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    Der überraschende Boom der Lastenfahrräder – Familienkutsche mit Pedalen

    Alle Welt redet von neuen Mobilitätskonzepten für die verstopfte Großstadt, von modernen Car-Sharing-Varianten oder Elektrofahrzeugen. Doch die Bewohner der Metropol-Regionen entdecken gerade eine ganz andere Idee wieder: Das längst vergessene Lastenfahrrad.

    Der überraschende Boom der Lastenfahrräder
    Der überraschende Boom der Lastenfahrräder

    Doch es sind nicht nur Privatleute, die auf das Lastenfahrrad setzen.
    Doch es sind nicht nur Privatleute, die auf das Lastenfahrrad setzen.

    Zum Beispiel der Gedanke, dass im ständig staugeplagten Großstadtdschungel ein Lastenfahrrad an Autos Stelle den Kurzstrecken-Transport von Kind und Kegel übernehmen könnte, während der Wagen in der nach langem Suchen ergatterten Parklücke auf den nächsten Langstreckeneinsatz wartet.

    Allerdings hat der Trend zur Familienkutsche mit Tretantrieb nichts mit einer grundsätzlichen Auto-Verweigerung zu tun.
    Allerdings hat der Trend zur Familienkutsche mit Tretantrieb nichts mit einer grundsätzlichen Auto-Verweigerung zu tun.

    Der Blick auf die Fahrradwege und Discounter-Parkplätze in Städten wie Hamburg, Berlin oder München zeigt jedoch, dass immer mehr Menschen die Idee gar nicht mehr absurd finden. Hier kurven Familienväter mit dem dreirädrigen Lastenstrampler zum Kindergarten, verstauen während der Fahrt den Nachwuchs in fest montierten voluminösen Kisten vor dem Lenker, oder bringen darin komplette Wocheneinkäufe unter.

    „Die Lastenfahrräder sind definitiv der Mega-Trend neben den E-Bikes“, bestätigt Bettina Cibulski vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Berlin. „Gerade in den Großstädten wollen Familien keinen Parkplatzstress haben. Lastenfahrräder ermöglichen es, dass man mit der ganzen Familie mobil ist, ohne das Auto nutzen zu müssen.“

    Allerdings hat der Trend zur Familienkutsche mit Tretantrieb nichts mit einer grundsätzlichen Auto-Verweigerung zu tun: „Ich bin die ganze Woche beruflich mit dem Wagen unterwegs. Nach Feierabend suche ich nicht selten eine halbe Stunde nach einem Parkplatz“, erzählt der 36-jährige Manfred K. aus Hamburg. „Wenn wir dann einkaufen wollen oder mit den Kindern etwas unternehmen, nutzen wir häufig das Lastenfahrrad – man hat Bewegung und vor allem keinen Stress.“ Denn während es auf den Straßen der Hansestadt häufig nur im Schritttempo vorangeht, ist K. mit den beiden Kindern vor sich in der Holzkiste häufig schneller unterwegs.

    Der 36-jährige gehört zu der typischen Käufergruppe von Lastenfahrrädern: „Es sind häufig junge Familien, die solche Räder kaufen“, sagt Boris Mesaric Fahrrad-Spezialgeschäft Two Wheels Good in Hamburg. Die Auswahl für diese Kunden ist mittlerweile umfangreich. Die meisten der gefragten Modelle kommen aus Dänemark oder den Niederlanden, wo sich diverse Hersteller auf Lastenfahrräder spezialisiert haben. So fertigen Christiana Bikes oder De Fietsfabriek dreirädrige Gefährte, die mit ihrer an der Front zwischen zwei Rädern montierten eckigen Holzkiste klassisch anmuten. Andere Anbieter wie Riese & Müller setzen auf modernes Design und nur zwei Räder – hier findet sich der „Laderaum“ in einem deutlich verlängerten und stabiler ausgelegten Rahmen.

    Doch es sind nicht nur Privatleute, die auf das Lastenfahrrad setzen. So berichtet Verkäufer Boris Mesaric auch von Handwerkern, die solche Gefährte nutzen. Gerade diese Klientel steht im Mittelpunkt einer neuen Aktion des ökologisch orientierten Verkehrsclubs Deutschland (VCD). Der hat das Projekt „Ich fahr’ Lastenrad“ ins Leben gerufen, will damit bis zum Jahr 2014 über den Einsatz der Räder im Wirtschafts- und Güterverkehr informieren. Mit ihren bis zu 300 Kilogramm Zuladung könnten Lastenräder viele innerstädtische Transporte übernehmen, heißt es. Vor allem, wenn sie zusätzlich mit einem unterstützenden Elektroantrieb ausgerüstet werden: Damit könnten sie demnach bis 85 Prozent der sonst von motorisierten Kurieren absolvierten Fahrten übernehmen.

    Allerdings erst nach etwas Übung, die sich auch der private Käufer gönnen sollte. „Man muss sich schon umstellen, wenn man ein herkömmliches Fahrrad gewohnt ist“, warnt Bettina Cibulski vom ADFC. So hat das deutlich höhere Gewicht auch längere Bremswege zur Folge. Das Lenken kann ebenfalls erschwert sein, weil vorne die Transportkiste und dazu noch zwei Laufräder zum Richtungswechsel bewegt werden müssen. Außerdem ist ein Lastenrad weniger wendig, benötigt größere Kurveradien beim Richtungswechsel.

    Cibulski rät Neueinsteigern daher, nicht gleich Kinder und Einkauf in den Transportkorb zu packen, und sich gedankenlos auf den Weg zu machen. Besser sei es, zunächst ohne zusätzlichen Ballast eine Probefahrt zu unternehmen, sich mit den Eigenheiten und dem Fahrhalten des Gefährts auseinanderzusetzen. Am besten auf einem Gelände, auf dem möglichst viel freier Raum zur Verfügung steht – etwa ein sonntäglich leerer Supermarkt-Parkplatz.

    Es wäre ja schade, wenn schon die erste Tour zu Beschädigungen führt. Denn ein Schnäppchen, das man mal eben so nebenbei erwirbt, das sind moderne Lastenfahrräder sicher nicht. Laut Boris Mesaric müssen für den Kauf eines stabilen Lastenrades 2.000 bis 3.000 Euro eingeplant werden. Schließlich kommen zum Basispreis nicht selten noch zusätzliche Ausstattungsoptionen – vom Sicherheitsgurt für die Kinder in der Kiste, über Einstiegshilfen und Antirutschmatten bis hin zum Sonnenschirm für sommerliche Touren.

    Wer jedoch nicht in ständig in zugeparkten Stadtteilen lebt, kann sich angesichts solcher Preise durchaus Alternativen zur Alternative Lastenrad überlegen: Für 3.000 Euro finden sich problemlos gebrauchte Limousinen und Kombis, die noch eine ganze Weile als Zweitwagen und Familientransporter herhalten können.

    Heiko Haupt/SP-X

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