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Stuttgart

Viele «intelligente Stromzähler» wenig intelligent

dpa

Weniger Stromverbrauch und Umweltbelastungen: «Intelligente Stromzähler» müssen seit Januar bei Neubauten und Vollrenovierungen eingebaut werden. Doch Experten sind skeptisch. Sie sehen Probleme bei Kosten, Datenschutz und einheitlichen Standards.

Intelligenter Stromzähler
Seit Januar müssen «intelligente Stromzähler» bei Neubauten und Vollrenovierungen eingebaut werden. Doch die Messgeräte sind laut Experten gar nicht so klug wie ihr Name verspricht. (Bild: dpa)

«Die meisten intelligenten Stromzähler sind nicht so intelligent, dass der Verbraucher daraus einen Nutzen ziehen könnte», sagte der Energieexperte Christian Michaelis von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Sie Zähler erfüllten gerade einmal die vom Energiewirtschaftsgesetz vorgeschriebenen Mindestanforderungen, Verbrauchswerte in ihrem zeitlichen Verlauf zu speichern. Der Verbrauch einzelner Stromfresser im Haushalt lasse sich daraus jedoch nicht ablesen. «Die Daten, die Geräte mit Mindeststandard liefern reichen nicht aus, um die erwarteten Stromeinsparungen von bis zu zehn Prozent zu erreichen», sagt auch Thorsten Storck von Verivox.

Ein weiteres Problem: Es gibt bisher keine einheitlichen Standards, welche Daten die Stromzähler in welcher Form liefern müssen. «Jeder Wechsel des Versorgers führt daher zu einem Wechsel des Stromzählers und jedes Mal entstehen dabei Kosten», erläutert Michaelis. Der Verbraucherschützer fordert daher Zähler, die universell verwendbar sind. Die Industrie müsse sich auf einheitliche Standards einigen.

Zwar sind bereits intelligente Stromzähler auf dem Markt, die mehr können, als die Mindestanforderungen zu erfüllen. Denn damit es für den Stromversorger wirtschaftlich wirklich sinnvoll ist, variable Tarife anzubieten, muss er die genaue Verbrauchsstruktur seiner Kunden kennen. Allerdings sind die Kosten für die «Luxusversion» auf das Jahr gerechnet für das Gerät und die Installation deutlich höher. Laut Verivox liegen sie für das Standardmodell nach Berechnungen der Bundesnetzagentur bei derzeit etwa sechs Euro, bei den besseren Geräten bei 14 bis 24 Euro jährlich.

Hinzu kommt: «Ein Stromzähler, der Messwerte im Sekunden- oder Minutentakt liefert, ist eine Art Überwachungskamera im grundgesetzlich geschützten Wohnbereich», sagte Michaelis. Aus den Daten, wann und in welchem Umfang die verschiedenen Haushaltsgeräte genutzt werden, ließen sich Rückschlüsse auf die Bewohner ziehen. «Dass auf diese Daten gleich drei Firmen, nämlich Stromversorger, Netzbetreiber und gegebenenfalls auch Messstellenbetreiber zugreifen können, verdreifacht die Wahrscheinlichkeit ihres Missbrauchs.» Wer nur Stromfresser im Haushalt identifizieren will, für den reicht nach seiner Einschätzung ein Stromverbrauchsmessgerät völlig aus.

Auf ein ganz praktisches Problem weist schließlich Storck hin: Bei nicht allen Geräten ist es sinnvoll, sie zu Uhrzeiten laufen zu lassen, in denen Strom besonders günstig ist. «Niemand wird nur noch nachts kochen, weil der Strom dann weniger kostet.»

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