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Beliebt, aber nicht problemfrei – Gebrauchtwagen-Check: VW Polo

Ein überraschend durchwachsenes Bild, was sich bei gebrauchten Polos der vierten Generation zeigt: Zwar gibt es einige Exemplare, die richtig lange durchhalten. Aber bei einem großen Teil notieren die Sachverständigen bei der HU eine lange Mängelliste.

Denn wer im überarbeiteten Polo Platz nimmt, spürt den großen Bruder überall: Bei den feinen Kunststoffen, dem schönen M
Denn wer im überarbeiteten Polo Platz nimmt, spürt den großen Bruder überall: Bei den feinen Kunststoffen, dem schönen Multifunktionslenkrad (plus 160 Euro bei Highline) oder den Instrumenten im Golf-Look zum Beispiel

Der überarbeitete Polo ist in gewisser Weise zu einem kleinen Golf umoperiert
Der überarbeitete Polo ist in gewisser Weise zu einem kleinen Golf umoperiert

Der treue Blick aus den Doppelaugen täuscht: Den Dauerläufer-Anspruch, den die meisten Autokäufer an VW-Modelle haben, kann der Polo IV (Typ 9N) nicht immer erfüllen. Dafür zieht der TÜV zu viele Exemplare des von 2001 bis 2009 gebauten Kleinwagens (zumindest vorübergehend) aus dem Verkehr. Gut gepflegte Exemplare halten aber lange durch. Und in Sachen Nützlichkeit muss sich der Wolfsburger kaum jemandem geschlagen geben.

Jeder siebte Kleinwagenkäufer hat sich in den ersten sechs Monaten dieses Jahres entschieden, einen VW Polo zu kaufen
Jeder siebte Kleinwagenkäufer hat sich in den ersten sechs Monaten dieses Jahres entschieden, einen VW Polo zu kaufen

Karosserie: Schlicht und gefällig – dieses Design-Merkmal zieht sich beim Polo durch alle Baureihen. Allein die runden Scheinwerfer – angelehnt an den VW Lupo – geben der vierten Generation ein Gesicht. Sie wurden allerdings mit dem Facelift 2005 abgeschafft, die Front deutlicher an den größeren Golf angelehnt. Nur 3,89 Meter misst Polo IV, zehn Zentimeter weniger als das heutige Modell. Trotzdem bietet der Kleinwagen für seine Klasse viel Platz. Der Kofferraum fasst mindestens 270 Liter und vier erwachsene Insassen müssen sich nicht allzu stark beschränken. Soll die Rückbank regelmäßig besetzt werden, ist von den beiden Varianten Drei- und Fünftürer letzterer die bessere Wahl, das Hineinklettern entlang des umgeklappten Vordersitzes ist etwas mühselig. Weiterer Vorteil: Die kürzeren Türen sind in engen Parklücken praktischer als die großen des Dreitürers. Die ebenfalls erhältliche viertürige Polo-Limousine war schon zu Produktionszeiten kaum nachgefragt, dementsprechend wenige Exemplare gibt es heute noch.

Wem der Platz im Polo ausreicht für den ist der überarbeitete Polo mehr denn je zur Golf-Alternative geworden
Wem der Platz im Polo ausreicht für den ist der überarbeitete Polo mehr denn je zur Golf-Alternative geworden

Antrieb und Fahrwerk: Die Motorenpalette reicht leistungstechnisch vom zähen 1,2-Liter-Basisbenziner mit 40 kW/55 PS bis zum GTI (ab 2006) mit 132 kW/180 PS. Eine gute Wahl sind die 1,4-Liter-Benziner mit 55 kW/75 PS oder als Direkteinspritzer mit 63 kW/86 PS. Bei den Dieselmotoren sollte man darauf achten, dass ein Partikelfilter an Bord (ab 2006 auf Wunsch) oder zumindest nachgerüstet ist. Grundsätzlich gelten die Triebwerke als robust, allerdings hatte der Polo Probleme mit eingefrorenen Alu-Motoren. Der Mangel sollte mit der kostenlosen Nachrüstung einer Heizung behoben sein, Interessenten sollten bei Benzinern mit 1,0 und 1,4 Liter Hubraum nach dieser Zusatzheizung fragen. Der komfortabel bis leicht straff gefederte Kleinwagen hat eine einwandfreie Straßenlage.

Der 1,2-Liter-Turbobenziner mit 66 kW/90 PS im getesteten Exemplar ist für fast alle Lebenslagen absolut ausreichend
Der 1,2-Liter-Turbobenziner mit 66 kW/90 PS im getesteten Exemplar ist für fast alle Lebenslagen absolut ausreichend

Ausstattung und Sicherheit: Die wenigsten Polos sind umfassend ausgestattet, ein gewisser Grund-Komfort mit Klimaanlage, Radio und elektrischen Fensterhebern ist aber durchaus zu finden. Ganz wichtig: Unbedingt darauf achten, dass ESP an Bord ist, den Schleuderschutz gab es erst mit den größeren Motoren serienmäßig. Kopfairbags waren ab 2002 optional erhältlich. Beim EuroNCAP-Crashtest 2002 schnitt der Polo mit vier von fünf möglichen Sternen trotzdem gut ab. Nach dem Facelift 2005 zählen elektrische Fensterheber und Zentralverriegelung zum Serienumfang.

Qualität: Die Liste der TÜV-Prüfer ist lang. Mängel an den Achsen, Beanstandungen der Fußbremse, ungenügendes Wirken der Handbremse, Probleme mit den Bremsschläuchen, und fehlerhafte Auspuffanlagen gehören zu den typischen Gebrechen. Gerade bei den jüngeren Jahrgängen liegt die Anzahl der mängelfreien Exemplare unter dem Durchschnitt. Regelmäßig treten beim Polo über den TÜV hinaus Fehlfunktionen an der Elektrik, Fensterhebern und Zentralverriegelung auf. Die Diesel haben häufig verschlissene Zahnriemen, bei Benzinern kann die Steuerkette reißen. Interessenten sollten das Objekt ihrer Begierde deshalb genau unter die Lupe nehmen, am besten mit einem Fachmann an ihrer Seite. Allerdings: Bei den gängigen Gebrauchtwagenbörsen sind Polos mit mehr als 200.000 Kilometern Laufleistung keine Seltenheit – beachtlich für einen Kleinwagen. Bei guter Pflege hält er durch; in der TÜV-Statistik kommen die über Zehnjährigen eher mangelfrei durch die HU als der Durchschnitt. Aber: Auch die Zahl der Polos, die die Sachverständigen mit erheblichen Mängeln aus dem Verkehr ziehen liegt deutlich höher als beim Durchschnitt.

Fazit: Belegbare Historie, durchgestempeltes Service-Heft, gepflegter Zustand – so kann man den Polo IV kaufen. Trotzdem sollte man das Exemplar der Wahl richtig prüfen. Und ein Schnäppchen sind die gebrauchten Wolfsburger längst nicht: Für ein zehn Jahre altes Exemplar mit unter 100.000 Kilometern auf dem Tacho muss man mindestens um die 3.000 Euro ausgeben.

Hanne Lübbehüsen/SP-X
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