Archivierter Artikel vom 11.07.2022, 12:07 Uhr

Fußgänger muss sich nicht ständig umschauen – Recht: Unfall auf Radweg

Auf einem gemeinsam genutzten Rad- und Gehweg müssen Fahrradfahrer besonders aufmerksam sein.

Von Holger Holzer/SP-X

SP-X/Erfurt. Kommt es auf einem gemeinsam genutzten Geh- und Radweg zu einem Unfall zwischen Fußgänger und Radler, ist in der Regel letzterer schuld. Der Fußgänger muss nicht permanent nach sich nähernden Radfahrern Ausschau halten, wie aus einer Entscheidung des Amtsgerichts Erfurt hervorgeht.

Die Kollision hatte sich in dem verhandelten Fall auf einem gemeinsam genutzten Rad- und Fußweg ereignet, bei dem es weder eine bauliche noch farbliche Trennung der einzelnen Bereiche gab. Der Fußgänger war aus einem Hauseingang getreten, der Radfahrer konnte nicht mehr schnell genug bremsen, so dass es zu einem Zusammenprall kam.

Vor Gericht ging es um die Frage, ob dem verletzten Fußgänger ein Schmerzensgeld zusteht. Der Radfahrer argumentierte, der Fußgänger hätte sich beim Betreten des Wegs umschauen müssen, der Fußgänger beschuldigte den Radfahrer, zu eng am Hauseingang vorbei gefahren zu sein. Das Gericht schloss sich dieser Ansicht an und sah allein den Radler in der Verantwortung. Auf einem gemeinsamen Weg für Fußgänger und Radfahrer hätten letztere eine größere Sorgfaltspflicht, wie die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) das Urteil zusammenfasst. Ohne sich ständig umschauen zu müssen, dürften Fußgänger die gesamte Breite eines gemeinsamen Weges nutzen. Zudem müssten Radfahrende jederzeit in der Lage sein, innerhalb der überschaubaren Strecke anzuhalten, wenn die Verkehrslage unklar wird. (Az.: 5 C 1402/19)

Holger Holzer/SP-X