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    Ruhe auf der Rückbank: Reise-Bingo und Kinderlieder

    «Wann sind wir endlich da?» - diese Frage zählt zu den meistgehörten Sätzen auf langen Urlaubsfahrten mit Kindern. Mit Spielen und anderen Tricks können Eltern nicht nur den Nachwuchs im Fond bei Laune halten, sondern auch die eigenen Nerven schonen.

    Spiele halten bei Laune
    Spiele halten Kinder auf Autofahrten bei Laune. Karten- oder Würfelspiele sind aber weniger empfehlenswert, weil schnell Teile davon unter die Sitze fallen können. (Bild: Röwekamp/dpa/tmn)
    Foto: DPA

    Zehn Stunden nach Frankreich, zwölf nach Italien, bei brennender Sonne und kilometerlangen Staus. Solche Fahrten sind schon für Erwachsene kein Spaß. Mit missmutigen Kindern auf der Rückbank können sie zum Höllentrip werden. Deshalb machen sich Eltern besser schon vor der Fahrt Gedanken, wie sie ihren Nachwuchs bei Laune halten können. Allerdings sagt Ulrich Gerth, Vorsitzender der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (BKE): Mehrstündige, lückenlose Unterhaltungsprogramme müssen nicht sein.

    «Lange Fahrten dürfen auch mal langweilig sein, das gehört dazu», erklärt Gerth. «Spiele sollten eher Highlights sein.» Er empfiehlt grundsätzlich Aktivitäten, die ohne viel Material auskommen - denn kleine Spielfiguren oder Würfel gehen im Auto schnell verloren. «'Ich sehe was, was du nicht siehst' ist sehr zu empfehlen», so Gerth. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Innofact im Auftrag von Autoscout24: Zwei Fünftel (38 Prozent) der 1046 Teilnehmer spielen diesen Klassiker mit ihren Kindern im Auto.

    Genauso beliebt ist das gemeinsame Erraten von Autokennzeichen. Und mit den Nummernschildern anderer Autos lässt sich noch mehr anstellen: «Mit den Buchstaben kann man zum Beispiel komische Sätze bilden», empfiehlt Claudia Greiner-Zwarg, stellvertretende Chefredakteurin der Zeitschrift «Eltern Family». «Das ist für Kinder ein gutes Sprachtraining und auch für Erwachsene unterhaltsam.»

    Ein weiteres Spiel für lange Autofahrten: Jeweils ein Spieler denkt sich zum Beispiel ein Tier oder eine Märchenfigur aus. Die anderen im Wagen müssen dann herausfinden, was gemeint ist. Dafür dürfen sie nur Fragen stellen, die sich mit «Ja» oder «Nein» beantworten lassen.

    Bei diesen Spielen müssen die Erwachsenen gar nicht immer mitmachen - zwei oder mehr Kinder können sie auch gut alleine und miteinander spielen. Nur Einzelkinder brauchen etwas mehr Aufmerksamkeit: «Da kann sich Mama oder Papa ruhig mal nach hinten zum Kind setzen und sich etwas mit ihm beschäftigen», rät Ulrich Gerth. Dauerhaft den Platz wechseln sollte der Beifahrer aber nicht: Es sollte etwas Besonderes bleiben, wenn er zwischendurch zum Kind in den Fond steigt.

    Ähnlich wie «Ich sehe was, was du nicht siehst» funktioniert das «Reise-Bingo». Dieses Spiel muss allerdings vorbereitet werden: Jeder Mitspieler bekommt einen Zettel mit schachbrettähnlichen Kästchen. In diesen Kästchen stehen bestimmte Dinge wie «Kirche» oder «gelbes Auto». Wer eins davon als erster entdeckt, darf es auf seinem Zettel ankreuzen. Gewonnen hat derjenige, bei dem die Kreuze zuerst eine Reihe bilden. Ohne vorbereitete Zettel funktioniert das Spiel in abgewandelter Form, sagt Claudia Greiner-Zwarg: «Dann schaut einfach jedes Kind auf seiner Seite aus dem Fenster und zählt zum Beispiel alle Kühe.» Gewonnen hat, wer nach einer gewissen Zeit die meisten gesehen hat.

    Solche Beobachtungsspiele haben einen großen Vorteil: Wenn Kinder aus dem Fenster schauen, wird ihnen nicht so schnell schlecht. Anders ist das, wenn sie sich im Auto mit Büchern oder Spielkonsolen beschäftigen: «Da entsteht ein Informationsproblem im Gehirn», erklärt Tomas Jelinek vom Centrum für Reisemedizin (CRM) die Reisekrankheit: Die Augen denken, der Körper steht still, der Gleichgewichtssinn bemerkt aber eine Bewegung. Gerade bei Kindern zwischen zwei und zwölf Jahren führe dieses Missverständnis im Körper schnell zu Übelkeit und Erbrechen.

    Nach Jelineks Erfahrung hilft dagegen vor allem eines: nach draußen schauen, am besten nach vorne. Wenn dem Kind schon schlecht ist, sollte eine Pause gemacht werden. BKE-Experte Gerth hält das ohnehin für eine gute Idee: «Grundsätzlich sind lange Fahrten mit Kindern eigentlich kein Problem - sie sollten aber entsprechend gestaltet werden.» Dazu gehören regelmäßige Pausen mit ausreichend Zeit für Bewegungsspiele. Auf lange Sicht sei das besser als der Ehrgeiz, möglichst früh am Urlaubsort anzukommen.

    Wenn Erwachsene und Kinder keine Lust mehr auf Spiele haben, können auch Hörspielkassetten oder CDs mit Kinderliedern eine gute Ablenkung sein. «Schön ist Musik, bei der alle mitsingen können», sagt Gerth. Allerdings sollte dieses Mittel nur in Maßen zum Zeitvertreib eingesetzt werden: «Eine Urlaubsfahrt muss auch für Eltern erträglich sein.»

    Ist abzusehen, dass eine lange Reise den Nachwuchs überfordert, kann zumindest einen Teil der Strecke bei Nacht gefahren werden. «Die Kinder schlafen dann», sagt Gerth. Allerdings besteht dann die Gefahr, dass die Eltern müde Auto fahren und dadurch das Unfallrisiko steigt. «Da sollte man sich vorher überlegen, ob es das wert ist», so Gerth.

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