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    Auf der Automesse in Shanghai wirft China den E-Motor an

    Bei Abermillionen Rollern haben sie den Verbrenner schon ausgemustert. Jetzt geht es ihm auch im Auto an den Kragen: China will zum Leitmarkt für Elektrofahrzeuge werden. Auf der Motorshow in Shanghai stehen deshalb vor allem Akku-Autos im Rampenlicht.

    Audi e-tron
    Audis Studie e-tron zeigt, was künftig elektrisch aus den Ingolstädter Werkstoren rollen könnte. Ein Serienableger ist für 2019 geplant.
    Foto: Thomas Geiger/dpa-tmn

    Shanghai (dpa/tmn) – Es ist halb zehn, auf der Straße geht es zu wie in einem Ameisenhaufen. Aus allen Ecken schießen Roller heran. Sie sind leise – schließlich fahren sie elektrisch. Innerhalb von wenigen Jahren hat es China geschafft, das Heer der Zweiräder von Benzin- auf Batteriebetrieb umzustellen. Jetzt sollen die Autos folgen.

    Audi e-tron
    Die drei Antriebsmotoren des Audi e-tron lassen sich bei Bedarf zum Quattro zusammenschalten. Sie stellen gemeinsam eine Dauerleistung von 320 kW/435 PS und kurzfristig bis zu 370 kW/503 PS bereit. Fo
    Foto: dpa

    Das Riesenreich will sich zum Leitmarkt für Elektromobilität aufschwingen. Wie ernst es Maos Erben damit ist, kann man auf der Motorshow in Shanghai(Publikumstage: 20. bis 27. April) sehen.

    Nio ES8
    Nio hat in Shanghai sein Elektroauto ES8 vorgestellt. Es soll ab 2020 auch in die USA und nach Europa kommen.
    Foto: Thomas Geiger/dpa-tmn

    Eine ganze Reihe ebenso finanzkräftiger wie aussichtsreicher Start-Ups stellen auf der Messe aus. Sie denken bereits laut über den Export nach. So hat zum Beispiel die Neugründung Nio nicht nur das ES8 als ihr erstes Serienfahrzeug in München gezeichnet, sondern bei der Premiere dieses siebensitzigen SUV auf der Messe noch einmal bekräftigt, dass die Marke mit ihren Elektroautos 2020 in die USA und danach auch nach Europa kommen will.

    Skoda Vision E
    Gleich mit drei elektrischen Studien ist VW in Shanghai vertreten. Eine davon ist der Skoda Vision E.
    Foto: Thomas Geiger/dpa-tmn

    Und wenn die in den vergangenen zwei Jahren mit großem Tamtam etablierten Marken Borgward oder Lynk&Co den Schritt in den Westen wagen, dann wollen sie ihre Verbrenner ebenfalls zu Hause lassen, kündigen die Manager an.

    VW-Studie I.D. Crozz
    Bis zu 500 Kilometer mit einer Akku-Ladung: VW zeigt in Shanghai die Studie I.D. Crozz.
    Foto: Thomas Geiger/dpa-tmn

    Weil es für Elektrofahrzeuge nirgendwo auf der Welt so viel Förderung gibt und die Regierung im Gegenzug nirgendwo höhere Forderungen stellt, spielen die Importeure dieses Spiel tapfer mit und stehen deshalb auch bei ihrem Auftritt in Shanghai unter Strom – allen voran der VW-Konzern. Der ist mit gleich drei elektrischen Studien nach China geflogen und hat dort bei Audi den e-tron Sportback, bei VW den I.D. Crozz und bei Skoda den Vision E enthüllt.

    BMW  M4 CS
    Mehr Power: BMW lockt chinesische Käufer mit einem erstarkten M4 CS.
    Foto: Thomas Geiger/dpa-tmn

    Alle drei Autos sind SUV-Coupés, alle kommen mit einer Akku-Ladung bis zu 500 Kilometer weit und alle sind für die Serie vorgesehen, sagen die Hersteller. Allerdings wird das bei Audi bis 2019 dauern, bei den Schwestern sogar noch länger. Zeit genug also für die Chinesen, kräftig am Regler zu drehen und die Spannung noch zu erhöhen.

    BMW 5er
    Eigens für den chinesischen Markt bietet BMW den 5er mit gestrecktem Radstand an.
    Foto: Thomas Geiger/dpa-tmn

    Dass die Chinesen so sehr auf den Elektro-Express setzen, hat nicht nur Umweltgründe. Sondern das ist auch knallhart kalkulierte Industriepolitik, sagt Andreas Radics von der Strategieberatung Berylls in München. „Denn ein Elektroauto ist weniger komplex und leichter zu entwickeln als ein konventionelles Fahrzeug. Deshalb rechnen sich die Chinesen bessere Chancen aus, wenn sie Marktanteile von den früher so dominanten Importeuren und Joint-Ventures zurückerobern wollen.“

    Mercedes S-Klasse
    In China verkauft Mercedes so viele S-Klasse-Autos wie nirgends sonst auf der Welt. Auf der Messe in Shanghai wurde das überarbeitete Flaggschiff vorgestellt.
    Foto: Thomas Geiger/dpa-tmn

    Dabei haben sie längst auch im klassischen Fahrzeugbau aufgeholt. Denn die vielen Dutzend neuen SUV, die neben den Stromern in Shanghai wie auf jeder Messe den größten Anteil ausmachen, sind mittlerweile richtig ansehnliche Autos geworden. Geländewagen wie der Haval H6, der Cherry Nummer 5 oder der Lynk&Co 01 jedenfalls haben ein durchaus stimmiges Design, günstige Proportionen und mittlerweile sogar einen halbwegs liebevoll gestalteten Innenraum, der erst verliert, wenn einem der Lösemittelgeruch in die Nase steigt und man die wackeligen Schalter anfasst.

    Mercedes A Sedan
    Mercedes zeigt in Shanghai die A-Klasse Sedan.
    Foto: Thomas Geiger/dpa-tmn

    Für die ausländischen Volumenhersteller könnten die goldenen Zeiten in China damit so langsam zu Ende gehen – selbst wenn Marken wie VW, Citroen oder Toyota dort viel mehr Autos verkaufen als in der Heimat und deshalb auf der Messe natürlich trotzdem groß auffahren. So haben die Niedersachsen den Teramont als chinesische Ausgabe ihres amerikanischen SUV-Riesen Atlas auf die Bühne gefahren, Toyota zeigt einen leicht gelifteten Lexus NX, und bei Citroen dreht sich mit dem C5 Aircross der erste selbst entwickelte Geländewagen, der in China noch diesen Sommer an den Start geht, zu uns aber erst Ende nächsten Jahres kommt.

    Haval H6
    Geländewagen aus China: Der Haval H6 punktet mit einem stimmigen Design.
    Foto: Thomas Geiger/dpa-tmn

    Keine Sorgen müssen sich dagegen die Luxushersteller machen. Denn so sehr die Lokalpatrioten von Honqui ihre „Rote Fahne“ schwingen und um Aufmerksamkeit buhlen, ist die Oberklasse fest in der Hand der Ausländer. Nicht umsonst verkauft zum Beispiel Mercedes in China mehr S-Klasse-Autos als im Rest der Welt.

    Motorshow in Shanghai

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