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Neun Leben hat die glückliche Katze aus Paris – Jubiläum beim „Glemseck 101“

Zwei Tage trafen sich 40.000 Motorrad-Enthusiasten an der alten Solitude-Rennstrecke bei Stuttgart. Nicht nur, um Sprintduellen alter Schule beizuwohnen.

Der Sprint-Beamer von Sebastién Lorenz nimmt Fahrt auf; am Ende hauchte „die Katze“ ihr Leben aus.
Der Sprint-Beamer von Sebastién Lorenz nimmt Fahrt auf; am Ende hauchte „die Katze“ ihr Leben aus.

Ein S&S V2-Motor treibt „El Callo“ an, ein Kunstwerk im Korrosionslook auf zwei Rädern.
Ein S&S V2-Motor treibt „El Callo“ an, ein Kunstwerk im Korrosionslook auf zwei Rädern.

Für Zehntausende steht bereits an Silvester fest, was sie am ersten September-Wochenende unternehmen: Der Besuch beim „Glemseck 101“ ist längst Kult. Bei der Jubiläums-Veranstaltung aus Anlass der zehnten Auflage war das überdeutlich zu sehen: Kein renommierter Motorradhersteller kann es sich mehr leisten, nicht an die ehemalige Rennstrecke vor den Toren Stuttgarts zu kommen. Und der renommierte japanische Helm-Hersteller Shoei nahm das legere Treffen von Motorradfahrern zum Anlass, eben dort einen neuen Helm vorzustellen. Trotz wolkigem, teils windigem und kühlem Wetter pilgerten um die 40.000 am Motorrad-Virus erkrankte Leute nach Leonberg und freuten sich zwei Tage lang an phantasievoll umgebauten Motorrädern sowie herzerfrischen Sprint-Duellen über die Achtelmeile sowie an Livemusik.

Auf Los geht`s los! Kaum mehr als 150 Meter misst die Sprintstrecke auf am Glemseck bei Leonberg.
Auf Los geht`s los! Kaum mehr als 150 Meter misst die Sprintstrecke auf am Glemseck bei Leonberg.

Erstmals war es dem Koordinationsteam „Glemseck 101“ gelungen, den ADAC davon zu überzeugen, dass dieser der Errichtung einer provisorischen Tribüne auf dem ihm gehörenden angrenzenden Geländestreifen an der einstigen Start-Ziel-Geraden der Solitude zustimmt. Das tat den insgesamt neun Sprints, die an zwei Tagen abgewickelt wurden, gut, weil die Zahl derjenigen vervielfacht werden konnte, die das Geschehen unmittelbar verfolgen konnten. Unübersehbar war, wie viele Leute tief in die Trickkiste griffen, um im Sprintduell über die knapp bemessene Achtelmeile möglichst oft antreten zu können; ausgetragen werden die Duelle nämlich stets im K.o.-Verfahren, also Mann gegen Mann, was der Veranstaltung am Glemseck als Namenszusatz die Ziffernkombination 101 beschert hat; sie leitet sich aus dem im Slang-Amerikanisch gebräuchlichen „one o one“ ab.

Bei 15° Celsius und kühlem Wind ist das charmante Präsentieren der Sieger-Startnummer nicht unbedingt vergnüglich.
Bei 15° Celsius und kühlem Wind ist das charmante Präsentieren der Sieger-Startnummer nicht unbedingt vergnüglich.

Die Sprints am Glemseck dominierte jahrelang der Franzose Sebastién Lorenz mit dem in der Lucky Cat Garage erbauten „Sprint Beamer“, einem ausschließlich für Beschleunigungsrennen einsetzbaren Spezialmotorrad. Der Zweiventil-BMW-Motor ist tiefgreifend bearbeitet und mit einer leistungsstärkenden Lachgas-Einspritzung versehen. „Neun Leben“ habe diese Katze, ist auf dem in der Farbe Weinrot-metallic lackierten Tank des mit Verkleidung versehenen Sprint-Beamers zu lesen. Mit infernalischem Gebrüll beschleunigt der Franzose aus der aus Strohballen modellierten Startgasse stets aufs Neue zum Sieg. Dieses Jahr fragen die Veranstalter jedoch: „Who wants to kill the cat?“

Ein Ständer fürs Abstellen? Purer Luxus und unnötiges Gewicht. Der Helm tut’s auch.
Ein Ständer fürs Abstellen? Purer Luxus und unnötiges Gewicht. Der Helm tut’s auch.

Nicht wenige der vielen Gaskranken aus Deutschland, Dänemark, Frankreich, Spanien oder der Schweiz rüsteten dramatisch auf und versuchten sich in der Konstruktion eines „Cat-Killer“. Diesen Namen gab der im bayerischen Landkreis Freising wohnende Philipp Ludwig seinem extra fürs Glemseck entwickelten und gebauten Motorrad, ebenfalls befeuert von einem nach allen Regeln der Kunst getunten BMW-Motor. Im Duell Mann gegen Mann schied Ludwig jedoch sang- und klanglos schon im ersten Durchgang aus: „Das Getriebe! Der zweite Gang klemmte“, erklärte er den Zuckeltrab entlang der vollbesetzten Tribüne. „Nächstes Jahr wieder“, fügte er dann hinzu und machte ein grimmig entschlossenes Gesicht.

Kollegiale Hilfe ist selbstverständlich, wenn die Rückfahrt aus eigener Kraft nicht möglich ist.
Kollegiale Hilfe ist selbstverständlich, wenn die Rückfahrt aus eigener Kraft nicht möglich ist.

Lange sah es so aus, als würde Sebastién Lorenz‘ „Lucky Cat“ ihr Leben am Glemseck kampflos aushauchen – der Motor ließ sich vor dem entscheidenden Duell gegen den schnellsten Widersacher mit keinem der gängigen Tricks starten. Mit langer Verzögerung kam es schließlich doch noch zum Duell gegen eine in der spanischen Motorradschmiede „El Solitario“ umgebaute, vogelwilde Zweirad-Kreation auf Basis einer 2015er Yamaha XJR 1300 mit 135 PS Leistung. Deren Fahrer Mauro Abbadini gelang das Kunststück, den französischen Sprint-Beamer zu schlagen und der Katze das Fell über die Ohren zu ziehen.

Das Ziel im Auge hat die junge Amelie; sie pilotiert eine von Philipp Ludwig erbaute BMW R90SR und schaffte den vierten
Das Ziel im Auge hat die junge Amelie; sie pilotiert eine von Philipp Ludwig erbaute BMW R90SR und schaffte den vierten Platz im weißblauen Sprint.

Die Besucher des Glemseck 101 waren’s zufrieden und widmeten sich den in anderen Klassen ausgefochtenen Sprint-Duellen (ganz stark vertreten sind ältere BMW-Modelle, aber auch Triumph und Kawasaki werden häufig eingesetzt) oder bummelten die kilometerlange Händler- und Ausstellungsmeile entlang: Dort finden sich hunderte von Motorrad-Umbauten, Stände mit Motorradbekleidung, Helmen und Zubehör. Alles ganz im Stil des von dieser Klientel bevorzugten New Heritage Lifestyle. Customizing, also das Individualisieren von Motorrädern, hat ohne Zweifel aktuell Hochkonjunktur.

Kurven fahren ist nicht: Mit diesem Sprinter sind nur ein paar hundert Meter Geradeausfahrt möglich.
Kurven fahren ist nicht: Mit diesem Sprinter sind nur ein paar hundert Meter Geradeausfahrt möglich.
Ulf Böhringer/SP-X

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