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    Spontane Zu-Neigung – Yamaha Tricity

    Urbane Mobilität auf zwei Rädern ist für Yamaha schon lange ein Thema. Mit dem 125 ccm-Roller Tricity setzt nun der erste japanische Hersteller auf drei Räder und Neigetechnik.

     Yamaha Tricity
    Yamaha Tricity

     Yamaha Tricity
    Yamaha Tricity

    Was waren sie anfangs belächelt und verspottet worden, die Dreirad-Roller mit Neigetechnik von Piaggio! Doch längst haben die Italiener von ihren diversen MP3-Modellen mehr als 150.000 Stück abgesetzt, und mit Peugeot setzt mittlerweile ein weiterer bekannter Hersteller auf die Stabilität der drei Räder. Quadro, eine aufstrebender Schweizer Marke, etabliert sich ebenfalls in Europas Märkten. Nun wagt sich mit Yamaha das erste japanische Zweirad-Schwergewicht aus der Deckung: Mit dem 125 ccm-Modell Tricity hat konzentriert man sich auf die innerstädtische Mobilität. Klein, leicht und besonders einfach beherrschbar. Und mit 3.595 Euro auch günstig im Preis.

    Er ist mit knapp drei Litern Super/100 km ausreichend sparsam und weist ein gut geformtes Staufach unterm Sitz auf, inde
    Er ist mit knapp drei Litern Super/100 km ausreichend sparsam und weist ein gut geformtes Staufach unterm Sitz auf, indem ein Integralhelm Platz findet.

    Der größte Vorteil des ersten japanischen Dreirad-Rollers ist all das, was nicht dran ist: Mit 152 Kilogramm fahrfertig ist der Tricity nämlich um fast ein Drittel leichter als es der Piaggio MP3-125 war (Piaggio bietet diese Version in Deutschland nicht mehr an). Der Tricity kommt ohne komplizierte Feststell-Technik des Neigesystems aus, und auch die Vorderradführung mittels Cantilever-Telegabel und Parallelogrammsystem ist deutlich unaufwendiger. Glücklicherweise aber nicht weniger vorteilhaft. Eher im Gegenteil, denn das geringe Gewicht macht sich sehr positiv bemerkbar. Auch wenig Erfahrene – zum Pilotieren des Tricity genügt im Grunde ein alter „Dreier“-Führerschein, ansonsten eine A1-Lizenz – sollten normalerweise keine Probleme haben, mit dem sehr intuitiv zu bedienenden Tricity zu Recht zu kommen.

    Mit dem 125 ccm-Roller Tricity setzt nun der erste japanische Hersteller auf drei Räder und Neigetechnik.
    Mit dem 125 ccm-Roller Tricity setzt nun der erste japanische Hersteller auf drei Räder und Neigetechnik.

    Dank des geringen Gewichts genügt die bescheidene Leistung von 8 kW/11 PS, um im Amsterdamer Verkehr mitzuschwimmen. Der flüssigkeitsgekühlte Einzylinder-Zweiventilmotor stammt von einem schon seit Jahren in Thailand gebauten Rollertriebwerk ab, wurde aber für die Verwendung im Tricity überarbeitet. Seine Leistungskurve ist günstig, steht doch ausreichend Kraft schon bei mittleren Drehzahlen zur Verfügung. Klarerweise ist der Tricity keine Rakete, aber die 11 PS reichen aus, um sich nach dem Ampelstart vorne halten zu können. Beschleunigungsmanöver oberhalb von ca. 60 km/h verlaufen dagegen zäh, auch ist die Höchstgeschwindigkeit von gut 90 km/h nur mit reichlich Anlauf erreichbar.

    Die eigentliche Überraschung des Tricity ist sein vorzügliches Fahrwerk.
    Die eigentliche Überraschung des Tricity ist sein vorzügliches Fahrwerk.

    Die eigentliche Überraschung des Tricity ist sein vorzügliches Fahrwerk. Die Neigetechnik arbeitet leichtgängig und stabil gleichermaßen; selbst wenn in schnell gefahrenen Kurven plötzlich Widrigkeiten wie Straßenbahnschienen oder Asphaltfugen auftauchen, hält der Tricity unerschütterlich Kurs. Konventionellen Rollern dieser Hubraum-Kategorie ist Yamahas Dreirad insbesondere bei schwierigen Straßenverhältnissen wie Nässe, Laub oder Kopfsteinpflaster deutlich überlegen. Das subjektive Sicherheitsgefühl und damit das Wohlbefinden dürfen ohne Übertreibung als hervorragend bezeichnet werden. Die Abstimmung der Federelemente vorne und hinten ist gut, solange die Zuladung moderat bleibt; sehr schwere Einzelpersonen oder Fahrer mit Passagier wünschen sich mehr Reserven, damit es nicht zum Durchschlagen insbesondere der hinteren Federbeine kommt.

    Auch in allen anderen wichtigen Kriterien macht der Yamaha Tricity eine gute Figur: Er ist mit knapp drei Litern Super/100 km ausreichend sparsam und weist ein gut geformtes Staufach unterm Sitz auf, indem ein Integralhelm Platz findet. Zudem glänzt mit einer sehr guten Sitzposition, solange der Fahrer/die Fahrerin nicht extrem groß oder extrem klein gewachsen ist. Auch das sehr übersichtliche Digitalcockpit gefällt, wie überhaupt die Bedienung des Fahrzeugs sehr einfach ist.

    Mit dem Tricity hat Yamaha ein starkes Argument in den bislang von europäischen Herstellern dominierten Ring der Dreirad-Roller geworfen. Das erste Modell einer künftig breiter gefächerten Fahrzeuggeneration konzentriert sich auf die Anforderungen des Stadtverkehrs. Das ist gut so. Diese Disziplin beherrscht das in Thailand gefertigte Fahrzeug ausgezeichnet. Und für 3.590 Euro gibt es am Testfahrzeug mit Ausnahme einer nicht stets beim ersten Versuch schließenden Sitzbank-Verriegelung wirklich nichts zu meckern. Außer, dass man nie genug Leistung haben kann – ein paar Pferdestärken mehr zugunsten einer verbesserten Beschleunigung zwischen 60 und 90 km/h würden wir nicht zurückweisen.

    Technische Daten Yamaha Tricity:

     

    Motor: Einzylinder-Viertaktmotor, 124,8 ccm Hubraum, 8,1 kW/11 PS bei 9.000 U/min., 10,4 Nm bei 5.500 U/min; Einspritzung, Variomatik, Triebsatzschwinge.

     

    Fahrwerk: Stahlrohrrahmen; Cantilever-Telegabel vorne, zwei Federbeine (Vorspannung einstellbar) hinten; Aluminiumgussräder; Reifen 90/80-14 (vorne) bzw. 110/90-14 (hinten). Je eine 220 mm Einscheibenbremse vorne, 230 mm Scheibenbremse hinten.

     

    Maße und Gewichte: Radstand 1310 mm, Sitzhöhe 780 mm, Gewicht fahrfertig 152 kg, Zuladung 169 kg; Tankinhalt 6,6 l.

     

    Preis: 3.595 Euro zzgl. Nebenkosten.

    Ulf Böhringer/SP-X

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