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    Berlin

    Blockheizkraftwerke: Strom aus dem eigenen Keller

    Bislang werden in Deutschland Strom und Wärme meist von großen Kraftwerken erzeugt und dann an die Haushalte verteilt. Mit einer dezentralen Energieversorgung durch die Kommunen würden Strom und Wärme langfristig günstiger, sagen Experten.

    Noch einen Schritt weiter gehen sogenannte Blockheizkraftwerke (BHKW): Sie verlagern die Herstellung der Energie in den privaten Keller oder in den eigenen Betrieb. Kosten für den Energietransport fallen somit weg.

    «Die BHKW-Technik ist relativ einfach aufgebaut», sagt Sarah Ullrich vom Bundesverband Kraftwärmekopplung in Berlin. «Ein Verbrennungsmotor treibt einen Generator an, dadurch entsteht Strom. Wärme entsteht automatisch als Nebenprodukt des Verbrennungsprozesses und durch dessen Abgase.» Beides wird verwendet, um das Haus zu heizen und Wasser zu erwärmen. Diese Kombination heißt Kraft-Wärmekopplung (KWK). Sie erhöht den sogenannten Wirkungsgrad einer Anlage erheblich und macht sie dadurch sehr effizient.

    Seit 2002 wurden laut Ullrich bundesweit etwa 30 000 Anlagen oder Anlagenteile installiert, zumeist in Mehrfamilienhäusern oder Gewerbebetrieben. «Dort lohnen sich die Anlagen besonders», sagt Wolfgang Suttor vom Bund der Energieverbraucher in Berlin. «Ideal sind Anlagen mit fünf Kilowatt elektrischer Leistung, die während der Heizperiode kontinuierlich laufen.» Bei Mehrfamilienhäusern, Gewerbe und Industrie, in Hotels und Schulen sei das fast immer möglich.

    Dagegen steht eine optimale Anlagengröße für Ein- und Zweifamilienhäuser noch aus. «Man spart zwar Heizkosten mit diesem System, aber die Amortisationszeiten liegen zwischen 15 und 20 Jahren, das ist vergleichsweise lang», ergänzt Suttor. Und das ist meist zu aufwendig für einen Privathaushalt.

    Da kleine Anlagen im Lauf des Jahres unterschiedlich stark ausgelastet werden, rechneten sie sich erst spät, sagt auch Karin Merkel von der Verbraucherzentrale Hannover. Blockheizkraftwerke lohnen sich nur, wenn viele Betriebsstunden zusammenkommen. «Das heißt, Strom und Wärme sollten nach Möglichkeit immer irgendwo im Haus gebraucht werden.»

    Um den Betrieb so rentabel wie möglich zu gestalten, sollten Interessenten Verbrauchsgemeinschaften bilden, rät der Bund der Energieverbraucher. In Friedberg (Hessen) schlossen sich zum Beispiel 2007 sechs Familien zusammen und verzichteten darauf, eigene Heizungsanlagen anzuschaffen. Seitdem beziehen sie Strom und Wärme aus einem BHKW in der Nähe. Finanziert wurde es von einem Dienstleister. «Ich habe die Anlage für rund 54 000 Euro angeschafft und im Gegenzug mit den sechs Parteien Abnahmeverträge auf 10 Jahre geschlossen», sagt Hans Hermann Freischlad, der Betreiber der Anlage.

    2009 habe jede Familie 470 Euro weniger für Heizung und Strom bezahlt, als wenn sie die Energie von großen Anbietern bezogen hätte. so Freischlad. Außerdem stoße jeder der sechs Haushalte jetzt nur rund drei statt fünf Tonnen Kohlendioxid pro Jahr aus.

    Damit ein BHKW rentabel läuft, benötigt es auch einen großen Wasserspeicher. «Unsere Versuche haben gezeigt, dass gerade im Ein- und Zweifamilienhaus ein Pufferspeicher von 500 Liter und größer nötig ist», sagt Reiner Zieprig von der Arbeitsgemeinschaft für sparsamen und umweltfreundlichen Energieverbrauch (ASUE) in Berlin. Das Wasser speichert die Energie, wenn keine oder nur wenig Wärme gebraucht wird. Dadurch ist gewährleistet, dass die Anlage oft läuft, ohne dass Heizenergie ungenutzt verpufft.

    Der erzeugte Strom sollte nach Möglichkeit selbst verbraucht oder an Dritte veräußert werden, rät der Bund der Energieverbraucher weiter. Er kann auch ins öffentliche Stromnetz eingespeist werden. Die Vergütung der Stromversorger beträgt aber bislang nur rund 10 Cent pro Kilowattstunde (Kwh). Zum Vergleich: Energie aus einer Solarstromanlage etwa wird jeweils mit rund 39 Cent je Kwh verrechnet.

    Informationen: Die Landesregierung Baden-Württemberg hat eine kostenlose Broschüre herausgegeben: «Kleine Blockheizkraftwerke: Technik, Planung und Genehmigung». Bestellungen per Fax 0711/123 23 77 oder zum Download im Internet unter «dpaq.de/Blockheizkraft».

    Download der kostenlosen Broschüre: dpaq.de/Blockheizkraft

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