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    Gut gekühlt auf lange Tour – Erdgas für schwere Lkw

    Elektroantrieb fällt aus, Hybridtechnik ist eher was für die Kurzstrecke: Während Pkw-Käufer hohe Kosten und eingeschränkten Nutzen bis zu einem gewissen Grad akzeptieren, darf die Verbrauchsreduzierung bei Lkw weder der Reichweite noch der Wirtschaftlichkeit schaden. Erdgas könnte die Lösung sein.

    Iveco hat eine EU-Zulassung für den Stralis LNG bekommen
    Iveco hat eine EU-Zulassung für den Stralis LNG bekommen

    Während sich Erdgas als Kraftstoff bei Pkw hierzulande zumindest eine kleine Nische erobert hat, ist es bei schweren Lkw noch bedeutungslos. Das soll sich bald ändern. Die Branche verspricht sich von dem Diesel-Ersatz vor allem eine bessere Klimabilanz.

    Bislang leidet Erdgas als Lkw-Kraftstoff unter einem Reichweitenproblem. Weil der gasförmige Treibstoff (CNG, Compressed Natural Gas) viel Platz im Auto braucht, muss in der Regel schon nach 300 bis 400 Kilometern nachgetankt werden. Für einige Pkw im Stadtverkehr wie Taxis und Lieferwagen ist das noch akzeptabel. für Langstrecken-Lkw nicht.

    Gelöst werden soll das Problem nun durch die Verflüssigung des Gases zu sogenanntem LNG (Liquid Natural Gas). Durch die Verdichtung passt bei gleichem Tankvolumen deutlich mehr Energie ins Fahrzeug. Die Technik ist allerdings relativ aufwändig, weil das Gas erst bei minus 163 Grad flüssig wird und daher während des Transports zur Tankstelle sowie an Bord des Lkw gekühlt werden muss.

    Anders als in den USA und China gibt es in Deutschland bislang aber weder geeignete Lkw-Modelle noch die benötigten Tankstellen. Das soll sich aber ändern. Nutzfahrzeughersteller Iveco hat kürzlich die EU-Zulassung für eine LNG-Version der Sattelzugmaschine Stralis erhalten. In den Niederlanden ist der Fernverkehrs-Laster bereits unterwegs, in Deutschland fehlen ihm noch die Tank-Möglichkeiten. Der Grund dafür liegt ausgerechnet an der hierzulande guten Erdgas-Infrastruktur: Weil CNG über ein dichtes Pipeline-Netz nahezu in jeder Ecke des Landes erhältlich ist, war es nie nötig, das Gas herunterzukühlen und als LNG per Lkw zu transportieren. so wie es etwa in den USA gemacht wird,  

    Aber Deutschland will - auch mit Unterstützung der EU - aufholen. Der Erdgasverband „Erdgas Mobil“ hat bereits eine Mustergenehmigung für den Bau von LNG-Tankstellen beantragt und erhalten. Die ersten Anlagen könnten in wenigen Jahren ans Netz gehen.

    Für Lkw-Hersteller und Speditionen könnte LNG zum Hit werden. Zwar herrscht noch Ungewissheit über kommende CO2-Grenzwerte, aber Experten rechnen damit, dass die Emissionen des Güterverkehrs in den nächsten Jahren um 20 bis 30 Prozent werden sinken müssen. LNG könnte zumindest für eine zehnprozentige Senkung sorgen, prognostiziert eine aktuelle Studie der Deutschen Energie-Agentur (dena). Für Spediteure noch interessanter: Die Kraftstoffkosten dürften gegenüber dem Dieselbetrieb ebenfalls deutlich sinken.

    Eben diese Sauberkeit und Wirtschaftlichkeit hat unter anderem der Zulieferer Delphi neben Vernetzung und Zuverlässigkeit als die aktuellen Megatrends der Nutzfahrzeugbranche identifiziert. LNG könnte beides liefern. Das Unternehmen hat daher auf der IAA in Hannover gerade eine neue Generation von Hochdruck-Injektoren für Erdgasmotoren in schweren Lkw vorgestellt. Sie sollen 2016 in Serie gehen.

    Auch der deutsche Branchenführer Bosch hat Erdgas-Technik im Programm. Darunter auch ein bivalentes Kraftstoffsystem, das die Verbrennung von Gas und Diesel im gleichen Motor erlaubt. Mit der sogenannten Dual-Fuel-Technik können rund 90 Prozent des Dieselkraftstoffes durch Erdgas ersetzt werden. Die Diesel-Einspritzung übernimmt dabei die Rolle einer Art flüssiger Zündkerze. Sie entflammt das Gas, so dass keine zusätzliche Fremdzündung im Brennraum nötig ist.

    Allein selig machen wird Erdgas aber wohl nicht. Der Aufbau einer funktionierenden Tankstelleninfrastruktur sowohl für LNG als auch für CNG dürfte noch Jahre brauchen. Die Branche muss also auch an anderen Effizienz-Rädchen drehen. Bosch etwa arbeitet an einem Hybridsystem, das bis Ende des Jahrzehnts serienreif und für Speditionen zumindest im Verteilerverkehr rentabel einsetzbar sein soll. Dort soll es bis zu 15 Prozent Kraftstoff sparen. Auch darüber hinaus ist das Potenzial groß, wie etwa Mercedes auf der IAA mit seinem Future Truck zeigt, der dank extra-aerodynamischem Design und autonomen Fahrfunktionen ganz besonders sparsam sein soll.

    Holger Holzer/SP-X

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