Archivierter Artikel vom 05.08.2021, 12:07 Uhr

Reimport muss nicht erwähnt werden – Recht: Gebrauchtwagenkauf

In vielen Köpfen gelten Reimport-Fahrzeuge noch als generell irgendwie minderwertig. Das ist überholt, findet ein Gericht.

Wer sein Auto in einer Duplex-Garage falsch abstellt, muss für Schäden selbst aufkommen.
Wer sein Auto in einer Duplex-Garage falsch abstellt, muss für Schäden selbst aufkommen.

SP-X/Zweibrücken. Bei einem Gebrauchtwagen muss der Käufer nicht von sich aus darauf hinweisen, wenn es sich um einen Reimport handelt. Wie das Oberlandesgericht Zweibrücken entschieden hat, kann das anders als früher üblich aktuell nicht mehr als arglistige Täuschung gewertet werden.

In dem verhandelten Fall hatte ein Sportwagen-Fan bei einem privaten Verkäufer einen fast 20 Jahre alten Porsche 911 erworben, von dem sich später herausstellte, dass es sich ursprünglich um ein Reimport-Fahrzeug gehandelt hatte. Der Käufer wollte daraufhin sein Geld zurück, da der Sportwagen seiner Ansicht nach durch diese Eigenschaft weniger wert ist.

Das zuständige Landgericht und anschließend auch das Oberlandesgericht sahen aber keinen Grund für eine Anfechtung des Kaufvertrags. Aufgrund des geänderten Marktverhaltens beim Autokauf könne heute nicht mehr generell davon ausgegangen werden, dass sich die Reimporteigenschaft eines Fahrzeuges stets mindernd auf den Verkehrswert auswirke, zitiert RA-Online aus der Entscheidung des Senats. Das gelte insbesondere bei älteren Gebrauchtwagen. Anders hätte die Sache ausgesehen, wenn der Käufer im Verkaufsgespräch explizit darauf hingewiesen hätte, kein Reimportauto zu wollen. (Az.: 8 U 85/17)

Als Reimporte bezeichnet man im engeren Sinne Neuwagen deutscher Hersteller, die ursprünglich nicht für den hiesigen Markt gebaut wurden, aber aus dem Ausland wieder eingeführt wurden. Umgangssprachlich werden auch Fahrzeuge ausländischer Hersteller so bezeichnet, auch wenn sie streng genommen nicht „re“-importiert werden. Wichtigster Vorteil bei Re-Importen ist der oft günstigere Preis, ein möglicher Nachteil liegt in abweichenden Ausstattungsumfängen gegenüber dem deutschen Modell.

Holger Holzer/SP-X