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    Die kleinen Helfer fürs Allrad-Abenteuer

    Stuttgart/Wolfsburg (dpa/tmn) - Allradantrieb, Unterbodenschutz, Bergassistent: Kaum ein Fahrer nutzt, was sein Geländewagen kann. Parallel grübeln Entwickler, wie sie Offroad-Trips und Flussdurchfahrten beherrschbarer machen können. Dabei genügen manchmal einfache Ideen.

    Land Rover DC 100
    Das Konzeptfahrzeug Land Rover DC 100 fährt mit futuristischer Technik durchs Gelände: Ein Scanner ermittelt den optimalen Weg, ein Sonar lotet die Wassertiefe bei Flussdurchfahrten aus. (Bild: Land R
    Foto: DPA

    Das könnte knapp werden. Die Felswand kommt immer näher. Doch unbeirrt dirigiert der Fahrer das Auto weiter die steile Rampe rauf, obwohl er durch die Scheibe eigentlich nur noch Himmel sieht. Korrekterweise muss es heißen: sehen könnte. Denn während er weiter sanft Gas gibt, haftet sein Blick starr auf einem Monitor in der Mittelkonsole. Dort, wo ansonsten die Karte des Navigationssystems zu sehen ist, läuft eine Live-Übertragung der eigenen Fahrt. Alles, was der Fahrer für das Manöver benötigt, holen ihm Videokameras auf den Bildschirm.

    Bergabfahrhilfe
    Die Mercedes M-Klasse hat eine Bergabfahrhilfe. Wird sie bei starkem Gefälle aktiviert, bremst der Wagen von alleine und kriecht im Schritttempo den Berg hinunter. (Bild: Daimler)
    Foto: DPA

    Um das Risiko von Blechschäden abzuwenden, hätte normalerweise der Beifahrer aussteigen und den Geländewagen mit Handzeichen durch das Hindernis lotsen müssen. Doch nun setzen immer mehr Geländewagenhersteller auf Kamera-Systeme wie hier im Land Cruiser, mit denen man sein Auto rundum überwachen und sicher durch Felder von Geröllbrocken und Baumstämmen bugsieren kann.

    Toyota Land Cruiser
    Im Toyota Land Cruiser zeigt ein Monitor auf Wunsch das Fahrzeugumfeld an. Das hilft zum Beispiel bei steilen Bergauffahrten - aber auch auf dem Parkplatz. (Bild: Toyota)
    Foto: DPA

    Neben dem mechanischen Schutz von Blech und Boden sind es vor allem elektronische Systeme, die Geländewagenfahrern das Abenteuer leichter machen sollen. Besonders populär ist die sogenannte Bergabfahrhilfe: «Wenn man sie an steilen Gefällestrecken aktiviert, bremst das Auto von alleine und kriecht im Schritttempo jeden Berg hinunter», erläutert Mercedes-Sprecher Christian Anosowitsch. In der neuen Mercedes M-Klasse ist ein entsprechendes System zu haben.

    Nachdem diese sogenannte Hill Descent Control mittlerweile bei den allermeisten Geländewagen eingebaut wird, erobert die elektronische Regelung zunehmend weitere Fahrbereiche: So, wie normale Familienautos auf Knopfdruck sportlicher abgestimmt werden können, lassen sich viele Offroader mit einem Schalter für den Geländeeinsatz programmieren. Das System, das als Terrain Response zuerst bei Land Rover eingebaut wurde, hat in der Regel nicht nur Einfluss auf das elektronische Stabilitätsprogramm und die Kraftverteilung des Allradantriebs. Es steuert - soweit vorhanden - auch die Luftfederung und mit ihr die Bodenfreiheit. Auch regelt es die Empfindlichkeit des Gaspedals und mitunter der Lenkung.

    Dabei arbeitet das elektronische Stabilitätsprogramm im Gelände anders als auf der Autobahn, erläutert ein Entwickler von VW: «Bei Autos wie dem Tiguan lassen wir im Gelände für ganz kurze Zeit anders als auf Asphalt ein Blockieren der Räder zu. So baut sich vor dem Reifen ein kleiner Wall aus Schmutz und Steinen auf, der die Bremswirkung erhöht.»

    Aber nicht alles geht im Gelände elektronisch: Wichtige Extras für den extremen Einsatz sind auch die Untersetzungsgetriebe und die mechanischen Differentialsperren. Mit der zusätzlichen Getriebestufe kann die Kraft bei niedrigen Geschwindigkeiten erhöht und mit den Differentialsperren besser auf die Räder einer Achse verteilt werden. Seit immer mehr Allradsysteme allerdings elektronisch gesteuert werden, sind diese mechanischen Lösungen zunehmend auf dem Rückzug und werden von denselben Regelkreisen ersetzt, die auch das elektronische Stabilitätsprogramm nutzt.

    Es werden aber auch ganz neue Assistenzsysteme und Zusatzfunktionen erdacht von den Entwicklern. Wie weit sie dabei gehen, zeigt nicht zuletzt die Studie DC 100, mit der Land Rover jüngst auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt auf die Zukunft des Defenders eingestimmt hat. Das Messeauto hat nicht nur Reifen mit ausfahrbaren Spikes und einen Geländescanner, der dem Fahrer den sichersten Weg durch knifflige Offroad-Passagen vorschlägt. Laut Vorausentwickler Anthony Harper gibt es sogar ein Sonarsystem für Wasserdurchfahrten: «Wo andere Allradfahrer sonst die Hosenbeine hochkrempeln und durch Furten waten müssen, um die Wassertiefe zu messen, genügt hier ein Knopfdruck.» Ob so ein System kommt? «Nichts, was wir im DC 100 eingebaut haben, ist vollkommen unrealistisch.»

    Schon heute bestellbar sind eine ganze Reihe anderer Assistenzsysteme und Zusatzausstattungen. Das Angebot reicht von wasserdichten Schlüsseln, die selbst nach einem Bad in Bergbächen nicht den Dienst quittieren, bis hin zum sogenannten Unterfahrschutz. «Dabei schützen spezielle Bleche unter Motor, Getriebe und der Heckpartie empfindliche Bauteile am Wagenboden», erläutert BMW-Sprecher Andreas Lampka. «Selbst wenn man einmal aufsetzen oder einen etwas höheren Stein zwischen die Räder nehmen sollte, ist man damit vor Schäden gefeit.» In diesem Fall sogar ohne elektronische Hilfe.

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