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München

Führungskräfte müssen delegieren lernen

dpa/tmn

Delegieren entlastet im Job. Mitarbeiter müssen dafür aber loslassen lernen. «Ein typischer Denkfehler ist der Gedanke: Wenn ich's nicht selbst mache, ist es nicht gemacht», erläuterte die Organisationsberaterin Siglinde Sonnenholzer aus München.

Damit täten sich Beschäftigte aber keinen Gefallen: «Man halst sich auf diese Weise ständig zu viel auf.» Außerdem bleibe Wichtiges schnell liegen, wenn Mitarbeiter sich in Details verlieren, die sie ebenso gut von anderen erledigen lassen könnten.

Oft stecke übertriebener Perfektionismus dahinter, wenn Teamleiter oder Abteilungschefs lieber alles selbst in die Hand nehmen, als Aufgaben an Mitarbeiter zu übertragen. Effektiver sei es aber, bisweilen Abstriche von den eigenen Ansprüchen zu machen. «Man muss auch mal mit 80 Prozent zufrieden sein», sagte Sonnenholzer. «Denn oft ist es so, dass man für die restlichen 20 Prozent unverhältnismäßig lange braucht, um eine Aufgabe 100-prozentig zu erfüllen.»

Delegieren lohnt sich aber nicht immer: Eine komplizierte Aufgabe, die einmalig anfällt, übernehmen Mitarbeiter laut Sonnenholzer besser selber. Denn dabei könne es passieren, dass es länger dauert, den anderen einzuweisen, als die Arbeit eigenhändig zu erledigen. Auch wenn sich ein wichtiger Kunde beschwert, sei das Sache des Chefs oder Projektleiters. «Das kann ich nicht abschieben, das muss ich selbst machen», sagte Sonnenholzer.

Auch bei wichtigen und komplizierten Aufgaben könnten Beschäftigte aber versuchen, Teile zu delegieren, empfahl Sonnenholzer. Müssen sie zum Beispiel ein Vertriebsangebot erstellen, vergeuden sie ihre Zeit, wenn sie alle nötigen Detailinformationen selbst ermitteln. «Ich kann die Assistentin dann zum Beispiel Preise für Dienstleistungen einholen lassen, die für das Angebot benötigt werden», erklärte Sonnenholzer. «Oder ich beauftrage die Buchhaltung, Kosten zu recherchieren, die bei ähnlichen Aufträgen angefallen sind.»

Wer sich dagegen um all diese Dinge eigenständig kümmert, erledigt die Aufgabe vielleicht perfekt. Unterm Strich liefert er aber nicht immer gute Arbeit ab. Denn er verliere andere Aufgaben schnell aus dem Blick, gab Sonnenholzer zu bedenken: «Am Ende bleibt dann die wichtige Kundenbeschwerde unerledigt. Und dann verliere ich womöglich einen Kunden, den ich mit einer sofortigen Reaktion gehalten hätte.»

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