Archivierter Artikel vom 02.04.2020, 05:00 Uhr

Mehr als eine schöne Fassade

Der Blauregen hat viel Kraft

Den Blauregen hat im Frühjahr eine ganz besondere Anziehungskraft. Die Blüten sind strahlend blau und verströmen einen intensiven Geruch. Doch die Kletterpflanze ist ein Schwergewicht – mit Folgen.

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Blauregen
Die Kletterpflanze Blauregen wächst schnell und sehr mächtig an Fassaden hoch.
Foto: Daniela David/dpa-tmn

München (dpa/tmn). Er kann in kürzester Zeit ganze Hausfassaden einnehmen und seine üppigen Blütentrauben sind im Frühjahr ein spektakulärer Anblick: Der Blauregen hat mehr zu bieten als viele anderen Kletterpflanzen.

Michael Henze
Michael Henze ist Umweltreferent des Bundesverbands Garten- und Landschaftsbau (BGL).
Foto: Martin Rottenkolber/BGL/dpa-tmn

Doch er wird so schwer, dass er nichts für jeden Garten ist. Experten verraten, was Hobbygärtner wissen sollten:

Dr. Till Hägele
Dr. Till Hägele ist Gartenbauingenieur und Abteilungsleiter für die Gewächshäuser im Botanischen Garten München-Nymphenburg.
Foto: Till Hägele/dpa-tmn

An welche Stelle im Garten passt der Blauregen?

Robert Markley
Robert Markley ist Geschäftsführer des Verbandes der GartenBaumschulen.
Foto: Markley/dpa-tmn

Der Blauregen, auch Glyzinie und Wisteria genannt, zählt zu den Gerüstkletterern. Er benötigt also ein Rankgerüst, an dem sich der Spross emporwinden kann. Daher eignet sich der Blauregen zum Beispiel für einen Standort an einer Pergola, an einem Torbogen oder einer Mauer. Till Hägele vom Botanischen Garten München-Nymphenburg empfiehlt den Kletterer auch für Treppengeländer. Vorteil hier: Man kommt gut zum Schneiden an die Pflanze heran.

Blauregen
Der Blauregen bildet im Frühjahr auffällig große blaue Blüten.
Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn

An welche Mauern passt der Blauregen?

Da der Blauregen über die Jahre hinweg großes Gewicht und auch große Kräfte entwickeln kann, wird an der Fassade ein stabiles Gerüst oder Spalier benötigt. Denn mit seinen schlingenden Bewegungen kann der Kletterer dünnwandige Rankgerüste ebenso wie Regenrinnen strangulieren und zerdrücken.

„An einem sonnigen Tag können einzelne Ranken schon mal 20 Zentimeter wachsen“, berichtet Michael Henze vom Bundesverband Garten- und Landschaftsbau (BGL). Die Triebe nehmen außerdem an Umfang zu und sollten daher von Fenstern und Jalousienkästen ferngehalten werden. Henze empfiehlt als Grundgerüst an der Wand eine Edelstahl- oder Metallkonstruktion mit mindestens vier Zentimeter dicken Streben.

Und der Experte rät, das Gerüst mit einem Abstand von 20 Zentimetern von der Hauswand zu installieren. Allgemein gilt: Die Fassade sollte intakt, nicht hinterlüftet und nicht mit Schindeln verkleidet sein, sonst drohen Schäden durch den Blauregen.

Worauf achte ich bei der Pflanzung?

In der Regel wird der Blauregen als Jungpflanze im Topf im Handel angeboten – ab etwa einem Meter mit einer Topfgröße von zwölf Zentimetern, erklärt Hägele. Ist die Pflanze noch klein, bildet sie eventuell noch keine oder nur wenige Blüten.

Aufgrund des raschen Wachstums des Blauregens genügt oft bereits eine Pflanze. Zur Begrünung einer ganzen Fassade kann es sich aber anbieten, von zwei Punkten aus zu starten, sagt Experte Henze.

Muss man den Blauregen pflegen?

Der Blauregen ist insgesamt sehr robust und eigenständig, erklärt der Experte Hägele. Nährstoffmangel kennt die Pflanze nicht.

Dafür kann es bei kalkhaltigen Böden zur Chlorose kommen, einer Bleichsucht, bei der sich die Blattadern tiefgrün färben, während die Zwischenflächen vergilben. „Dies ist aber nur ein optischer Mangel, und die Pflanze geht davon nicht ein“, erklärt Hägele. Der Gartenbesitzer kann dem entgegenwirken, indem er zum Beispiel durch einen sauer wirkenden Dünger den pH-Wert des Bodens absenkt.

Ansonsten kann man den Blauregen einfach wachsen lassen – abgesehen von einem Schnitt, wenn er zu groß wird. Das bietet sich an, wenn der Kletterer sein Laub abgeworfen hat, rät Markely. Außerdem ist es sinnvoll, die Seitentriebe im Frühjahr vor dem Austreiben zu kürzen. Dieses Ausdünnen kommt auch der Blütenpracht zugute, da sich Blüten an den verholzten Trieben in Stammnähe und an horizontalen Ästen bilden, erklärt Henze.