Bluechips

Anleger sollten an der Börse nicht zocken

Wer bei Bluechips ans Casino denkt, liegt zwar richtig. Doch Bluechips gibt es auch an der Börse. Was aber hat es damit auf sich?

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Dax
Der Deutsche Aktienindex Dax ist ein Standardwerteindex. Ein anderer Name für solche Aktien ist Bluechips.
Foto: Frank Rumpenhorst/dpa-tmn

Düsseldorf (dpa/tmn) – Seit Ausbruch der Corona-Pandemie haben viele Anleger Aktien für sich entdeckt. Das zeigt unter anderem eine Studie der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin).

Besonders oft gekauft werden demnach Standardwerte, in diesem Fall Aktien aus dem Deutschen Aktienindex (DAX). Im Fachjargon werden Standardwerte auch oft als Bluechips bezeichnet. Doch lohnt sich ein Investment in solche Wertpapiere? Wichtige Fragen und Antworten:

Woher stammt der Begriff Bluechip?

„Der Begriff kommt ursprünglich aus der Casinowelt“, erklärt Thomas Strelow von der Börse Düsseldorf. Im Casino haben die blauen Jetons – auch Chips genannt – traditionell den höchsten Wert – ähnlich wie die Bluechips an der Börse, erzählt Strelow.

„Oft sind es Aktien von großen, umsatzstarken, meist auch dividendenstarken, Unternehmen“, erklärt Thomas Mai von der Verbraucherzentrale Bremen. Doch hier enden auch schon die Gemeinsamkeiten zur Casinowelt. „In der Regel sind es die Werte, die es in den Leitindex eines Landes geschafft haben, der oft als allgemeines Börsenbarometer gilt“, erklärt Strelow.

In Deutschland wäre dies der Deutsche Aktienindex – kurz Dax. Im Dax befinden sich die 30 größten börsennotierten deutschen Unternehmen. Entscheidend für die Aufnahme sind die Marktkapitalisierung und Handelsliquidität.

Was sind Beispiele für Standardwerte?

„Ein weltweit bekanntes Beispiel für Bluechips wäre IBM“, sagt Mai. Die fünf größten Werte im Dax sind derzeit SAP, Linde, Siemens, Allianz und VW, ergänzt Strelow. Diese Unternehmen machen immerhin 45 Prozent der Gewichtung aus.

Wird eine Aktie als Standardwert bezeichnet, heißt das nicht, dass das immer so bleiben muss. Unternehmen können den Status auch wieder verlieren. „Die DAX-Mitgliedschaft basiert im Wesentlichen darauf, wie hoch der Markt die einzelne Aktie bewertet“, sagt Strelow.

Was bringt ein Investment in Bluechips?

Bluechips haben ein hohes Handelsaufkommen. Das bedeutet: „Es sind meist Aktien, die rege gehandelt werden – Anleger können also jeder Zeit problemlos ein- oder wieder aussteigen“, erläutert Strelow.

Und: „Da es sich um etablierte, umsatzstarke Unternehmen handelt, gibt es in der Regel keine extremen Kursschwankungen. Es sei denn, die Nachrichtenlage treibt Kurse nach oben oder nach unten“, sagt Strelow. „Ein Vorteil für Anleger, denn sonst müssten sie ständig den Markt beobachten und ihr Depot umkrempeln“, sagt Mai.

Zudem schütten große Unternehmen klassischerweise auch eine Dividende aus. „Eine zusätzliche Einnahme für Anleger“, erklärt Mai. Doch Vorsicht: Es gibt keine Garantie auf Dividendenauszahlungen, Gewinne oder ausbleibende Schwankungen, warnt Strelow.

Welche Nachteile können sich für Anleger bei Bluechips ergeben?

Häufig genannte Kritikpunkte: Große Unternehmen leben von der Vergangenheit. Sie seien träge, wenig innovativ, haben kein echtes Wachstum und wenig Potenzial für Kurssteigerungen, zählt Strelow auf.

Dennoch haben große Unternehmen am Markt ihre Existenzberechtigung. „Ihr Geschäftsmodell hat sich bereits etabliert und sie verfügen über genügend Kapital, um kleinere, erfolgreiche Wettbewerber zu übernehmen – und damit auch deren Ideen“, sagt Strelow. Somit können Bluechips die Vorteile beider Welten vereinen. „Allerdings ist dies keinesfalls für die Zukunft garantiert“, warnt der Börsenexperte.

Wie riskant sind Bluechips?

„Es ist immer ein Risiko in Einzelaktien zu investieren“, sagt Verbraucherschützer Mai. Denn auch Kurse etablierter Aktiengesellschaften können unerwarteten Schwankungen unterliegen oder ein Unternehmen plötzlich Insolvenz anmelden.“

Wichtig sei daher ein ausgewogenes Depot. „Sie sollten in unterschiedliche Werte sowie Branchen und Länder investieren. Je mehr, umso besser“, sagt Mai. „Setzen Sie auf eine gute Mischung von Standard- und Nebenwerten.“ Auch Strelow warnt vor einem Klumpenrisiko – also einem einseitigen Investment. Wer zu viel in einen Wert oder eine Branche investiere, sei den Entwicklungen besonders stark ausgesetzt.

Literatur:

Stefanie Kühn, Markus Kühn: „Alles über Aktien – Das Wichtigste rund um Börse, Dividende, Dax und Co.“, Stiftung Warentest 2020, 176 Seiten, ISBN-13: 978-3-7471-0343-2, 19,90 Euro

Brigitte Wallstabe-Watermann u.a.: „Anlegen mit ETF – Geld investieren mit ETF und Indexfonds“, Stiftung Warentest 2020, 176 Seiten, ISBN-13: 978-3-7471-0128-5, 19,90 Euro

Beate Sander: „Börsenerfolgsformel Nachhaltigkeit – Anlage mit gutem Gewissen in Aktien, ETFs und Fonds“, FinanzBuch Verlag 2020, 250 Seiten, ISBN-13: 978-3-95972-335-0, 29,99 Euro

© dpa-infocom, dpa:200908-99-477862/3

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Der Kauf von Einzelaktien erfordert viel Einsatz. Anleger müssen sich über das Unternehmen, das Geschäftsmodell, die wichtigsten Kennzahlen und die Zukunftsaussichten informieren.

Wem das zu viel ist, der kann sein Investment mit nur einem Wertpapier auf rund 1600 Aktienwerte verteilen. „So viele Titel umfasst beispielsweise der MSCI World“, sagt Thomas Strelow von der Börse Düsseldorf. „Dieser Index gewichtet nach Marktkapitalisierung die größten börsennotierten Unternehmen verschiedener Branchen in den 23 Industrieländern.“ Mit einem Fonds, der diesen Index nachbildet, einem ETF, können Anleger an dessen Entwicklung teilhaben.