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Das Geheimnis des viertürigen Coupés

Die Hersteller verstehen ihre neuen viertürigen Coupés im Stil von Audi A7 Sportback und Mercedes CLS als Ergänzung zur konservativen, klassischen Limousine. Doch wer kauft solche Varianten – und warum?

Fünftürige Fließhecklimousine
Deutungshoheit beansprucht VW beim neuen Arteon: Offiziell wird das neue viertürige Coupé als fünftürige Fließhecklimousine bezeichnet.
Foto: Volkswagen AG – dpa

Köln (dpa/tmn). Fließend die Dachform und groß die Heckklappe: Viertürige Coupés quetschen sich optisch als Karosserievariante zwischen Limousine und Kombi. Mit dem Audi A7 Sportback und dem Mercedes CLS kommen jetzt gleich zwei neue Modelle dieser Zwitterwesen auf den Markt.

Audi A7 Sportback
Sportlicher abgestimmt und schnittiger im Design: Audi positioniert den A7 Sportback als individuelle Alternative zur A6-Limousine.
Foto: Audi AG – dpa

Die Idee dahinter hat Geschichte: Rover verkaufte ab 1958 das viertürige Coupé P5 mit nach hinten abfallendem Dach und einer kleinen Kofferraumklappe. Und Pininfarinas Studie BMC Aerodynamica von 1967 gilt nicht nur als Blaupause für den Rover 3500 oder den Audi 100 Avant, sondern auch für den neuen A7 Sportback.

BMW 6er Gran Coupé
BMW schickt den 6er Gran Coupé gegen die Konkurrenz ins Rennen.
Foto: BMW – dpa

„Streng genommen sind diese Fahrzeuge keine Coupés, sondern genetisch manipulierte Limousinen“, sagt Paolo Tumminelli, Design-Professor an der Technischen Hochschule Köln. Dafür sähen sie für viele Betrachter cooler aus als konservativ gezeichnete Limousinen. Aktuelle Viertürer-Coupés seien eher Marketing-Konstruktionen, die von Limousinen mit wenig Aufwand abgeleitet werden.

Mercedes CLS
E-Klasse-Abkömmling: Der Mercedes CLS als Sondermodell Edition 1.
Foto: Daimler AG – dpa

„Die klassische Limousine verliert an Bedeutung, sie wirkt heute langweilig“, sagt Prof. Tumminelli. „Mit viertürigen Coupés oder Fließhecklimousinen erhalten die Autos ein neues Image.“ Es seien Formen, die Autofahrer ansprechen sollen, die kein SUV oder keinen Kombi fahren und sich von der Masse abheben wollen. Auch für Fahrer von Firmenfahrzeugen sind solche Modelle interessant, weil sie eine willkommene Abwechslung zum Limousinen- und Kombi-Einheitsbrei darstellen, sagt Tumminelli. „Fahrer empfinden das oft als Aufwertung, weil diese Autos als Besonderheit präsentiert werden.“

Paolo Tumminelli
Paolo Tumminelli ist Design-Professor an der Technischen Hochschule Köln.
Foto: M. Müller/KISD – dpa

Doch im Vergleich zu Limousinen und Kombis bieten die flacheren, eleganteren Viertürer in der Praxis eher Nachteile. „Durch die schnittige Karosserie mit dem niedrigeren Dach verschlechtert sich das Raumgefühl, wegen der kleineren Fenster sieht man weniger“, sagt Prof. Tumminelli. Ein Mehrwert ist dagegen die große Heckklappe: Der Laderaum dahinter ist flexibel nutzbar, und es lassen sich auch sperrige Gegenstände verstauen.

2003 stellte Mercedes erstmals eine Coupé-Limousine vor und nannte die Kreation CLS – auch wenn es technisch gesehen nur eine „plattgedrückte“ E-Klasse war. Bisher verkaufte Mercedes über 350 000 Fahrzeuge davon, im Vergleich zu den anderen E-Klasse-Modellen liegt der Anteil aber nur im einstelligen Prozentbereich. Das Modell fand Nachahmer wie Audi A7 Sportback, BMW 6er Gran Coupé oder VW Arteon.

Die Entwicklungskosten halten sich für die Hersteller in Grenzen, denn die Varianten bauen auf der jeweiligen Limousinen-Plattform auf. So setzt der CLS mit gewölbten Dach und Coupéform auf den gleichen Radstand wie die E-Klasse Limousine, fährt sich aber sportlicher, und die Passagiere sitzen tiefer. Dazu kommen rahmenlose Seitenscheiben, an denen sich der Wind nicht verfangen kann und eine bessere Schalldämmung. „Viele Kunden in Großbritannien, den USA und China wählen den CLS, aber auch Dienstwagenfahrer, die sich etwas abheben und mal etwas anderes als Limousine, Kombi oder SUV haben wollen“, sagt Michael Kelz, CLS-Entwicklungsleiter bei Mercedes.

Der Dachlinie und den rahmenlosen Scheiben zum Trotz: Volkswagen bezeichnet sein neues Modell Arteon nicht als viertüriges Coupé, sondern als fünftürige Fließhecklimousine. „Durch eine neue Raumeffizienz ergeben sich im Arteon Vorteile wie ein großzügiges Kofferraumvolumen und großzügige Platzverhältnisse für Fondpassagiere“, sagt Stefan Gies, Baureihenleiter Mittel- und Oberklassefahrzeuge bei Volkswagen. „Das entsteht durch den langen Radstand und das weit nach hinten gezogene Dach.“

Design scheint den Nutzen als Kaufkriterium für ein Viertürer-Coupé zu überwiegen. „Letzten Endes ist es eine Geschmacksfrage, für welche Karosserievarianten sich Kunden entscheiden“, meint Renald Lassowski, Projektleiter A6 und A7 bei Audi. „Der A7 Sportback bietet im Vergleich zur A6-Limousine eine sportlichere Abstimmung und mit der niedrigen Silhouette, den rahmenlosen Seitenscheiben und der Abrisskante am Heck ein schnittigeres Design.“

Der A7 Sportback ist zwar teurer als der A6, biete aber mehr Komfort, Ausstattung, höherwertige Materialien und eine bessere Dämmung. Vom Vorgänger wurden bisher über 200 000 Fahrzeuge verkauft, was einen Anteil von unter zehn Prozent an den gesamten A6-Verkäufen ausmacht. Audi-Manager Lassowski bringt es auf den Punkt: „Viertürige Sportcoupés sind individueller als Limousinen und vor allem für Individualisten interessant.“

Was ist was?

Limousinen bieten vier Türen und einen normalen Kofferraumdeckel, während Fließhecklimousinen mit einer großen, weit öffnenden Kofferraumklappe mit integrierter Heckscheibe daherkommen. Coupés sind traditionell eher flach aufbauende, sportlich-elegante Zweitürer mit prägnant verkürzter oder stark abfallender Dachlinie und rahmenlosen Seitenscheiben. Kombis bieten vor allem einen großen, variablen Kofferraum. Und bei aktuellen Coupé-Limousinen werden vier Türen mit Coupé-Merkmalen, einer großen Heckscheiben-Kofferraumklappe und einem noch relativ gut nutzbaren Laderaum kombiniert.

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