Hattie-Studie

Handynutzung kann bei Schülern zu Lernrückständen führen

Viele Kinder besitzen schon im Grundschulalter ein eigenes Smartphone. Und für den Schulunterricht sind die Geräte in der Pandemie manchmal auch unverzichtbar. Doch eine Studie zeigt nun: Digitale Medien sind nicht nur ein Chance, sondern auch ein Risiko.

Handynutzung bei Kindern
Eine Studie zeigt: Die Handynutzung bei Schülern ist in der Pandemie nicht immer ein Gewinn. Denn sie kann auch zu Lernrückständen führen.
Foto: Sven Hoppe/dpa

Augsburg (dpa). Schulen müssen sich nach Ansicht des Ordinarius für Schulpädagogik der Augsburger Universität besonders um die Handynutzung der Kinder kümmern. Eine starke Smartphone-Nutzung durch Schüler könne zu massiven Bildungsrückständen führen, berichtete Professor Klaus Zierer.

Die neuesten Ergebnisse der renommierten Hattie-Studie zeigten, dass eine intensive Smartphone-Nutzung einen Lernrückstand von bis zu einem Jahr zur Folge haben könne. Zudem stehe Handynutzung in Verbindung mit Schlafstörungen und Cyber-Mobbing, zwei weiteren Faktoren, die den Lernerfolg hemmten, erläuterte Zierer.

Unreflektierter Medienkonsum führt zu Lernrückgängen

Im Bildungsbereich werde die Digitalisierung unermüdlich erforscht, erklärte Zierer. Es gebe eine große Anzahl an Studien, die darauf hinwiesen, dass ein unreflektierter Medienkonsum im außerschulischen Bereich massiv zu Lernrückgängen bei den Kindern führe. „Medienerziehung ist eine der zentralen Erziehungsaufgaben unserer Zeit, zu der gerade in der Schule ein umfassender Beitrag zu leisten ist“, sagte Zierer.

Wichtige D aten der Hattie-Studie

Der Lehrstuhlinhaber arbeitet seit Jahren mir dem neuseeländischen Bildungsforscher John Hattie zusammen. Hattie hatte vor mehr als einem Jahrzehnt mit seiner Studie „Visible Learning“ für weltweite Aufmerksamkeit gesorgt. Diese Untersuchung wird seitdem oftmals für neue pädagogische Ansätze herangezogen und von Hattie und Zierer durch Auswertung weiterer Untersuchungen fortgeschrieben.

Für die jüngste Hattie-Studie seien nun mehr als 1800 Meta-Analysen – also Studien, die andere Studien zusammenfassen – ausgewertet worden, erläuterte Zierer. Damit gingen mittlerweile rund 100.000 Einzelstudien, die auf die Lernleistungen von 300 Millionen Schülerinnen und Schüler zurückgreifen, in die aktuelle Studie ein.

Coronabedingte Folgen im Blick

Derzeit werden laut Zierer insbesondere auch die coronabedingten Folgen im Bildungssystem stark erforscht. Dass diese im Hinblick auf die Lernleistungen zu Rückständen geführt haben, sei angesichts der empirischen Untersuchungen eindeutig. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie hätten zwar alle Lernenden getroffen, aber „leider besonders stark Kinder aus benachteiligten Elternhäusern, die bis zu einem Schuljahr verloren haben“, betonte er.

Zwar seien durch den Digitalisierungsschub bei der Ausstattung der Schulen Lücken geschlossen worden. „Aber ein digitaler Fernunterricht vermag es nicht, Präsenz zu ersetzen“, betonte er. Was seit mehr als 30 Jahren bekannt sei, sei bestätigt worden: „Digitale Medien revolutionieren einen Unterricht nicht per se: Ein schlechter Unterricht wird durch digitale Medien nicht besser. Nur ein guter Unterricht kann davon profitieren.“

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