«Silbernetz»

Senioren können sich mit Ängsten an diese Hotline wenden

Einsamkeit und ein höheres Sterberiskio: Bei vielen älteren Menschen löst Corona große Ängste aus – gerade vor Weihnachten. Anlaufstelle für sie ist die Hotline „Silbernetz“.

KongressprogrammLesezeit: 2 Minuten
Hotline für Senioren
Die Sorgen von Senioren nehmen mit Corona zu. Die Hotline «Silbernetz» verzeichnet im Schnitt etwa 250 Anrufe am Tag.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Berlin (dpa). Im Teil-Lockdown melden sich vermehrt Senioren beim bundesweiten Einsamkeitstelefon „Silbernetz“. Nach einer leichten Entspannung über den Sommer verzeichne die Hotline jetzt wieder mehr Anrufer, sagte Initiatorin Elke Schilling.

Das Thema Weihnachten und die Angst, das Fest allein zu verbringen, seien in der dunklen Jahreszeit schon sehr präsent. CSU-Chef Markus Söder hatte bereits im Oktober vor einsamen Weihnachten gewarnt. Solche Aussagen schlügen bei alten Menschen ein, sagte Schilling. Sie kündigte an, dass die Hotline über die Feiertage wieder rund um die Uhr erreichbar sei. „Es wird vermutlich brummen.“

Die Anrufer beschäftigten in der Pandemie gesellschaftliche Fragen: Bilder wie am vergangenen Wochenende von der „Querdenken“-Demo in Leipzig mit laut Polizei mindestens 20.000 Teilnehmern machten vielen Senioren „richtig Angst“, betonte Schilling. Die Missachtung von Corona-Regeln, auch im Alltag durch jüngere Menschen, vermittle ihnen das Gefühl, dass ihre Bedürfnisse nichts wert seien. „Es ist eine absolute Rücksichtslosigkeit.“

„Silbernetz“ ist als Angebot für Menschen ab 60 mit Gesprächsbedarf seit März bundesweit erreichbar. Corona habe es groß gemacht, so Schilling. Pro Tag gebe es im Schnitt 250 Anrufe, manche Menschen meldeten sich mehrfach täglich. Für die Hotline seien inzwischen 24 Mitarbeiter und 180 Freiwillige tätig.

Mittlerweile habe sich die Hotline auch dank eines Artikels in einer Apothekenzeitschrift bei Menschen über 80 herumgesprochen, sagte Schilling. „Kürzlich rief eine 101-Jährige an.“ Für sie werde zunehmend deutlich, wie abgeschnitten viele ältere Menschen von Informationsquellen sind: Meist fehle der Internetzugang und inzwischen auch das Telefonbuch. Je nach Anliegen vermittelt die Hotline Anrufer an andere Stellen in Wohnortnähe.

Am Donnerstag und Freitag (13. und 14. November) veranstaltet der Verein den Online-Kongress „Netzwerk gegen Einsamkeit im Alter“ – weil aus Sicht Schillings ein solches Netzwerk in Deutschland dringend gebraucht wird. „Einsamkeitsprävention ist auch Gesundheitsprävention“, betont sie. Geplant sind etwa Podiumsgespräche mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und der Gründerin des britischen „Silbernetz“-Vorbildes.

© dpa-infocom, dpa:201111-99-294388/4

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