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Hamburg

Benzin teuer wie 2008 – Funktioniert der Wettbewerb?

dpa

Die Autofahrer in Deutschland müssen für den Liter Benzin mehr als 1,40 Euro bezahlen, so viel wie im Herbst 2008. Schon flammt wieder die Diskussion auf, ob der Wettbewerb auf dem Mineralölmarkt funktioniert oder die Konzerne überhöhte Preise verlangen.

Benzinpreise
Der Preis für einen Liter Benzin hat die 1,40-Euro-Marke längst überstiegen – überhöht oder berechtigt? (Bild: dpa)

Am weitesten aus dem Fenster lehnte sich am Donnerstag (11. März) der Präsident des Automobilclubs ACE. Er forderte von Bundeskanzlerin Angela Merkel eine europaweite Aktion der EU, um einen tatsächlichen Wettbewerb zwischen den großen Kraftstoffanbietern herzustellen. «Es müssen durchgreifende Konsequenzen durchgesetzt werden, die bis hin zu einer Aufhebung des mächtigen Oligopols der Ölmultis gehen können», sagte ACE-Chef Wolfgang Rose. Er begründete seine Forderung mit dem Hinweis, dass Benzin im Rekordsommer 2008 bei einem Rohölpreis von knapp 150 Dollar je Barrel nur 1,30 Euro je Liter gekostet habe, heute dagegen bei einem Ölpreis von 80 Dollar teurer sei.

Als Gewinn bleibt ein Cent

Diese Behauptung ist allerdings falsch. «Das ist Unsinn», sagte Rainer Wiek vom Hamburger Energie-Informationsdienst EID. Im Sommer 2008 kostete Superbenzin in Deutschland bis zu 1,59 Euro je Liter, also rund 18 Cent mehr als heute. Beim Mineralölwirtschaftsverband (MWV) ist man entsprechend empört über den ACE. «Der Deckungsbeitrag lag im Juli 2008 bei 10,4 Cent je Liter und liegt heute bei 10,6 Cent», sagte Sprecherin Karin Retzlaff in Berlin. Das ist der Betrag, der übrig bleibt, wenn Mehrwert- und Mineralölsteuern und die Kosten für den Einkauf des Kraftstoffs bezahlt sind. Davon müssen die Unternehmen die Kosten für Transport, Logistik, Energie, Personal und anderes abdecken. Als Gewinn bleibt am Ende ungefähr ein Cent je Liter nach Steuern.

Für die Ölfirmen liegen die Ursachen für die hohen Preise an den Tankstellen vor allem bei den Preissteigerungen auf dem Ölmarkt in Rotterdam. Der Euro ist nicht mehr so stark wie im vergangenen Jahr und die Preisbewegungen des europäischen Ölmarktes schlagen ungedämpft bis auf die Zapfsäulen durch. «Der Preis für eine Tonne Superbenzin hat sich in Rotterdam im Laufe eines Monats von 480 auf 580 Euro erhöht», sagte Aral-Sprecher Detlef Brandenburg. «Entsprechend gestiegen sind auch die Preise an der Tankstelle.» Die Märkte erwarten, dass die Nachfrage nach Benzin weiter steigt, wenn in den USA im Frühjahr die Fahrsaison einsetzt.

Kartellamt untersucht Tankstellenmarkt

Das Bundeskartellamt in Bonn beobachtet die Branche besonders genau, weil sich dort täglich Verbraucher über den vermeintlichen Missbrauch der Marktmacht durch die Ölkonzerne beschweren. Doch eine Handhabe hat die Behörde nicht, weil die Ölfirmen nicht gegen das Kartellrecht verstoßen. «Die Preisgestaltung an den Tankstellen ist sehr transparent», stellte das Amt fest. Durch die großen Preistafeln könnten sich die Tankstellen jeweils an das Preisniveau ihrer Wettbewerber anpassen. «Abgucken ist erlaubt, absprechen nicht.» Es läuft allerdings seit Mai 2008 eine sehr gründliche und tiefgehende Sektoruntersuchung, bei der die Wettbewerbsverhältnisse in der Branche bis ins kleinste Detail ausgeleuchtet werden. Die Ergebnisse sollen im Sommer vorliegen.

Für die Firmen sind gerade die täglichen Preisänderungen ein Zeichen intensiven Wettbewerbs. Auf regionalen Märkten könne es passieren, dass der Benzinpreis an einem Tag um bis zu fünf Cent je Liter falle – und entsprechend wieder heraufgesetzt werde. «Die Schwankungen sind häufiger und stärker geworden, der Wettbewerb ist extrem hart», sagte der Aral-Sprecher.

Europaweit am Ende der Skala

Im europäischen Vergleich gibt es für die deutschen Autofahrer jedenfalls keinen Grund zur Klage. Ohne Steuern liegen nach einer Tabelle des EID die deutschen Preise unter 27 europäischen Staaten auf Platz 25. Da verdienen die Ölkonzerne in Dänemark, Malta oder Italien deutlich mehr. Mit Steuern sieht das anders aus; dann sind die deutschen Preise die sechshöchsten in Europa. Rund zwei Drittel des Benzinpreises sind Mineralöl- und Mehrwertsteuern.

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