Archivierter Artikel vom 06.04.2020, 05:00 Uhr

Kommunion und Konfirmation

Fallen bei Familienfesten umgehen

Falsche Gäste, Gehässigkeit unter den Tanten, alberne Erwartungen der anderen: Wie sich durch kluge Planung und klare Ansagen Stress bei Familienfeiern minimieren lässt, erklärt ein Familientherapeut.

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Konfirmationsfeier
Opa ist der Beste! Die jugendliche Hauptperson sollte bei der Auswahl der Gäste für das Familienfest mit entscheiden dürfen.
Foto: zerocreatives/Westend61/dpa-tmn

Essen (dpa/tmn). Eine Familienfeier steht ins Haus – und anders als bei einem Geburtstag findet sie nur einmal im Leben eines Kindes oder des Heranwachsenden statt. Geht es um die Kommunion, Konfirmation oder Jugendweihe, können die Nerven schon mal blank liegen. Wie entstresst man die Situation und wird trotzdem seinen eigenen Erwartungen gerecht? Prof. Björn Enno Hermans, Familientherapeut aus Essen, gibt Tipps.

Die Angst vor Disharmonie ist schon Wochen vorher groß, was tun?

„Fragen Sie sich zunächst einfach mal: Was erwarte ich von den Feierlichkeiten? Und nicht: Was erwarten Außenstehende davon, oder wie feiern andere?“, rät Hermans. „Nehmen Sie sich genug Zeit für eine stressfreie Planung und vor allem: Binden Sie das Kind mit seinen Wünschen mit ein.“

Weil Kinder bei einer Kommunion etwa 9 Jahre alt sind, bei der Konfirmation oder Jugendweihe aber bereits 14, muss man unterschiedlich an sie herantreten. Aber auch Kommunionskinder sollte man nicht unterschätzen: „Mit 9 Jahren haben Kinder durchaus schon eine Vorstellung, wie sie ihr Fest haben wollen. Und das sollten sie auch äußern dürfen und dabei ernst genommen werden“, empfiehlt Hermans. Wer eingeladen werden soll, sei zum Beispiel eine Frage, die auch kleine Kinder gut beantworten können.

Und wenn die Antwort lautet: Nur Oma und meine besten Freundinnen?

Natürlich kann es passieren, dass das Kind unbeliebte Vorschläge vorbringt, die die Hälfte der vorgesehenen Gäste ausschließt. „Dann kann ich als Elternteil ja argumentieren: Mir ist es wichtig, dass Tante Erna auch da ist. Und man kann dem Kind erklären, dass eine Kommunion eigentlich ein Familienfest ist“, so Hermans.

Man könne aber beispielsweise am darauffolgenden Wochenende noch einmal die Nachbarn und ein paar Freunde des Kindes separat zum Kaffee einladen – als Kompromiss. „Letztendlich geht es immer darum, dem Kind seine Gedanken transparent darzulegen und ihm nichts vorzumachen oder es zu übergehen.“

Tante Erna und Tante Barbara können sich nicht leiden

Droht die Stimmung auf einer Feier aufgrund von zwei Streithähnen zu kippen, empfehle es sich, mit den beiden separat vorher zu reden. Ihnen zu erklären, dass man gerne beide einladen würde, und sie fragen, was es braucht, damit es nicht zu einem Streit kommt. Die beiden nur weit genug von einander weg setzen – keine gute Idee. „Transparenz ist meiner Meinung nach der bessere Weg“, sagt Hermans. Verschweigen, dass der jeweils andere auch kommt, sei wenig ratsam.

Wenn Erna dann sagt „Ich komme nur, wenn Barbara nicht kommt“, dann sollte man vor allem einen Fehler nicht begehen: „Lassen Sie sich bloß nicht den Entscheidungsball zurückspielen. Wenn Erna nicht kommen will, kommt sie eben nicht“, erklärt Hermans. „Dafür muss sie die Verantwortung tragen. Sie war schließlich eingeladen. Barbara ist es eben auch.“

Der Verwandtschaft eine klare Ansage machen

Allgemein rät Hermans vor allem: „Hören Sie in Bezug auf die Feierlichkeit auf Ihre Bedürfnisse. Wenn die Familie aus Übersee anreist, dann haben sie ja vielleicht Lust, noch eine Woche mit ihr zu verbringen. Das können sie denen ja auch explizit so sagen.“ Wenn das nicht so ist, sollten sich Familien nicht scheuen, transparent zu artikulieren, was sie sich wünschen und wo ihre Grenzen sind. Das könne auch heißen, die Feierlichkeiten nach einem Mittagessen für beendet zu erklären.