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Ohne Hut tut gut – Test: Mercedes-Benz CLA 220 CDI

Modisch wie ein Design-Outfit, aber nicht zwingend bequem, so könnte man den CLA beschreiben. Es gibt da aber auch andere Meinungen.

Auf den Asphalt geduckt, optisch unverkennbar an den größeren CLS angelehnt, an den Flanken stark modelliert, mit Powerd
Auf den Asphalt geduckt, optisch unverkennbar an den größeren CLS angelehnt, an den Flanken stark modelliert, mit Powerdomes auf der Motorhaube, einem stark abfallenden Dach, das ins breite, weit nach hinten gestreckte Heck mündet

Sein Äußeres ist ein Statement
Sein Äußeres ist ein Statement

Nein, ein Hut passt hier nicht auf die Ablage. Ob das so gewollt ist? Schließlich ist der Mercedes-Benz CLA nicht nur Segmentbegründer der viertürigen Coupés in der Kompaktklasse. Er tritt auch gemeinsam mit seinem Spender, der Frontantriebsbasis A-Klasse, den Beweis an, dass die Marke längst keine Fahrzeuge mehr baut, bei denen ein Hut auf der Ablage liegen und ein Opa hinterm Steuer sitzen muss. Wobei natürlich auch diese Käuferschaft herzlich willkommen ist. Besser fürs Image sind in einer Gesellschaft die nach Jugend strebt aber die jung-dynamisch Erfolgreichen.

Dabei ist die Optik nicht nur der Mode geschuldet, sie steuert auch zum guten cW-Wert von 0,23 be
Dabei ist die Optik nicht nur der Mode geschuldet, sie steuert auch zum guten cW-Wert von 0,23 be

Die Frage: „Brauchen wir so etwas, gibt es nicht für nur rund 4.300 Euro mehr die C-Klasse zu kaufen, sechs Zentimeter länger und mit mehr Platz im Fond?“ stellt sich also nicht. Wo die A-Klasse knuffig, ist der CLA erwachsen, wo die C-Klasse brav, ist der Kompakte sportlich. Für die Fashionistas, die Hippen oder wie Joachim Schmidt, Mitglied der Mercedes-Geschäftsleitung, sagt, für „jene, die nie einen Mercedes fahren wollten“, ist der mindestens 29.215 Euro teure CLA gemacht.

Den CLA sportlich zu bewegen macht Spaß
Den CLA sportlich zu bewegen macht Spaß

Und so ist sein Äußeres auch gleich ein Statement. Auf den Asphalt geduckt, optisch unverkennbar an den größeren CLS angelehnt, an den Flanken stark modelliert, mit Powerdomes auf der Motorhaube, einem stark abfallenden Dach, das ins breite, weit nach hinten gestreckte Heck mündet (besonders hübsch wirkt das übrigens mit dem Panoramadach für 1.118 Euro). Modisch wie ein Designer-Outfit – passenderweise hat Mercedes den neuen Star im Februar 2013 auf der Fashion Week in Berlin offiziell zum ersten Mal präsentiert.

Die Armaturentafel-Architektur aus der A-Klasse mit den runden Luftdüsen hat im CLA nichts von ihrem edlen Charme verlor
Die Armaturentafel-Architektur aus der A-Klasse mit den runden Luftdüsen hat im CLA nichts von ihrem edlen Charme verloren

Und es ist wie immer mit der Mode: Für den einen ist der CLA ein Augenschmaus, ist man mit ihm unterwegs, erntet man durchaus bewundernde Blicke von der anvisierten Zielgruppe (und auch von denen, die sich dafür halten). Für die anderen ist der Kompakte zu verspielt, nicht stilvoll, viel zu modisch.

Dabei ist die Optik nicht nur der Mode geschuldet, sie steuert auch zum guten cW-Wert von 0,23 bei, der Flutschfaktor wiederum trägt zur Verbrauchssenkung bei. Wir fuhren den stärksten Diesel 220 CDI, dessen 2,1-Liter-Vierzylinder laut Norm 4,5 Liter auf 100 Kilometern verbrennen soll. Ein zugegeben ambitionierter Wert, den der Kompakte im Alltag nicht ansatzweise halten konnte – zu viel Spaß macht es, das kräftige 125 kW/170 PS-Aggregat zu fordern. Allerdings: Auch bei bemüht vorsichtiger Fahrweise flossen bei uns noch knapp zwei Liter mehr durch die Leitungen als auf dem Prüfstand.

In Sachen Reisetauglichkeit zeigt der CLA die typischen Mercedes-Gene. Wer viel auf der Autobahn unterwegs ist, für den lohnt sich der Abstands-Tempomat Distronic Plus (1.023 Euro Aufpreis). Trotz rahmenloser Scheiben ist es innen vergleichsweise leise, und insbesondere dort arbeitet das (in dieser Motorisierung serienmäßige, sonst 2.165 Euro teure) Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe fast schon vorausschauend gut. Im Stadtverkehr schaltet es bei flinkem Gasfuß zuweilen etwas unvorhersehbar – Gewöhnungssache. Den sportlichen Anspruch, den das Coupé von außen verspricht, dürfte das Fahrwerk für die meisten Kundenansprüche halten.

Während es also in diversen Bereichen heißt: „Form follows function“, muss in anderen Belangen ganz dem modischen Konzept entsprechend die Funktion der Form folgen. So ist der Transport langbeiniger Fashion-Week-Grazien im Fond des Coupés eine nicht zu empfehlende Sache. Da wäre zunächst das Hineinkommen, das aufgrund des Einstiegs quasi über das Rad hinweg mehr ein Klettern als ein elegantes Platznehmen ist. Einmal auf der Rückbank angekommen müssten Laufstegschönheiten den Kopf einziehen – wie alle anderen mit mehr als 1,70 Meter Körperlänge. Fahrer und Beifahrer sitzen auf den serienmäßigen, sportiven Integralsitzen hingegen mehr als bequem und die Armaturentafel-Architektur aus der A-Klasse mit den runden Luftdüsen hat im CLA nichts von ihrem edlen Charme verloren.

Die vielen Koffer mit den verschiedenen Outfits wiederum finden im mit 470 Litern großzügig dimensionierten Gepäckabteil des CLA Platz. Aufgrund des hübschen schmalen, aber dementsprechend auch unpraktischen Heckdeckels muss der Gepäckträger allerdings möglicherweise etwas zirkeln, um den Kofferraum durch die sich öffnende Luke zu befüllen. Immerhin lassen sich bei Bedarf die Rücksitze umklappen.

Wer das Gepäckabteil mit Designerware füllen will, braucht also einen entsprechenden Geldbeutel – gleiches gilt für den CLA. Die knapp 38.500 Euro Grundpreis für den 220 CDI rücken mit Panorama-Schiebedach, Abstandstempomat, Bi-Xenon-Scheinwerfern (1.005 Euro), Command-Multimedia-System (3.487 Euro) und anderen Extras schnell an die 50.000er Marke.

In diesem Jahr trug man auf der Modewoche in Berlin im Januar übrigens – wie könnte es anders sein – wieder brandneue Trends. Metallic-Leder, Lagen-Look und schräg geschlitzte Kleider. Nur gut, dass die Mode in der Automobilwelt nicht ganz so kurzlebig ist. Denn der Hut, der ist definitiv out.

Technische Daten Mercedes-Benz CLA 220 CDI

Viertüriges, 4+1-sitziges Coupé der Kompaktklasse, Länge: 4,63 Meter, Breite: 1,78 Meter (2,03 Meter mit Außenspiegeln), Höhe: 1,43, Radstand: 2,70 Meter, Kofferraumvolumen: 470 Liter.

2,1-Liter-Diesel, 125 kW/170 PS, Drehmoment: 350 Newtonmeter (1.400-3.400 U/min), 0-100 km/h in 8,2 Sekunden, Vmax: 230 km/h, Normverbrauch: 4,5 Liter, CO2-Ausstoß: 117 g/km, Testverbrauch: 6,4 – 8,4 Liter

Preis: 38.466,75 Euro (Basispreis CLA: 29.215 Euro)

Kurzcharakteristik:

Alternative zu: Audi A3 Limousine oder BMW 2er Coupé

Passt zu: eben den jung-dynamisch Erfolgreichen

Sieht gut aus: als allererster Dienstwagen im Leben

Hanne Lübbehüsen/SP-X

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