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    Blühende Kerzen und flüssiges Gold: Erntezeit am Bodensee

    Wer zur Erntezeit am Bodensee bei der Weinlese hilft, mit dem Apfelzügle durch die Obstplantagen fährt und köstlichsten Felchenkaviar probiert, der fühlt sich wahrlich verwöhnt von der Natur und ihren Gaben.

    Weinanbaugebiet Hagnau
    Viele ausgezeichnete Weine gibt es in der Region um Hagnau.
    Foto: Achim Mende/Tourist Information Hagnau/dpa-tmn

    Hagnau (dpa/tmn). Ein leuchtend rotes Gummi-Haarband ziert das abgegriffene Holzsteuerrad. Der Bootsmotor brummt leise vor sich hin. Lange, braune Locken lugen unter einer grob gestrickten blauen Seemanns-Wollmütze vor. Heike Winder sieht nicht aus, wie man sich einen typischen Fischer vorstellt.

    Blick über Hagnau
    Weinberge, See, Alpen: Der Blick über Hagnau ist eindrucksvoll.
    Foto: Achim Mende/Tourist-Information Hagnau/dpa-tmn

    Sieben Fischerinnen gibt es am Bodensee, von über 100 Fischern insgesamt. Sanft wippt das leichte Aluminiumboot auf den Wellen. Eine Möwe meldet Appetit. Sonst: nichts. „Es ist die Ruhe, morgens auf dem See, was es ausmacht“, erklärt Winder: „Warum man es immer noch macht, auch wenn man davon eigentlich nicht mehr leben kann.“ Auch ihr Mann ist Fischer. Das Familienbudget stocken sie mit der Vermietung von Ferienwohnungen auf. Winder arbeitet nebenher als Masseurin.

    Apfelplantage am Bodensee
    Auf rund 8000 Hektar wird rund um dem Bodensee Obst angebaut – eines der wichtigsten Produkte sind Äpfel.
    Foto: Achim Mende/Bodensee-Tourismus/dpa-tmn

    „Der Bodensee ist mittlerweile so sauber, dass die Fische zu wenig zu fressen haben, zu wenig Nährstoffe im Wasser“, erläutert die zweifache Mutter. Weniger Fische, weniger Fang. Letzterer ist auch heute übersichtlich. Zurück im Haus der Familie, direkt am Seeufer, wird im Keller geschuppt, filetiert, gewaschen, gesalzen und danach drei Stunden lang geräuchert. Danach: Netze ausbreiten, flicken, „die sind größtenteils handgemacht“. Wie der delikate, goldgelb schimmernde Felchenkaviar, der wenig später auf schmalen Baguettescheiben serviert wird.

    Möwen am Bodensee
    Möwen im Abendlicht: Viel Natur lässt sich am Bodensee erleben.
    Foto: Achim Mende/Bodensee-Tourismus/dpa-tmn

    An Bord des nächsten Kutters, der „Teamwork“. Zusammen mit einem guten Tropfen aus der Region und Seemannsgarn. Wein, Wind, Weisheiten. „Wir verbringen den Ruhestand am Bodensee“, erzählt Gunther Hartmann (84), U-Boot-Kommandant a.D..

    Erntezeit im Weinberg
    Schon im Weinberg prüfen die Winzer die Qualität der Trauben.
    Foto: Achim Mende/Tourist-Information Hagnau/dpa-tmn

    Mit dem Holzkutter „Teamwork“ hat Hartmann zurück aufs Wasser gefunden. Gemeinsam mit Kollegen der Wassersportgemeinschaft Hagnau hat er das Marine-Rettungsschiff wieder seetüchtig gemacht, schippert nun Gäste mit dem Zweimaster vorbei an Weinbergen, Pfahlbauten und Stadtansichten.

    Weinernte am Bodensee
    Handarbeit: Im Herbst werden rund um den Bodensee die Trauben für den Wein geerntet.
    Foto: Achim Mende/Tourist-Information Hagnau/dpa-tmn

    Das Ufer naht. Wenig später, festen Boden unter den Füßen, warten hinter dem nächsten Hügel in Lippertsreute zur Abwechslung statt Planken Reifen. Genauer: ein Obsterntewagen. Eine Art überdimensionale Obstkiste, von einem Traktor gezogen. „Apfelzügle“, nennt Landwirt Joachim Knoll ihn und gondelt Richtung Plantage.

    Boote auf dem Bodensee
    Morgenstimmung am See: Vor allem die Ruhe auf und am Wasser schätzen Einheimische und Touristen.
    Foto: Achim Mende/Bodensee-Tourismus/dpa-tmn

    Im Gegensatz zu den großen Knollschen Spalier- und Niederstammanlagen, hat der Koch Markus Keller eine Art Museumsgarten, eine Obsthochstammanlage, neben seinem Landgasthof in Lippertsreute. Robuste, alte Sorten, ungespritzt. „In Erinnerung daran angelegt, wie Obstbau früher in unserer Region aussah“, sagt er und schneidet mit geübter Hand einige Äpfel- und Birnenspalten. Der Geruch frischen Obstes belebt die klare, kalte Herbstluft. Sein Wissen über regionale Produkte gibt der Gasthofbesitzer auch gern in Kochkursen weiter.

    Kellermeister Jochen Sahler
    Jochen Sahler ist Kellermeister bei der Winzergenossenschaft Hagnau.
    Foto: Martin Schrempp/Tourist-Information Hagnau/dpa-tmn

    Neben Äpfeln bietet die Region auch einen großen Schatz ausgezeichneter Weine. Von lieblich bis trocken. Wer beim Traubenlesen, „wimmeln“, wie es regional heißt, nicht richtig zupackt, muss nicht lange auf guten Rat warten. Im 1400-Seelen-Dorf Hagnau gibt es mehr als 50 Winzerfamilien.

    Apfelmost
    Entweder direkt vom Baum oder als Most: Der Bodensee ist ein riesiges Anbaugebiet für Äpfel.
    Foto: Larissa Loges/dpa-tmn

    „Immer gegen den Berg. Wenn man tiefer steht, sieht man den Stiel besser zum Abschneiden“, erklärt ein Erntehelfer. Positionswechsel. Stimmt. „So funktioniert's. Gegen die Hand zu schaffen, geht eben nicht so schnell“, fügt er noch an. Ist das die charmante Bodensee-Formulierung für „zack, zack“? Greifen, schneiden, schauen. Die gut gereiften, unversehrten Trauben landen in kleinen, dann in großen Eimern, letztere auf wendigen Traktoren.

    Fischerin Heike Winder
    Die Fischerin vom Bodensee: Heike Winder führt den Familienbetrieb.
    Foto: Larissa Loges/dpa-tmn

    Ausfliegsziele für Urlauber

    Traubenlese
    Zeit zum Traubenlesen, oder Wimmeln, wie man in der Region sagt: Mehr als 50 Winzer-Familien gibt es in Hagnau.
    Foto: Larissa Loges/dpa-tmn

    - Fahrt mit dem Marinekutter „Teamwork“: Buchungen über Tourist-Information Hagnau, Im Hof 1, Tel.: 07532/43 00 43.

    Gunther Hartmann
    Verbringt den Ruhestand am Bodensee: der ehemalige U-Boot-Kommandant Gunther Hartmann.
    Foto: Larissa Loges/dpa-tmn

    - Fischerei Heike Winder, Ferienwohnung Haus Seeforelle, Seestraße 3, Hagnau, Tel.: 07532/63 54.

    - Winzerverein Hagnau, Strandbadstraße 7, Hagnau, Tel.: 07532/10 30.

    - Landgasthof Keller, Kochkurse, Riedweg 2, Überlingen-Lippertsreute, Tel.: 07553/82 72 90.

    - Fahrt mit dem Apfelzügle, Obstbau und Brennerei Joachim Knoll, Bamberger Straße 8, Überlingen-Lippertsreute, Tel.: 07553/72 11.

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