habe eine gekauft. In manchen Gebäuden seien Ateliers. Hippe Cafés hätten sich angesiedelt, nur eine gute Bar fehle noch.

Das Köpenicker Rathaus
Das Rathaus von Köpenick ist vom Wasser aus gut zu sehen.
Foto: Benjamin Jehne/Bilderpool Bezirksamt Treptow-Köpenick von Berlin, Wirtschaftsförderung/dpa-tmn

Vom Peter-Behrens-Turm kann man schließlich aus fast 60 Metern Höhe den Stadtteil noch einmal von oben sehen – und den Rest der Stadt.

Hauptmann von Köpenick
Der Hauptmann von Köpenick ist in dem Berliner Stadtteil als Statue verewigt.
Foto: Daniel Lade/Tourismusverein Berlin Treptow-Köpenick e.V./dpa-tmn

KÖPENICK: Ein bekannteres Ausflugsziel ist Köpenick, nicht zuletzt wegen der Geschichte vom Hauptmann von Köpenick, einem preußischen Schuhmacher, der 1906 als Hauptmann verkleidet, ins Köpenicker Rathaus eindrang und die Stadtkasse raubte. Der Stadtteil ist umgeben von Spree und Dahme und wirkt mit seinen niedrigen Gebäuden und dem Kopfsteinpflaster wie eine putzige Kleinstadt.

Fischerhäuser in Köpenick
Fischerhäuser unter Denkmalschutz im Köpenicker Kietz in Alt-Köpenick.
Foto: Philip Koschel/visitBerlin/dpa-tmn

Wenige Meter von Rathaus und Schloss entfernt, liegt die ehemalige Fischersiedlung. An fast allen Fassaden der niedrigen Gebäude, die teils aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammen, prangen Fischsymbole. Die kleinen Häuschen erinnern an eine Puppenstube. Touristen sieht man keine. Fast vergisst man, das man immer noch in Berlin ist.

Annette Siegert
Annette Siegert arbeitet für den Berliner Industriesalon und leitet die Führung «Elektropolis».
Foto: Alexandra Stahl/dpa-tmn

Infos zum Bezirk Treptow-Köpenick

Berlin Treptow-Köpenick
Der Südosten Berlins wird von Touristen meist vernachlässigt, doch im Bezirk Treptow-Köpenick gibt es viel zu entdecken – vom sowjetischen Ehrenmal bis zur ehemaligen Fischersiedlung.
Foto: dpa-infogr

Sowjetisches Ehrenmal

Insel der Jugend

Infos zum Müggelsee

Geschichte des Müggelturms

Elektropolis-Tour des Industriesalons

Köpenicker Fischerkiez

Berlin

Anreise: Zum Bezirk Treptow-Köpenick kommt man besten mit der S-Bahn, etwa zum Treptower Park, nach Schöneweide oder Köpenick. Ein Tagesticket für die Tarifbereiche AB kostet 7 Euro. Vom Treptower Hafen gibt es außerdem verschiedene Schiffstouren, etwa zum Müggelsee. Die Saison geht bis Ende Oktober.

Übernachtung: Vom preisgünstigen Hostel bis zum teuren Luxushotel bietet Berlin alles. Wer direkt im Bezirk schlafen will, findet interessante Unterkünfte bei AirBnB – etwa in einem modernen Kranhaus direkt an der Spree in Schöneweide.

Informationen: Touristeninformation Treptow-Köpenick, Alt-Köpenick 31, 12555 Berlin, Tel.: 030/655 7550.

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