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Schwere Übung: Autohersteller setzen auf Leichtbau

München/Sant'Agata Bolognese (dpa/tmn) – Für Autoentwickler bekommt die Waage eine immer größere Bedeutung. Denn: «Neben den Motoren bietet das Fahrzeuggewicht das größte Spritsparpotenzial», fasst Manfred Fitzgerald von Lamborghini in Sant'Agata Bolognese zusammen.

Toyota Venza
Bisher nur ein Projekt: Sportwagen-Hersteller Lotus zeigt den Entwurf eines Toyota Venza für das Jahr 2020, der gut ein Drittel an Gewicht verlieren soll. (Bild: Lotus/dpa/tmn)

Audi
Nach der Diät 100 Kilogramm leichter: Audi ersetzt beim R8 GT zahlreiche herkömmliche Karosserieteile durch leichtere Kohlefaser-Ausführungen. (Bild: Audi/dpa/tmn)

Audi-Chef Rupert Stadler präzisiert: «300 Kilogramm weniger Gewicht heißt einen Liter weniger Verbrauch.» Deshalb arbeitet die Industrie in allen Fahrzeug-Segmenten am Thema Leichtbau.

Lamborghini
Wenn jedes Gramm zählt: Im Gallardo Superleggera baut Lamborghini sogar besonders leichte Türverkleidungen aus Kohlefaser ein. (Bild: Lamborghini/dpa/tm)

Populär ist das Thema bei Supersportwagen. «Dort senken wir mit dem Gewicht nicht nur den Verbrauch, sondern erhöhen zudem Dynamik und Fahrspaß», sagt Fitzgerald, Leiter der Abteilung «Brand and Design». Außerdem sind die Preise dieser Autos so hoch, dass die Entwickler aufwendige Produktionsverfahren und exotische Materialien einsetzen können. Denn dummerweise ist Leichtbau nicht nur eine schwere, sondern bislang auch eine ausgesprochen teure Übung.

«Besonders deutlich wird das an Kohlefaser», erklärt Fitzgerald. Bauteile aus diesem sogenannten Karbon-Material sind um bis zu einem Drittel leichter als etwa Aluminium und obendrein sehr viel stabiler. Beim gerade vorgestellten Gallardo Superleggera bestehen zum Beispiel Heckflügel, Frontschürze, Türverkleidungen und Spiegelkappen aus Karbon. Auch der neue Audi R8 GT hat im Vergleich zum Serienmodell nur deshalb 100 Kilogramm abgespeckt, weil unter anderem Heckklappe, Stoßfänger und Sideblades aus schwarzen Kohlenstoff-Fäden gesponnen werden, sagt Pressesprecher Josef Schlossmacher in Ingolstadt.

«Doch die Herstellung und Verarbeitung ist bislang ausgesprochen zeit- und personalaufwendig», erklärt Fitzgerald. «Eine komplette Karbonstruktur kostet heute in der Herstellung sicher noch so viel wie eine Mittelklasselimousine.» Eine Erklärung, warum meist nur Sonderserien und Supersportwagen aus Kohlefaser hergestellt werden.

«Doch das wird sich in Zukunft ändern», ist Fitzgerald überzeugt. Nicht umsonst unterhalte Lamborghini gemeinsam mit dem Flugzeughersteller Boeing einen Lehrstuhl zur Karbonforschung. «Dort und hier bei uns in Sant'Agata entwickeln wir Verfahren mit höherem Automatisierungsgrad, mit denen die Kosten deutlich sinken und damit die Anwendungsmöglichkeiten steigen werden.»

Dass Karbon nicht nur für Supersportwagen taugt, will als nächstes offenbar BMW beweisen. Die Marke nutzt den Werkstoff bislang als einzige im größeren Stil und fertigt daraus nach Angaben von Pressesprecher Stefan Behr das Dach des M3. So werden fünf Kilogramm Gewicht pro Fahrzeug eingespart.

Für die Zukunft sind solche Werte aber viel zu wenig. Das belegen auch die Überlegungen für das sogenannte Mega City Vehicle, das Konzernchef Norbert Reithofer für das Jahr 2013 versprochen hat: Der Kleinwagen für die Großstädte dieser Welt werde nicht nur der erste elektrische BMW für die Großserie, sondern auch «konsequent auf Leichtbau ausgelegt». Gemeint ist damit nach Informationen aus Unternehmenskreisen unter anderem eine komplette Karosseriestruktur aus Karbon, mit der das Gewicht trotz schwerer Batterien unter 600 Kilogramm gedrückt werden soll. Die Prototypen des Mini E mit Elektroantrieb wiegen noch mehr als das Doppelte.

Um die Arbeiten zu beschleunigen, hat BMW bereits eine Kooperation mit SGL Karbon vereinbart – das Unternehmen wird wahrscheinlich in den USA die Rohkarossen bauen und sie dann zur Endmontage nach Leipzig liefern. Mit solchen Partnerschaften ist BMW aber nicht alleine: Auch Mercedes sucht nach Lösungen. Nachdem die Stuttgarter für den SLR gemeinsam mit McLaren eine Kohlefaser-Karosserie entworfen haben, wollen sie nun mit dem japanischen Unternehmen Toray Industries Verfahren entwickeln, die für größere Stückzahlen und kleinere Preise taugen. Das bestätigte der Konzern in Stuttgart.

Auf der breiten Skala zwischen Supersportwagen auf der einen und Sparwundern auf der anderen Seite fallen die ganz normalen Familienkutschen allerdings nicht unter den Tisch. Bei einem VW-Kongress in Wolfsburg zum Beispiel wurde kürzlich eine Studie präsentiert, bei der ein Materialmix aus Aluminium, Stahl, Magnesium und Kunststoff das Gewicht einer Mittelklasse-Karosserie um 35 Prozent auf 180 Kilo drückt.

Der britische Sportwagen-Hersteller Lotus hat gerade mit einem Entwurf für den Toyota Venza des Jahres 2020 gezeigt, wie die für den US-Markt entwickelte Großraumlimousine über ein Drittel abspecken kann. Zwar nutzen die Briten für dieses Projekt ebenfalls viel Karbon. Doch gehen sie davon aus, dass in zehn Jahren auch neue Fertigungsverfahren greifbar sind – und die Produktion des leichten Venza gerade einmal drei Prozent mehr kosten wird.

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