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Parade der PS-Pretiosen – Concours-Wochenende in Pebble Beach

So eine benzingetränkte Veranstaltung gibt es kein zweites Mal: Wenn der Golf-Club von Pebble Beach zum Concours d’Elegance bittet, beginnt eine beispiellose Parade der PS-Pretiosen: Auf dem Green stehen die schönsten Oldtimer der Welt, in den Zelten der Auktionshäuser hämmern sie Millionenpreise im Minutentakt, auf den Luxus-Lodges werden die Sammlerstücke von morgen enthüllt und zwischen den einzelnen Events fahren mehr Supersportwagen und Edel-Limousinen, als sich Otto Normalfahrer vorstellen kann.

Dieser Stanley von 1908 zählte zu den ältesten Stücken in Monterey
Dieser Stanley von 1908 zählte zu den ältesten Stücken in Monterey

Dieser Mann hat offenbar nur Motoren im Kopf
Dieser Mann hat offenbar nur Motoren im Kopf

Der gemeine Millionär gehört um diese Zeit noch ins Bett oder sitzt allenfalls im flauschigen Bademantel beim Champagnerfrühstück und genießt die Aussicht auf der Sonnenseite des Lebens. Doch an jedem dritten Sonntag im August quälen sich zumindest 200 schwerreiche Männer schon im Morgengrauen aus den Federn, stapfen tapfer durch den Küstennebel und schwingen bereits vor Sonnenaufgang den Putzlappen. Denn dann ist Concours d’Elegance in Pebble Beach und mit Lust und Leidenschaft polieren die feinen Herren auf Knien im nassen Gras ihren Oldtimern den letzten Staub vom Lack. Schließlich müssen die Wagen makellos sein, wenn im Lauf des Vormittags zusammen mit zigtausend Zuschauern über 100 Juroren auf dem 18. Grün des berühmten Golfkurses ausschwärmen und unter den 200 Exponaten in zwei Dutzend Klassen den schönsten Oldtimer der Welt wählen.

Auch aktuelle Luxusautos gibt es zu bestaunen
Auch aktuelle Luxusautos gibt es zu bestaunen

Zwar gibt es am Ende des Tages jede Menge Klassensieger. Nicht umsonst dauert die Award-Zeremonie über drei Stunden. Doch wirklich gelohnt hat sich die Mühe nur für Jon Shirley aus dem US-Staat Washington – denn sein Ferrari 375 MM von 1954 stand am Ende als letztes Auto vor dem Clubhaus im Konfetti-Regen und fährt jetzt als „Best-of-Show“ nach Hause.

Die Ausstellungsstücke sollen perfekt sein
Die Ausstellungsstücke sollen perfekt sein

Natürlich wird sich manch anderer Besitzer ärgern, dass nicht sein Auto über die Rampe gerufen wurde. Schließlich steht niemand gerne umsonst so früh auf. Von den vielen Millionen, die bei den meisten Klassikern in die Restaurierung geflossen sind, ganz zu schweigen. Aber die meisten nehmen ihre Niederlage sportlich: „Jeder, der es hier aufs Green geschafft hat, darf sich als Sieger sehen“, sagt der Tscheche Pavel Kasik, der eigens für den Concours seinen Tatra 77 aus dem Jahr 1936 eingeflogen hat und es mit den Olympioniken hält: „Dabeisein ist alles.“

Amerikanische Oldtimer sind in Europa seltener zu sehen
Amerikanische Oldtimer sind in Europa seltener zu sehen

Das gilt übrigens nicht nur für die Teilnehmer, sondern auch für die Zuschauer: Die ersten 600 kommen schon mit „Dawn Patrol“ und zahlen 250 Dollar dafür, dass sie lauwarmen Kaffee aus Pappbechern trinken dürfen und sich ständig von Ordnern verscheuchen lassen müssen, wenn diese mit einer ausgeklügelten Choreographie die Concours-Fahrzeuge auf dem Green verteilen.

Der Mercedes-Benz Stromlinienwagen war seiner Zeit voraus
Der Mercedes-Benz Stromlinienwagen war seiner Zeit voraus

Doch wirklich voll wird es erst zwei, drei Stunden später, wenn man zwischen all den vielen Menschen kaum mehr die Autos sehen kann. Allerdings sind manche der Gäste auch mindestens genauso sehenswert: Sie sind oft nicht nur ähnlich alt und mindestens genauso gründlich restauriert, sondern auch ähnlich bunt und schillernd. Denn der Concours ist auch ein Schaulaufen der Reichen und Schönen und all derer, die sich dafür halten.

Das Publikum nimmt alles unter die Lupe
Das Publikum nimmt alles unter die Lupe

Deshalb lohnt sich bisweilen auch ein Bummel über die Parkplätze rund um die Lodge von Pebble Beach. Nicht nur, weil es dort leerer ist, sondern auch, weil es fast genau so viel zu sehen gibt. So viele Lamborghini, Bentley, Ferrari und Rolls Royce auf einem Flecken sieht man sonst allenfalls noch auf dem Werksgelände der jeweiligen Hersteller, und so viele McLaren P1 oder Bugatti Veyron wahrscheinlich nicht einmal am jeweiligen Stammsitz in Woking oder Molsheim.

Auch Millionäre sind mal extrovertiert
Auch Millionäre sind mal extrovertiert

Vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, dass die Autohersteller Pebble Beach gleich doppelt bespielen: Auf dem Green zeigen sie die schönsten Oldtimer aus den Werksmuseen und davor ihre spektakulärsten Neuheiten. In der Ausstellung der Concept Cars stehen deshalb „Future Classics“ wie der Mercedes Vision GT, der Toyota FT1, die Vision Future Luxury von BMW oder der Maserati Alfieri. Und wer auf deren Serienfertigung nicht warten möchte, dem offerieren die Nobelhersteller in den Luxusvillen rund um den Golf-Platz ein paar PS-Premieren, die zwar ähnlich viel kosten wie die Studien, aber zumindest zeitlich etwas greifbarer sind. Denn den nachgeschärften McLaren P1-GTR mit etwa 1.000 PS kann man genauso kaufen wie den Bugatti Veyron „Ettore Bugatti“, mit dem die nobelste aller VW-Töchter jetzt ihre „Legenden-Serie“ abschließt, oder den Lightweight E-Type von Jaguar, von dem die Briten 50 Jahre nach seiner Premiere nun die sechs noch fehlenden Exemplare nachbauen. Zumindest in der Theorie. In der Praxis könnte das allerdings schwierig werden. Schon am Morgen nach der Premiere waren alle drei Bugatti, alle sechs Jaguar und zwei Drittel der etwa 30 McLaren verkauft – und das, obwohl jedes dieser Autos mehr als zwei Millionen Dollar kostet

Die Autos reihen sich vor einem malerischen Panorama auf
Die Autos reihen sich vor einem malerischen Panorama auf

Ein Bugatti für 2,8 Millionen Euro, ein McLaren für 2,5 Millionen und ein Jaguar für knapp zwei Millionen – ein Mann wie Robert Brooks kann darüber nur lachen. Denn der Brite ist Chef des Auktionshauses Bonhams und hat am Wochenende ein Auto für mehr als das zehnfache verkauft: Ein Ferrari 250 GTO von 1962 erzielte bei seiner Auktion den Fabelpreis von 38 Millionen Dollar und gilt seitdem als teuerstes Auto der Welt. Und der rote Renner war nicht der einzige Bestseller: Während über der ganzen Insel der verführerische Singsang der Auktionatoren hängt und bei fünf, sechs Firmen in festzeltgroßen Hallen im Minutentakt der Hammer fällt, steigen die Preise immer mal wieder ins Siebenstellige: Egal ob ein Formel1-Ferrari von Michael Schuhmacher, ein Lamborghini Miura, ein Mercedes Flügeltürer oder ein außerhalb der USA weitgehend unbekannter Rickenbacher von 1926 – 20 oder 30 Millionendinger waren ganz sicher unter den etwa 15.000 Sammlerstücken, die während einem runden Dutzend Auktionen den Besitzer gewechselt haben.

Der Ruxton wurde nur ein Jahr lang gebaut
Der Ruxton wurde nur ein Jahr lang gebaut

Die Auktionen sind neben dem Concours das zweite Highlight der Classic Car Week von Monterey, die mittlerweile wirklich eine ganze Woche dauert. Doch dass diese Woche mittlerweile als größte PS-Party der Welt gilt, liegt auch an den vielen kleinen und vor allem speziellen Veranstaltungen im Rahmenprogramm: Da drehen im benachbarten Laguna Seca historische Rennwagen ihre Runden, auf jedem Golfplatz treffen sich ein paar andere Sammler zum Schaulaufen, zeigen die „Legends of the Autobahn“, feiern den Concorso Italiano oder wählen beim Concours de Lemons die hässlichsten Autos der Welt.

Kallige Farben sorgen für Hinguck-Effekte
Kallige Farben sorgen für Hinguck-Effekte

Millionenschwere Oldtimer, leidenschaftliche Muscle-Cars, schräge Liebhaber-Autos, rare PS-Pretiosen, luxuriöse Neuwagen und spektakuläre Rostlauben – wahrscheinlich ist die Liebe zum Auto nirgends größer und nirgends besser zu spüren als an diesem langen Wochenende auf der Halbinsel von Monterey. Nur mit der Freude am Fahren ist es dort nicht sonderlich weit her. Denn weil die meisten Veranstaltungen auf Golfplätzen stattfinden, gilt in der Regel Schrittgeschwindigkeit. Und zwischen den einzelnen Events sind so viele Gäste unterwegs, dass man die meiste Zeit ohne nur im Stau steht. Doch ist das kein Grund sich zu grämen. Denn in einer Stunde sieht man schon da mehr Klassiker, Kultautos und Kraftmeier als bei uns im ganzen Jahr.

Nicht nur Oldtimer sind zu sehen
Nicht nur Oldtimer sind zu sehen
Benjamin Bessinger/SP-X

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