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So kommt man zum passenden E-Bike – Ratgeber: Pedelec kaufen

Wie teuer ein Pedelec sein muss, hängt von vielen Faktoren ab. Gut beraten ist, wer sich selber etwas kundig macht. Vielleicht reicht dann sogar das Discounter-Schnäppchen.

Wer ein gutes Pedelec will, wird in der Regel erst bei 2.000 Euro einsteigen. So viel kostet zum Beispiel das E-Molveno
Wer ein gutes Pedelec will, wird in der Regel erst bei 2.000 Euro einsteigen. So viel kostet zum Beispiel das E-Molveno von Stevens

Pedeles sind in Deutschland unvermindert gefragt. Potenzielle Käufer reiben sich allerdings oft die Augen angesichts von Preisen, die sich weit jenseits konventioneller Fahrräder bewegen. Zumindest werden vom Fachhandel meist Räder empfohlen, die 2.000 Euro oder mehr kosten. Das mag in bester Absicht geschehen, doch ein hoher Preis allein ist noch kein Garant für ein gutes E-Bike. Als Kunde ist man deshalb im Vorteil, wenn man bei den Ausstattungsdetails gute von weniger guten Komponenten unterscheiden kann. Umgekehrt sollte man sich günstigen E-Bikes nicht kategorisch verschließen, denn trotz qualitativer Abstriche könnte das Discounter-Schnäppchen dem Nutzungsverhalten angemessen sein. Wichtig ist: Schauen, Vergleichen und Probefahren.

Auf die Frage, wie teuer ein Pedelec sein soll, nennt der Bike-Experte Gunnar Fehlau vom Pressedienst Fahrrad eine klare Untergrenze: „Rahmen, Bremsen und Schaltung sollten einen gewissen Qualitätsstandard vorweisen können. Unter 2.000 Euro leidet aus unserer Sicht der Fahrspaß. Unterhalb von 1.500 Euro muss man sogar Abstriche bei Sicherheit und Langlebigkeit hinnehmen.“ Das deckt sich laut Fehlau auch mit den gezahlten Preisen am Markt, die pro Pedelec zwischen 2.000 und 2.500 Euro liegen. Laut Fehlau sind viele bis vor wenigen Jahren noch teure Lösungen sukzessive günstiger geworden. So sind bei den Einstiegsmodellen mit Bosch-Antrieb in der jüngeren Vergangenheit die Preise um gut 700 bis 800 Euro gesunken. Auch gute Bremssysteme oder Getriebelösungen kommen zum Teil deutlich günstiger als noch vor wenigen Jahren.

Es sind vor allem diese und weitere Komponenten, an denen Kunden ein gewisses Qualitätsniveau festmachen können. Dem Käufer hilft es, wenn er sich ein wenig bei den vielen verschiedenen Angeboten der Zulieferer und deren vielen unterschiedlichen Ausprägungen auskennt. Auf Grundlage dieser Kenntnisse kann man im Vorfeld schon konkrete Vorstellungen entwickeln, welche Komponenten man grundsätzlich auf welchem Qualitätsniveau haben will.

Wichtig ist dies unter anderem bei den Bremsen. Hier sollte man darauf achten, dass ein hydraulisches System verbaut wurde. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um Felgen- oder Scheibenbremsen handelt. Letztere sind aber in der Regel feiner dosierbar. Bei der Wahl der Schaltung kann hingegen auch einfache Kost reichen. Man sollte sich keinesfalls vom Übersetzungswahn konventioneller Räder leiten lassen. Meist reicht bei Pedelecs eine einstellige Gangzahl, eigentlich könnte sogar ein Gang genügen, denn bereits beim Anfahren wird man ja vom Motor unterstützt. Ein paar mehr Gänge sind vor allem von Vorteil, wenn man häufiger in hügeligem Gelände unterwegs ist.

Eine Nabenschaltung ist eine schöne Lösung, aber kein Muss. Gleiches gilt für den sauberen und leisen Riemenantrieb, der allerdings mehr kostet als eine pflegeintensivere Kette. Bei den Leuchten sollte man auf modernes LED-Licht achten, gut, wenn dieses noch über eine Einschaltautomatik verfügt. Ein Dynamo erübrigt sich mittlerweile beim Pedelec, denn meistens beziehen die Leuchten den Strom aus der Traktionsbatterie. Bei der Bereifung sollte man auf gängige Markennamen und einen Pannenschutz achten. Eine Federung, zum Beispiel eine Federgabel vorn, kann von Vorteil sein. Wer viel auf holprigen Radwegen unterwegs ist, wird sich über den damit einhergehenden Komfortgewinn freuen.

Die wichtigste aller Komponenten beim Pedelec ist jedoch der Antrieb. Derzeit wird der Markt von Mittelmotorlösungen dominiert, die sich vergleichsweise Formschön in die Rahmenstruktur einbinden lassen und zudem in Hinblick auf die Gewichtsverteilung Vorteile bieten. Mittelmotor-Pedelecs sind in der Regel auch am teuersten. Der Markt bietet eine Vielzahl guter Lösungen verschiedener Anbieter wie Bosch, Brose, Shimano, Yamaha oder Bafang. Eine Interessante Alternative ist der Heckmotor, der in einigen Fällen kaum größer als eine Nabenschaltung ausfällt. Der Hinterradantrieb bringt das Drehmoment direkt auf die Straße und vermittelt deshalb oft ein spritzigeres Fahrgefühl. Als Besonderheit bieten Heckmotoren zudem oftmals ein Energierückgewinnungssystem und eine Motorbremse. Der Frontmotor als Billiglösung ist mittlerweile eher verpönt. Vor allem sein Einfluss auf die Lenkung wird als negativ empfunden. Tatsächlich können aber selbst frontgetriebene Pedelecs Spaß machen. Ein besonderer Vorteil dieser Lösung: Sie lässt sich mit jeder Art von Getriebe kombinieren.

In Hinblick auf die Batterie ist es schwierig, die Qualität zu beurteilen. Bei den meisten Pedelecs werden Akkupakete verbaut, deren Zellen ohnehin von den großen Herstellern Panasonic oder Samsung stammen. Akkus mit weniger als 300 Wattstunden gelten als klein. Mit 400 Wh wird man im Pendler-Alltag bereits gut zurechtkommen. 500 und mehr Wattstunden sind dann schon Luxus. Von Vorteil ist es, wenn die Batterie sich abnehmen lässt, um sie zum Beispiel in der Wohnung laden zu können.

Wer sich bei Ausstattung, Komponentenqualität und Antrieb tendenziell für höherwertige Lösungen entscheidet, wird unweigerlich jenseits von 2.000 Euro landen. Wenn das E-Bike dann noch über eine schicke Intube-Akku-Lösung, also einer in den Rahmen eingelassenen Batterie verfügt, muss man sogar mit 3.000 Euro und mehr rechnen. Alternativ finden sich aber auch Pedelecs, die bereits für rund 1.000 Euro eine durchaus respektable Ausstattung vorweisen können. So hat im Frühjahr ein großer deutscher Discounter ein Modell für rund 1.000 Euro angeboten, das über Mittelmotor, Federgabel, hydraulische Felgenbremsen, LED-Licht und eine 7-Gang-Nabenschaltung verfügt. Wer sein Pedelec eher selten nutzt und ohnehin keine Ambitionen hegt, mit diesem auf große Fahrt zu gehen, könnte bereits mit einem solchen Bike glücklich werden.

Was bei Discounter-Schnäppchen hingegen definitiv zu kurz kommt, ist die fachliche Beratung. Angesichts der Komplexität der Technik und der großen Zahl sehr unterschiedlicher Pedelecs kann ein Händler, der mit Rat und Tat zur Seite steht, eine große Hilfe sein. Zumal dieser in der Regel auch eine eigentlich unabdingbare Probefahrt ermöglicht. Bei dieser kann man am besten erfahren, wie gut man mit dem E-Bike und den verbauten Komponenten zurechtkommt. Wer mit Rahmen, Sitzposition und Antriebstechnik glücklich ist, sich aber an dem einen oder anderen Detail stört, kann in vielen Fällen nachbessern. Ein gekröpfter Lenker, ein ergonomischerer Sattel oder eine Schaltung mit mehr Gängen lassen sich oftmals problemlos nachrüsten.

Mario Hommen/SP-X

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