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    Wie werde ich Schuhfertiger/in?

    Geschick und Modebewusstsein sind Voraussetzungen für die Ausbildung zum Schuhfertiger. Einst war der Job in der Krise – zu viele Betriebe wanderten ins Ausland ab. Groß ist die Branche heute zwar nicht mehr. Doch Schuhfertiger werden wieder dringend gesucht.

    Material-Zuschnitt
    Die Schufertiger-Azubis Selina-Sophie Franz und Phillip Burkhart beim Zuschnitt von Material in der Carl Semler Schuhfabrik in Pirmasens.
    Foto: Uwe Anspach/dpa-tmn

    Pirmasens (dpa/tmn) – 250 Einzelteile und 140 Arbeitsschritte: Einen Schuh herzustellen, ist eine komplexe Angelegenheit. „Viele Menschen haben keine Vorstellung davon, was da dranhängt“, sagt Christa Deingruber vom Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie.

    Phillip Burkhart
    Motivation, Verantwortungsbewusstsein, Zuverlässigkeit und Kreativität: Das sollten angehende Schuhfertiger wie Phillip Burkhart unbedingt mitbringen.
    Foto: Uwe Anspach/dpa-tmn

    Wer jeden einzelnen dieser Schritte beherrscht, darf sich Schuhfertiger nennen. Die dreijährige duale Ausbildung folge chronologisch der Herstellung eines Schuhs, erklärt Uwe Hartmann, Betriebs- und Ausbildungsleiter bei der Carl Semler Schuhfabrik im rheinland-pfälzischen Pirmasens. Begonnen werde im Lederlager mit der Materialkunde: „Sie lernen dort: Wie sieht Leder aus, wie wird es hergestellt?“

    Im Materiallager
    Ohne Leder geht es nicht: Azubi Phillip Burkhart im Materiallager der Carl Semler Schuhfabrik in Pirmasens.
    Foto: Uwe Anspach/dpa-tmn

    Bei der Arbeit ist Konzentration gefragt: Schuhfertiger schneiden die Einzelteile zu, aus denen später ein Schuh wird, stanzen Sohlen aus und montieren diese. Schäfte ziehen sie auf Leisten und zwicken, nähen oder kleben anschließend Sohle und Schaft zusammen. „Mir gefällt besonders die Vielfältigkeit der Arbeitsschritte und die Verarbeitung von Leder“, erzählt Phillip Burkhart, der im zweiten Jahr seiner Ausbildung bei Carl Semler ist.

    Schuhherstellung
    So wird ein Schuh draus: Azubi Phillip Burkhart bei der Arbeit in der Carl Semler Schuhfabrik in Pirmasens.
    Foto: Uwe Anspach/dpa-tmn

    Angehende Schuhfertiger sollten motiviert, verantwortungsvoll, selbstständig und zuverlässig sein sowie eine kreative Ader mitbringen, sagt Deingruber. Neben handwerklichem Geschick sei auch ein gewisses Verständnis für Mode gefragt.

    Säubern der Schuhe
    Auch das Säubern gehört dazu: Selina-Sophie Franz ist im dritten Jahr ihrer Ausbildung zur Schuhfertigerin an der Carl Semler Schuhfabrik in Pirmasens.
    Foto: Uwe Anspach/dpa-tmn

    „Es hat mich schon immer interessiert, Schuhe zum machen“, erzählt Selina-Sophie Franz, ebenfalls Auszubildende bei Carl Semler. Besonders gefalle ihr die Arbeit in der Stepperei, wo die einzelnen Teile zusammengenäht werden. Manches fällt ihr schwerer als anderes. „Die großen Maschinen zu bedienen, ist nicht ganz so einfach“, erzählt die 20-Jährige.

    Ausmessen von Material
    Geschick ist gefragt: Selina-Sophie Franz beim Ausmessen von Material.
    Foto: Uwe Anspach/dpa-tmn

    Beide Azubis stammen aus der Gegend um Pirmasens, wo traditionell viele Schuhproduzenten ansässig sind. Auch die Deutsche Schuhfachschule hat hier ihren Sitz. Die Globalisierung ist an der Branche nicht spurlos vorübergegangen: Anfang der 2000er haben viele deutsche Schuhhersteller ihre Produktion ins Ausland verlegt, berichtet Christiane Reuter vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn.

    Mehrere Modelle
    Welches Modell ist das richtige? Angehende Schuhfertiger wie Selina-Sophie Franz und Phillip Burkhart müssen auch etwas Modebewusstsein mitbringen.
    Foto: Uwe Anspach/dpa-tmn

    Inzwischen würden Schuhfertiger aber wieder gebraucht, sagt Reuter. Sie schätze die Berufsaussichten in der Industrie als gut ein – auch wenn es eine vergleichsweise kleine Branche ist. Doch die Aufstiegschancen sind sehr gut. „Die handwerkliche Ausbildung zum Schuhfertiger ist die beste Grundlage für eine berufliche Karriere in der Schuhindustrie“, erklärt Deingruber. Viele Führungskräfte hätten als Schuhfertiger begonnen.

    Gemeinsames Gespräch
    Das finale Produkt: Ausbildungsleiter Uwe Hartmann (l) im Gespräch mit seinen Azubis Selina-Sophie Franz und Phillip Burkhart.
    Foto: Uwe Anspach/dpa-tmn

    Bei Carl Semler verdienen die Auszubildenden je nach Lehrjahr zwischen 710 und 830 Euro, sagt Uwe Hartmann, das Einstiegsgehalt für fertige Schuhfertiger betrage etwa 1600 Euro. Für die Ausbildung als Schuhfertiger ist formal kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis haben die meisten Azubis aber die mittlere Reife.

    An einer großen Maschine
    Schwerstarbeit: Die großen Maschinen in einer Schuhfabrik zu bedienen, ist für Azubis wie Selina-Sophie Franz oft echte Knochenarbeit.
    Foto: Uwe Anspach/dpa-tmn

    Manche Unternehmen tun sich jedoch schwer, Nachwuchs zu finden, sagt Christiane Reuter. Denn der Job kann auch hart sein: Als Schuhfertiger zu arbeiten bedeute auch, lange zu stehen und mitunter Lärm und unangenehme Gerüche ertragen zu müssen.

    Da sich die Materialien und Techniken für Schuhfertiger ständig weiterentwickeln, ist am 1. August 2017 eine neue Ausbildungsordnung in Kraft getreten. Änderungen gab es vor allem im Bereich der Materialien, Fertigungsverfahren und der Vielfalt an Finish-Methoden, erklärt Reuter. Denn während die klassische Damen- und Herrenschuhmode stagniere, würde der Bereich der Sicherheits- und Sportschuhe immer wichtiger.

    Schuhfertiger bei Berufenet

    Schuhfertiger: Profil beim BIBB

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