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Mercedes SLS AMG: Die Legende lebt

Hamburg (dpa-infocom) – Es ist das Comeback der Saison: Nach mehr als fünf Jahrzehnten bringt Mercedes mit dem SLS den legendären Flügeltürer zurück. Daimlers Sportwagenschmiede AMG legte Hand an.

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Mercedes legt den legendären Flügeltürer neu auf – Daimler-Tochter AMG hat den Rennwagen entwickelt. (Bild: Daimler)

Kein Retro-Modell

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Ledersessel, Klavierlack, elektronische Helfer: Die Ausstattung des SLS ist üppig. (Bild: Daimler)

Zwar macht der neue Silberpfeil einen weiten Bogen ums Retro-Design und weist mit klaren Linien, geraden Strichen und einem futuristischen Heck erfreulich weit in die Zukunft. Doch wie das Original von 1954 ist die Neuauflage ein Traumwagen, der bei einem Preis von 177 310 Euro für viele wohl ein Wunschwagen bleiben wird.

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Für einen Sportwagen ganz schon geräumig: Wer ohne Helm fährt, sitzt selbst mit zwei Metern lässig hinter dem Lenkrad. (Bild: Daimler)

Konstruiert wie ein Rennwagen

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Die Flügeltüren des SLS schinden Eindruck – für die perfekte Show fehlt ihnen allerdings der elektrische Antrieb. (Bild: Daimler)

Eingefahren auf der Nordschleife des Nürburgrings, gibt der SLS den ambitionierten Spitzensportler. Locker könnte er es auch mit Ferrari & Co. aufnehmen. Der 4,64 Meter lange aber gerade einmal 1,26 Meter hohe Zweisitzer ist nicht nur stark und schnell, sondern auch überraschend agil und wendig. Dafür haben die Entwickler mit einer Aluminiumkonstruktion gegenüber einem konventionellen SL 63 rund 300 Kilogramm gespart und mit der sogenannten Transaxle-Bauweise für eine ausgeglichene Balance gesorgt.

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Der V8-Motor lässt wenig Wünsche offen – allenfalls eine Direkteinspritzung wäre wünschenswert. (Bild: Daimler)

Der Motor vor und das Getriebe hinter den Sitzen bringen den Wagen ins perfekte Gleichgewicht und machen ihn zusammen mit der feinfühligen Lenkung und einem gut abgestimmten Fahrwerk extrem präzise und berechenbar. Er schneidet scharf durch die Schikanen und lässt sich je nach justierter Toleranz der Stabilitätskontrolle bis in den Grenzbereich mit dem kleinen Finger mühelos im Zaum halten.

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Mächtiger Motor: In nur 3,8 Sekunden rast der SLS auf Tempo 100, in 12 Sekunden auf 200. Schluss ist erst bei 317 Stundenkilometern. (Bild: Daimler)

Ein Flügeltürer wird zum Tiefflieger

Quell der unbändigen Kraft ist eine weitere Evolutionsstufe des hauseigenen V8-Motors. Das 6,2-Liter-Aggregat legt noch einmal knapp zehn Prozent Leistung zu und kommt nun auf 420 kW/571 PS und bis zu 650 Nm Drehmoment.

Die Doppelkupplungsautomatik mit ihren drei Schaltprogrammen wechselt die sieben Gänge in Windeseile – so wird schnell aus dem tiefen Donnergrollen ein wütendes Kreischen. Wenn man richtig Gas gibt, mutiert der Flügeltürer zum Tiefflieger. In nur 3,8 Sekunden schnellt er auf Tempo 100, hat nach kaum zwölf Sekunden 200 Sachen auf der Uhr und schiebt selbst jenseits von 300 km/h noch so mächtig voran, dass die auf 317 km/h erfolgte Tempobegrenzung wie ein Akt der Willkür erscheint.

Im Innenraum gibt der SLS den Sportler im Smoking

Während man in anderen Rennwagen dieses Kalibers schwer arbeiten muss und sich oft in einem Fitness-Studio auf Rädern wähnt, bietet der SLS einigen Komfort. Statt enger Schalensitze hat er bequeme Ledersessel, zum Zierrat aus Karbon gibt es Klavierlack und edle Häute. Und auch wenn ihm ein paar Sicherheits- und Assistenzsysteme fehlen, ist er fast so üppig mit elektronischen Helfern bestückt wie eine E- oder S-Klasse.

Sogar das Platzangebot kann sich sehen lassen: Wer sich ohne Helm auf die Piste traut, sitzt selbst mit knapp zwei Metern lässig hinterm Lenkrad. Und der Kofferraum ist so groß, dass dort irgendwann einmal das Verdeck des fest eingeplanten SLS Roadsters hineinpassen wird.

Zwischen Boulevard und Boxengasse

Mit diesem Zuschnitt steht der SLS den perfekten Spagat zwischen Fighter und Gleiter. Eben noch ambitionierter Rennwagen auf der Rundstrecke wird er schon wenige Meter nach der Boxengasse zum galanten Gran Tourismo, in dem der Fahrer auch gelassen durch die Ortschaften zuckeln kann.

Fazit: Ein Aushängeschild mit elektrischen Zukunftsambitionen

Doch bei aller Begeisterung bleibt auch der schönste und schärfste Mercedes der Neuzeit nicht frei von Kritik. Die Sitzauflagen dürften etwas länger sein, den Flügeltüren fehlt zum perfekten Showeffekt der elektrische Antrieb. Der V8-Motor hat noch keine Direkteinspritzung, obwohl diese schon vor 50 Jahren angeboten wurde. Sie steht im nächsten Sommer bei AMG zusammen mit einer Zylinderabschaltung auf dem Plan. Liegt der Durchschnittsverbrauch von 13,2 Litern (CO2-Ausstoß: 308 g/km) so allenfalls knapp unter Konkurrenzniveau, hätte der Flügeltürer seine Wettbewerber damit förmlich deplatzieren können. Doch die Schwaben haben auch so bereits ein Argument, das Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen soll: In rund zwei Jahren nämlich soll es den SLS auch als Elektroflitzer geben.

Datenblatt:Mercedes SLS AMG
Motor und Antrieb:V8-Benziner
Hubraum:6208 ccm
Max. Leistung:420 kW/571 PS bei 6800 U/min
Max. Drehmoment:650 Nm bei 4750 U/min
Antrieb:Heckantrieb
Getriebe:Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe
Maße und Gewichte
Länge:4638 mm
Breite:1939 mm
Höhe:1262 mm
Radstand:2680 mm
Leergewicht:1620 kg
Zuladung:240 kg
Kofferraumvolumen:176 Liter
Fahrdaten
Höchstgeschwindigkeit:317 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h:3,8 s
Durchschnittsverbrauch:13,2 Liter/100 km
Reichweite:650 km
CO2-Emission:308 g/km
Kraftstoff:Super
Schadstoffklasse:EU5
Kosten
Basispreis der Modellreihe:177 310 Euro
Grundpreis des SLS AMG:177 310 Euro
Typklassen:liegen noch nicht vor
Kfz-Steuer pro Jahr:505 Euro/Jahr
(alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke)
Wichtige Serienausstattung
Sicherheit:ESP, Front- und Knie-Airbags
Komfort:Klimaanlage, Lederpolster, elektrische Fensterheber

Ratgeber: Autotest
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