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    Die Blüte der Hanse – Lübeck feiert 30 Jahre Welterbe

    Schmutz und Armut, Pest und Hexenverbrennungen. Wer sich das Mittelalter so einseitig vorstellt, sollte nach Lübeck kommen. Hier brach mit der Hanse eine Blütezeit an.

    Rathausmarkt
    Abendstimmung am Rathausmarkt in Lübeck - die Stadtverwaltung ist das prunkvollste Gebäude, das die Stadtherren während der Hansezeit bauten.
    Foto: Uwe Freitag/LTM/dpa-tmn

    Lübeck (dpa/tmn). Heringe aus der Ost- und Nordsee, Salz aus Lüneburg, Pelze aus Russland, Getreide aus dem Baltikum und Dorsch aus Norwegen: Mit diesen Waren dominierten die Lübecker Kaufleute vom 12. bis zum 17. Jahrhundert den Handel in Europa.

    Dom zu Lübeck
    Der Dom zu Lübeck: Zur Kirche pflegten die reichen Hanseaten eine besondere Beziehung - durch großzügige Zuwendungen erhoffte man sich Seelenheil.
    Foto: Manfred Krellenberg/LTM/dpa-tmn

    Wohl nirgendwo sonst in Deutschland lässt sich heute so authentisch in die Hansezeit eintauchen. In diesem Jahr lohnt sich ein Besuch der Stadt besonders. Lübeck feiert 30 Jahre Unesco-Weltkulturerbe. Die Auszeichnung der Lübecker Altstadt verdankte die Ostseemetropole 1987 ihrer Geschichte als „Königin der Hanse“.

    Wasserwege
    An der Obertrave in Lübeck - die Wasserwege lockten in der Hansezeit Hunderte Arbeiter an.
    Foto: Manfred Krellenberg/LTM/dpa-tmn

    Die Zahl 30 ist in der Stadt in diesem Sommer allgegenwärtig. Zum Beispiel haben 30-Jährige freien Eintritt in die städtischen Museen. Mit dem Motto „Plötzlich 30!“ wirbt die Stadt für das Wiederentdecken der eigenen Geschichte, auch Touristen sind eingeladen. Ein guter Ort dafür ist das Europäische Hansemuseum. Man erfährt, wie Kaufleute und Seefahrer dem Adel, Seeräubern, der Pest und den Naturgewalten trotzten.

    Das Holstentor
    Am Holstentor starten die meisten Reisegruppen ihre Tour durch Lübeck. Daneben stehen alte Salzspeicher.
    Foto: Michael Juhran/dpa-tmn

    Nach dem Museumsbesuch lässt sich Lübeck mit geschärften Sinnen erkunden. Das Holstentor von 1478 ist das Wahrzeichen der Stadt. Es beherbergt ein kleines Museum. Man liest: „Concordia domi foris pax“ - Eintracht nach innen, Friede nach außen. Diese Maxime brachte Lübeck Ruhm und Reichtum. Die Ausstellung verrät aber, dass die Lübecker nicht immer ihrem Leitspruch folgten. So griffen sie beispielsweise Stralsund an, als sich die dortigen Kaufleute zu ernsthaften Konkurrenten im Heringshandel entwickelten.

    Denkmalgeschütztes Haus
    Stadt mit großer Geschichte: Mehr als 1800 denkmalgeschützte Häuser gibt es in Lübeck.
    Foto: Michael Juhran/dpa-tmn

    Die imposanten Salzspeicher gleich neben dem Holstentor lassen erahnen, wie geschäftig es zur Hansezeit auf der Obertrave zuging. Hunderte Schiffe warteten hier täglich auf ihre Ent- und Beladung. Salz, Holz und Tuche mussten zwischengelagert werden. Das lockte Arbeitskräfte an. Vom 12. bis ins 16. Jahrhundert boomte die Stadt. Lübeck wurde zur zweitgrößten Stadt Deutschlands.

    St. Petri Kirche
    Von der obersten Plattform der St. Petri Kirche hat man die beste Sicht auf Lübeck.
    Foto: Michael Juhran/dpa-tmn

    Dem Prunk und Luxus, in dem die „Pfeffersäcke“ genannten Kaufleute lebten, begegnet man heute in der Kunsthalle St. Annen. Stilvolles, mit Intarsien verziertes Mobiliar, feinstes Tafelgeschirr, kostbare Gewänder und edler Schmuck. Der Reichtum der Stadt lockte auch hochbegabte Künstler aus Flandern, Italien und Frankreich.

    Kunsthalle St. Annen
    Kaufleute wie Heilige: Die Kunsthalle St. Annen in Lübeck zeigt den Prunk der reichen Hanseaten.
    Foto: die LÜBECKER MUSEEN/dpa-tmn

    Das markanteste Monument ihres Strebens nach Reichtum und Macht hinterließen die Hanseaten im Zentrum Lübecks. Hier errichteten sie ihr prunkvolles Rathaus und die benachbarte Marienkirche, die selbst den Dom des Bischofs überragt. Wie Könige ließen sich die Ratsherren porträtieren, wie Heilige tauchen sie auf Kunstwerken auf. Die Demut kam mit der Pest, die ein Drittel der Kaufmänner auslöschte.

    Im Europäischen Hansemuseum
    Abenteuer Seefahrt: Im Europäischen Hansemuseum lernen Kinder zum Beispiel den Handelsplatz Brügge kennen.
    Foto: Olaf Malzahn/Europäisches Hansemuseum/dpa-tmn

    Der letzte Hansetag in Lübeck fand 1669 statt. Nach der Entdeckung Amerikas und der Erschließung neuer Seewege nach Asien gewann der Überseehandel zunehmend an Bedeutung. Selbst die altehrwürdige Lübecker Schiffergesellschaft in der Breiten Straße musste ihre Räume an eine Gastwirtschaft verpachten. Für Besucher in Lübeck eine glückliche Fügung: Sie können seitdem die leckeren Hering-, Dorsch- und Flundergerichte in authentischem Hanse-Ambiente genießen.

    Nachbau einer Hanse-Kogge
    Gegenüber vom Hansemuseum liegt der Nachbau einer Hanse-Kogge. Der Seehandel machte die Stadt zwischen 12. und 17. Jahrhundert sehr wohlhabend.
    Foto: Michael Juhran/dpa-tmn

    Tourismus-Webseite von Lübeck

    Modell-Kogge
    Eine Modell-Kogge im Europäischen Hansemuseum in Lübeck: Die Ausstellung lockt Besucher aus vielen Teilen Europas.
    Foto: Olaf Malzahn/Europäisches Hansemuseum/dpa-tmn

    Unterkünfte in Lübeck

    Jan Kruijswijk
    Gästeführer Jan Kruijswijk führt Besucher auch in die kleinen Hinterhöfe und Gassen Lübecks.
    Foto: Michael Juhran/dpa-tmn

    Lübeck

    Anreise: Mit Bahn oder Auto. Parkplätze sollte man außerhalb der Altstadt suchen. Per Bahn erreicht man von Lübeck aus auch Travemünde in einer halben Stunde.

    Übernachtung: Ferienwohnungen und einfache Hotels lassen sich ab etwa 80 Euro pro Nacht und Zimmer buchen. Einen Überblick von Unterkünften gibt es auf.

    Informationen: Lübeck und Travemünde Marketing GmbH, Holstentorplatz 1, 23552 Lübeck, Tel.: 0451/40 91 953, E-Mail: stadtmarketing@luebeck-tourismus.de.

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