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    Silberstreif am Horizont – Panorama: Tuninglegende Rainer Buchmann

    Seine Regenbogen-Porsche waren so etwas wie die Pril-Blumen der Vollgas-Fraktion. Denn kein anderer Tuner hat es früher so bunt getrieben wie der Frankfurter Rainer Buchmann. Jetzt meldet sich der PS-Pensionär mit dem Moonracer zurück - diesmal ganz dezent.

    Seine Regenbogen-Porsche waren so etwas wie die Pril-Blumen der Vollgas-Fraktion. Jetzt meldet sich Rainer Buchmann mit
    Seine Regenbogen-Porsche waren so etwas wie die Pril-Blumen der Vollgas-Fraktion. Jetzt meldet sich Rainer Buchmann mit dem Moonracer zurück.

    Mit den Regenborgen-Porsche begann 1976 die bb-Geschichte.
    Mit den Regenborgen-Porsche begann 1976 die bb-Geschichte.

    Im Radio spielen sie wieder mehr Michael Jackson, in den Klassik-TV-Sendern wiederholen sie Colt Seavers oder das Trio mit vier Fäusten. Und Autos wie der Ford Scorpio, der Lancia Ypsilon oder der Renault R5 werden langsam Kult: Die Achtziger feiern ein fröhliches Comeback - und einer ihrer wildesten Protagonisten feiert mit. Denn knapp 30 Jahre nach seiner Pleite ist die Frankfurter Tuning-Legende Rainer Buchmann wieder da und klebt einmal mehr das in den Achtzigern so berühmte „bb“-Logo aufs Porsche-Blech.

    Innenraum des von Buchmann entwickelten Moonracer für den Frankfurter Internet-Millionär Klaus-Jürgen Orth.
    Innenraum des von Buchmann entwickelten Moonracer für den Frankfurter Internet-Millionär Klaus-Jürgen Orth.

    Moonracer heißt sein neuster Wurf, den er für den Frankfurter Internet-Millionär Klaus-Jürgen Orth aufgebaut hat. Der hatte sich schon als Schüler die Nase an Buchmanns Werkstattscheiben plattgedrückt und als Student vom Regenbogen-Porsche geschwärmt, mit dem die bb-Geschichte 1976 begonnen hatte. Doch den schillernden Turbo-Targa, den Buchmann damals ursprünglich für einen Messeauftritt des Kamera-Herstellers Polaroid gebaut und dann dutzendweise an die Reichen und Schönen in St. Tropez, St. Moriz oder auf Sylt verkauft hatte, konnte sich Orth auch in seinen kühnsten Träumen nicht leisten. Schließlich kostet damals allein das Autotelefon 18.000 DM, von der Stereo-Anlage für 50.000 DM ganz zu schweigen.

    Der 69jährige Buchmann hat auf seine alten Tage noch einmal Kontakte aufgewärmt, alte Partner ins Boot geholt und bei de
    Der 69jährige Buchmann hat auf seine alten Tage noch einmal Kontakte aufgewärmt, alte Partner ins Boot geholt und bei der Arbeit am Moonracer so viel Spaß gehabt, dass er jetzt wieder durchstarten will.

    Mittlerweile sieht das ein bisschen anders aus. Denn Orth ist über verschiedene digitale Deals „ein bisschen zu Geld gekommen“ und hat sich jetzt seinen alten Traum erfüllen lassen. Allerdings in einer modernen Interpretation. Der Moonracer trägt deshalb keine Regenbogen-Farben mehr, sondern fährt in einem dezenten Silber-Design vor: „Das passt einfach besser in die Zeit als die poppigen Polaroid-Farben von früher“, sagt Buchmann und fängt an zu philosophieren: „Der Mond folgt der Sonne. Und so wie uns die Sonne den Regenbogen zaubert, so entstehen im Mondlicht die Silberstreifen“.

    Das Faible für die Technik ist geblieben. Nicht umsonst hat Buchmann im Moonracer ein iPad Mini integriert, das jetzt so
    Das Faible für die Technik ist geblieben. Nicht umsonst hat Buchmann im Moonracer ein iPad Mini integriert, das jetzt so prominent in der Mittelkonsole prangt wie der Touchscreen bei Tesla.

    Die Farben sind neu, aber das Faible für die Technik ist geblieben. Nicht umsonst hat Buchmann im Moonracer - natürlich wieder auf Basis eines alten Porsche Turbo im Targa-Look - ein iPad Mini integriert, das jetzt so prominent in der Mittelkonsole prangt wie der Touchscreen bei Tesla. Auch damit schlägt er eine Brücke in die Vergangenheit. Denn wo andere Tuner die Autos vor allem schriller und schneller gemacht haben, waren seine Wagen immer auch schlauer als die anderen: „Neue Technologie hat mich seit je her fasziniert“, sagt Buchmann und erzählt, wie er mit Hilfe der Auto-Focus-Sensoren von Polaroid die Einparkhilfe erfunden hat, wie er noch vor BMW, VW & Co den ersten Bordcomputer eingebaut hat und wie selbst das Multifunktionslenkrad und die Fernbedienung der Zentralverriegelung bei ihm Premiere gefeiert haben.

    Moonracer heißt sein neuster Wurf, den er für den Frankfurter Internet-Millionär Klaus-Jürgen Orth aufgebaut hat.
    Moonracer heißt sein neuster Wurf, den er für den Frankfurter Internet-Millionär Klaus-Jürgen Orth aufgebaut hat.

    Sogar das versenkbare Hardtop des Mercedes SLK ist streng genommen nicht in Stuttgart erdacht worden. Das gab es vielmehr als „Magic Top“ schon 15 Jahre früher bei einer S-Klasse mit bb-Logo. Und dass es heute auf unseren Straßen so bunt zugeht, schreibt sich Buchmann ebenfalls auf seine Fahnen. Denn er war es, der mit einer Sonderserie von zehn schillernden VW Golf für den Chemiegiganten Merck das Pigment „Iriodin“ bekannt gemacht hatte, das heute in Dutzenden von Effektlacken glitzert.

    Die Achtziger feiern ein fröhliches Comeback – und einer ihrer wildesten Protagonisten feiert mit. Denn knapp 30 J
    Die Achtziger feiern ein fröhliches Comeback – und einer ihrer wildesten Protagonisten feiert mit. Denn knapp 30 Jahre nach seiner Pleite ist die Frankfurter Tuning-Legende Rainer Buchmann wieder da.

    Sein wahrscheinlich größter Coup war allerdings der Mercedes CW 311, den er gemeinsam mit dem späteren Isdera-Chef Eberhard Schulz auf die Räder gestellt hat. Der Flügeltürer im Geist des ersten Mercedes SL sieht so futuristisch aus, dass daneben selbst der aktuelle GT wie ein Oldtimer wirkt. Und natürlich schafft er mit einem 375 PS starken Zwölfzylinder im Heck und 320 km/h Spitzentempo auch für jene Zeiten fabelhafte Fahrleistungen. Aber der Wagen, der mittlerweile angeblich in der Sammlung des Sultans von Brunei steht, beweist auch das Marketing-Genie des Frankfurter Car-Couturies. Denn als erstem und einzigem Tuner sei es ihm gelungen, Mercedes für dieses Projekt sogar den Stern abzuschwatzen, erzählt der Sohn eines Frankfurter Maßschneiders noch heute voller Stolz und präsentiert bereitwillig das entsprechende Genehmigungsschreiben.

    Dass es heute auf unseren Straßen so bunt zugeht, schreibt sich Buchmann ebenfalls auf seine Fahnen. (Hier: Sonderserie
    Dass es heute auf unseren Straßen so bunt zugeht, schreibt sich Buchmann ebenfalls auf seine Fahnen. (Hier: Sonderserie mit zehn schillernden VW Golf für den Chemiegiganten Merck)

    Sportwagen mit einem Design, das alle Blicke fängt, und technischen Details, wie man sie damals nur aus James-Bond-Filmen kannte - das hat Buchman zu Haus- Hoflieferanten der Schickeria gemacht und in Spitzenzeiten bis zu 60 Mitarbeiter ernährt.

    Zwar mag Buchmann anfangs nur die Reichen und Schönen bedient haben. Doch nicht nur, weil es seine Autos regelmäßig auf die Titelseiten der PS-Postillen geschafft haben, war er einem viel breiteren Publikum bekannt. Spätestens seit der Gauner-Komödie Car Napping aus dem Jahr 1980 hatte jeder Kino-Besucher auch ein Bild vom Regenbogen-Porsche und vor allem vom CW 311 im Kopf. An die flache Liebesgeschichte zwischen dem vom Designer zum Autodieb umgeschulten Bernd Stephan und der verführerischen Anwältin Anny Duperey erinnert man sich heute genauso wenig wie an den schmierigen französischen, von Eddie Constantine gespielten Polizisten. Aber die Tour der 40 geklauten Porsche durchs nächtliche Paris ist bis heute unerreicht und die faszinierenden Fahrszenen mit dem Traumwagen jener Zeit sind unvergessen.

    Wie präsent diese Erinnerungen tatsächlich sind, das hat Buchmann in den letzten Monaten lernen können. Denn während sein alter Freund und Wegbegleiter Gerold Lingnau, der ehemalige Ressortleiter „Technik und Motor“ bei der FAZ, gerade eine Auto-Biografie über die Tuning-Legende auf den Weg brachte, tauchte in der Frankfurter Klassikstadt plötzlich sein allererster Regenbogen-Porsche wieder auf und der neue Besitzer bat um eine Restaurierung. Gleichzeitig haben Fans und Freunde in dem Oldtimer-Areal ein Carnapping-Wochenende organisiert, zu dem neben Hauptdarsteller Stephan auch über ein Dutzend Originale BB-Fahrzeuge gekommen sind. Und als Buchmann dann noch Internet-Millionär Orth über den Weg lief und der sich mit etwas Verspätung seinen Jugendtraum vom eigenen BB-Porsche erfüllen wollte, waren es wohl zu viele Winke des Schicksals, als dass Buchmann sie weiter ignorieren konnte.

    Deshalb hat der 69jährige auf seine alten Tage noch einmal Kontakte aufgewärmt, alte Partner ins Boot geholt und bei der Arbeit am Moonracer so viel Spaß gehabt, dass er jetzt wieder durchstarten will. So müssen sich alternde Rockstars fühlen, wenn sie plötzlich wieder auf der Bühne stehen, sagt Buchmann und hört ganz tief in sich hinein. Die erste Session hat er schon gespielt, und jetzt kann er die große Comeback-Tour kaum mehr erwarten.

    Benjamin Bessinger/SP-X

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