Archivierter Artikel vom 23.12.2019, 04:35 Uhr

Neuer alter Modetrend

Cord ist wieder mal Kult

Cord war in der Mode lange nicht sonderlich beliebt. Doch jetzt kommt das Material zurück – über die Second-Hand-Läden auch in die großen Modehäuser und als Statement für Nachhaltigkeit.

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Outfit von ba&sh
Enge Cordhose, dazu ein weiter Pulli: Das Trendmaterial Cord bietet sich für den angesagte Oversized-Kontrast an. Hier ein Beispiel von ba&sh (Cardigan ca. 215 Euro, Hose ca.200 Euro).
Foto: ba&sh/dpa

Köln (dpa/tmn). Altmodisch und wenig sexy: Das wird dem Cord-Stoff nachgesagt. Wobei: Nein, wird es nicht mehr. Denn das lange Zeit in Verruf geratene, oft auch etwas schäbig wirkende Baumwollgewebe ist schließlich wieder in Mode.

Cordhose von Levi's
Entscheidend ist, wie man Cord kombiniert: Modern wirkt er etwa, wenn man Kontraste in einem Outfit setzt – zum Beispiel eine Bluse zur rustikalen Cordhose, wie etwa bei Levi's (Bluse ca. 70 Euro, Hos
Foto: dpa

Neben Blazern gibt es im Handel auch lange Mäntel, Overalls, Kurzjacken und sogar Mützen aus Cord. Am wichtigsten für Gerd Müller-Thomkins vom Deutschen Mode-Institut ist aber, dass Cord wieder für Hosen verwendet wird.

Cordmütze von Mademoiselle YéYé
Sogar Cordmützen sind zurück in Mode. Hier ein Beispiel von Mademoiselle YéYé (Jacke ca. 160 Euro, Mütze ca. 40 Euro).
Foto: Mademoiselle YéYé/
www.yeyeye.de/dpa-tmn

Die Rückkehr des Cords sei dem Zeitgeist und der Beschäftigung mit Nachhaltigkeit geschuldet, erklärt der Experte: Baumwolle war einst der Stoff der Arbeiterklasse und Cord lange die Uniform der tendenziell finanziell schwächeren Studenten. Mit dem Tragen von Cord signalisierten Jüngere heute ein Desinteresse an elitären Normen und Dresscodes. Und der Stoff ist nachhaltig – zumindest dann, wenn man ihn im Second-Hand-Laden gebraucht kauft.

Kombination von Vila
Seide zum Cord – auf diese gegensätzliche Kombination stehen die Designer. Auch bei Vila findet sich der Look (Bluse ca. 40 Euro, Rock ca. 25 Euro).
Foto: Vila/dpa-tmn

Ein Statement gegen die schnelllebige Modewelt

Mäntel, Overalls und Kurzjacken
Neben Blazer finden sich im Handel auch lange Mäntel, Overalls und Kurzjacken in Cord – wie das Modell von United Colors of Benetton (ca. 100 Euro).
Foto: United Colors of Benetton/dpa-tmn

Der Stoff ist für Modefans also interessant, da er unaufgeregt-lässig wirkt und auch ein Statement gegen die schnelllebige Modewelt ist.

Palazzo- oder Marlene-Hosen
Für die angesagten Oversized-Silhouetten bietet sich Cord vor allem für weite Palazzo- oder Marlene-Hosen an. Hier ein Beispiel von Odd Molly in ebenfalls trendigen Pastell-Tönen (ca. 200 Euro).
Foto: – dpa

Cord als dickes, steifes Material passt dabei auch sehr gut zu den gerade angesagten Oversized-Silhouetten, was sich vor allem in den weiten Palazzo- oder Marlene-Hosen zeigt. Für die Stilberaterin Silke Gerloff aus Offenbach ist das eine zweite optische Grenzziehung der heutigen Träger zu den Modestilen der jüngeren Vergangenheit: Der Oversized-Trend sei eine Antwort auf die zuletzt sehr engen Schnitte.

Cord-Look bei Blanche
Ein weiterer Tipp: Angesagt ist derzeit auch den Cord-Look Ton-in-Ton zu tragen, wie beim Label Blanche zu sehen (Blazer ca. 200 Euro, Hose ca. 160 Euro).
Foto: Blanche/dpa-tmn

Cord ist haptisch ein sehr weiches Material, und auch das ist ein Modetrend. Denn Muster verlieren an Bedeutung, „dafür sind die Materialien im Kommen“, so Gerloff.

Warm im Winter und vielseitiger als gedacht

Aber Cord ist auch ganz praktisch: Schließlich ist der Stoff gerade im Winter sehr angenehm zu tragen. Er ist gemütlich, spendet Wärme und zeigt sich sehr vielseitig. „Je nach Rippenbreite tritt der Cord ganz unterschiedlich in Erscheinung“, erklärt Gerd Müller-Thomkins.

Unterschieden wird nach der Anzahl der Rippen auf zehn Zentimeter Stoff – vom feinen Babycord bis zum groben Kabelcord.

Entscheidend ist dabei aber, wie man den Stoff heute kombiniert. Modern wirkt es zum Beispiel, wenn man Kontraste in einem Outfit setzt, zum Beispiel eine Seidenbluse zur rustikalen Cordhose.

Solche Kontraste sorgen nicht nur beim Material, sondern auch beim Schnitt für Spannung. Hat man sich für eine weite Hose entschieden, sollte das Oberteil entsprechend enger geschnitten sein. „Sonst wirkt man aufgeblasen und doppelt so breit“, erklärt Gerloff.

Da Cord sehr weich ist und rasch weiter wird, sollte man beim Kauf darauf achten, die richtige Konfektionsgröße zu wählen.

Abgewetzter Cord hat Charakter

Der Stoff ist zwar sehr robust und wird daher auch gerne für Arbeitskleidung verwendet. Er braucht aber Pflege, damit er lange schön bleibt. Zum Beispiel ist ratsam, Kleidungsstücke aus diesem Material auf links zu waschen und zu bügeln.

Trotzdem wird es passieren: Cord sieht nach kürzester Zeit getragen aus. Das muss aber gar nicht negativ sein. „Der Used-Charakter wohnt dem Cord inne“, sagt Müller-Thomkins. Dass das Material bald etwas abgewetzt wirkt, verleihe dem Outfit eine gewisse Lässigkeit. Cord sei eben uneitel, unkonventionell und intellektuell, urteilt der Modeexperte.

Wem das nicht taugt, der könne dem dann manchmal schon fast derben Look mit Farbe gegensteuern, rät Gerloff. Die sowieso in der Mode angesagten Pastelltöne machten den Cord-Look femininer. Elegant wirke zum Beispiel ein Cordblazer in Edelsteinfarben wie Rubinrot oder Smaragdgrün. Kombiniert mit einem Kleid und hohen Schuhen sei der Look so zum Beispiel auch für das Büro geeignet. Ein weiterer Tipp: den Cord Ton-in-Ton tragen, zum Beispiel Cordhose und Seidenbluse.