Schimmelfalle Untergeschoss

Wie lüftet man den Keller im Winter?

Was im Wohnzimmer und der Küche üblich ist, macht man im Keller kaum: Regelmäßig stoßlüften. Dabei droht Schimmelbildung, wenn man zu wenig oder gar dauerhaft in Kippstellung lüftet.

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Zeit zu lüften
Im Sommer lüften Keller-Bewohner am besten in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden. Die warme Luft kann sonst zu Kondensation an den kalten Wänden führen.
Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn

München (dpa/tmn). Viele Keller müffeln. Das liegt auch daran, dass sie falsch gelüftet werden. Wobei einfach nur die Fenster aufzureißen, auch nicht die Lösung ist: Denn frische Luft von draußen kann je nach Umstand die Bildung von Schimmel beschleunigen. Wie macht man es nun richtig?

Kellerräume
Im Keller ist die Innenoberflächentemperatur der Außenwände niedriger als bei anderen Räumen. Das hat Auswirkungen auf das richtige Lüften.
Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn

Das Problem: „Weil die Kellerräume vom kühlen Erdreich umgeben sind, ist die Innenoberflächentemperatur der Außenwände niedriger als bei den anderen Räumen“, erklärt Alexander Lyssoudis von der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. Das hat zur Folge, dass der Keller im Winter und im Sommer völlig unterschiedlich gelüftet werden sollte.

Robert Kussauer
Robert Kussauer ist stellvertretender Vorstand des Bundesverbands Schimmelpilzsanierung.
Foto: Georg Berg/BSS/dpa-tmn

Eigentlich am einfachsten hat man es im Winter: Wenn dann die Außenluft kalt und trocken ist, können Keller unproblematisch gelüftet werden. „Die feuchte Kellerluft wird bei offenen Fenstern gegen die kalte Winterluft ausgetauscht“, erläutert Lars Beckmannshagen vom Hamburger Zentrum für Energie, Bauen, Architektur und Umwelt (ZEBAU).

Alexander Lyssoudis
Alexander Lyssoudis arbeitet als Vorstandsmitglied der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau.
Foto: Tobias Hase/Bayerische Ingenieurekammer-Bau/dpa-tmn

Zu langes Lüften fördert Schimmelbildung

Geöffnetes Kellerfenster
Wie Kellerräume zu lüften sind, hängt auch davon ab, ob sie bewohnt sind oder nicht.
Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn

„Man sollte allerdings nicht zu lange lüften, sonst kühlen die Bauteile aus“, ergänzt der Experte. Denn das wiederum kann auch ein Problem werden: An denn dann kalten Wänden kondensiert die feuchte Luft. Der Wasserfilm ist ein optimaler Nährboden für Schimmel.

Im Sommer sollte man die Fenster nicht dann öffnen, wann es einem selbst am ehesten passt. „Dann ist die Außenluft warm und feucht. Wenn sie dann im Keller auf die kalten Oberflächen der Wände trifft, bildet sich Kondensat und es kann zu Schimmelbildung kommen“, erklärt Robert Kussauer vom Bundesverband Schimmelpilzsanierung. Das heißt: Je öfter so gelüftet wird, desto größer ist die Gefahr.

Deshalb rät er für die warme Jahreszeit: Nicht tagsüber, sondern nur in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden lüften, wenn es draußen kühler ist. Den restlichen Tag über bleiben alle Fenster besser geschlossen. Diese Sommerkondensation verstärkt sich noch, wenn feuchte Wäsche im Keller trocknet. „Im Sommer ist das keine gute Idee, man würde sich damit nur noch zusätzliche Feuchtigkeit in den Keller holen“, sagt Beckmannshagen. Besser ist es, die Wäsche im Freien aufzuhängen, wo sie bei Sonne und Wind schnell trocknet.

Im Winter dagegen ist das Wäschetrocknen drinnen durchaus möglich, weil die Feuchtigkeit leichter durch geöffnete Fenster entweicht und von der kalten Außenluft aufgenommen werden kann. Das heißt sogar: Der Raum muss immer gut durchlüftet werden.

Fenster auf, Heizung aus

Während des Lüftens sollte die Heizung vollkommen abgestellt sein, sonst erreicht sie schnell den maximalen Durchlauf, weil sie ständig gegen die einströmende kalte Luft anheizt. Die Folge: Die Heizkosten steigen. „Nach dem Lüften sollte die Heizung wieder auf die vorher herrschende Temperatur eingestellt werden“, ergänzt Kussauer. Sonst droht auch hier das gleiche Problem: „Sind die Umfassungswände zu kalt, steigt das Risiko einer Kondensatbildung auf den Wänden.“

Es macht einen Unterschied, ob die Kellerräume bewohnt oder unbewohnt sind. Keller, die nur als Lagerräume genutzt werden, sind meist kühler als bewohnte Räume, weil sie in der Regel nicht gedämmt und beheizt sind. Hier ist die Gefahr groß, dass an Sommertagen beim Lüften warme Außenluft einströmt und auf den Wänden wieder abkühlt.

Dann setzt sich die Feuchtigkeit an den Wänden und besonders in den unteren Ecken ab. Hier ist regelmäßiges Lüften angesagt, im Sommer bei Nacht und im Winter bei kühleren Außentemperaturen, rät Kussauer.

Bewohnten Kellerräume sind in der Regel gedämmt und werden auf etwa 20 Grad beheizt, während im umgebenden Erdreich lediglich zwölf Grad herrschen. Aber: „Bei unzureichender oder nicht fachgerechter Dämmung kann Raumluft auf den kühleren Bauteilen kondensieren“, erklärt Kussauer. Werden ältere Kellerräume zu Wohnraum umfunktioniert, sollten sich die Besitzer daher Rat von einem Experten holen, der sich mit Bauphysik auskennt und die notwendigen Maßnahmen berechnet.

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Keller lüften: Warum Radon ein Problem ist

Mancherorts ist das Lüften des Kellers nicht nur wegen Schimmelgefahr wichtig: Das radioaktive Gas Radon kann sich im Untergeschoss anreichern. Es gilt als Gesundheitsrisiko, denn laut dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) ist Radon nach Rauchen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs.

Radon entsteht im Erdreich und kann von dort über Risse, Fugen oder Rohrdurchführungen in Innenräume gelangen. Das ist vor allem möglich in Bereichen des Hauses, die Bodenkontakt haben – wie eben dem Keller. Radon ist nicht zu sehen, zu riechen oder zu schmecken.

Der Rat des Bundesamts für Strahlenschutz: Regelmäßig lüften und zwar so, dass bereits nach wenigen Minuten die gesamte Innenraumluft ausgetauscht ist. Das gelingt mit Querlüften. Indem man gegenüber liegende Fenster gleichzeitig öffnet, entsteht Durchzug. Ein Tipp für den beim Lüften oft vergessenen Keller: Die Erinnerungsfunktion des Smartphones nutzen.

Da Lüften allerdings nicht immer ausreicht, sollte man die Radon-Konzentration im Gebäude messen. Gegebenenfalls müssen undichte Stellen in Keller und Erdgeschoss abgedichtet werden.

Radon ist nicht überall ein Problem: Die Konzentration im Boden ist regional sehr unterschiedlich. Sie ist laut BfS tendenziell höher zwischen Mittel- und Süddeutschland und im hohen Norden, genauer gesagt in den meisten Mittelgebirgen, im Alpenvorland und in Gegenden mit Gesteinsmoränen der letzten Eiszeit.