Archivierter Artikel vom 31.03.2020, 16:07 Uhr

Blockunterricht statt Online-Theorie – Fahrschulen in der Coronakrise

Die Fahrschulen leiden stark unter der Coronakrise. Die Verlagerung des Angebots ins Internet ist nach Ansicht eines Verbands jedoch keine Option für Fahrlehrer. Und würde auch den Schülern kaum nutzen.

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Die Fahrschulautos stehen in Deutschland aktuell still
Die Fahrschulautos stehen in Deutschland aktuell still

SP-X/Köln. Die Fahrschulen sind bundesweit zu. Fahrstunden sind wegen Ansteckungsgefahr verboten, Prüfungen werden nicht abgenommen. Online-Theorieunterricht ist die Ausnahme. Fahrschulen und ihren Schülern bleibt nur das Abwarten.

Mittlerweile gilt das Tätigkeitsverbot für Fahrschulen in ganz Deutschland. Die Unternehmen bleiben zu, die Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Mindestens vier bis sechs Wochen dürfte das noch so bleiben, schätzt Dieter Quentin von der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (bvf). Lediglich in Niedersachsen ist aktuell noch eine Art Notbetrieb möglich: Dort darf der vorgeschriebene Theorieunterricht online absolviert werden. Die so gesammelte Stundenzahl dürfen sich die Schüler anrechnen lassen. Wichtig, um die Berechtigung zur theoretischen Prüfung zu erhalten.

Die Prüfung selbst allerdings ist bis auf Weiteres nicht möglich – weder die theoretische noch die praktische. Das ist nur einer der Gründe, warum der Fahrlehrerverband sich gegen die Online-Theorie als Ersatz für die Lektionen vor Ort in der Schule ausspricht. „Der Präsenzunterricht ist ein enorm wichtiger Baustein der Sozialisierung junger Fahrer im Straßenverkehr“, so Quentin. Schließlich geht es nicht nur um plumpe Verkehrsschild-Kunde, sondern auch um das Verständnis des Verkehrsgeschehens mit seinen verschiedenen Teilnehmern und deren unterschiedlichen Bedürfnissen.

Die Fahrschulen sind von der Coronakrise zu früh erwischt worden. Bereits seit geraumer Zeit gibt es Bestrebungen, die „trockenen“ Teile des Lehrplans ins Internet auszulagern. Die Idee: Fahrlehrer könnten sich in der Schule dann auf die Interaktion und die soziale Ausbildung ihrer Kunden konzentrieren. Die damit befassten Arbeitskreise sind jedoch noch nicht so weit, dass es umsetzbare Pläne gäbe.

Den Fahrschülern bleibt nichts übrig, als abzuwarten, bis die Schulen wieder öffnen dürfen. Dann dürften auch unbürokratische Regelungen nötig sein, den Unterrichts-Stau abzubauen. In einzelnen Bundesländern sei beispielsweise vorgesehen, das Blockverbot im Theorieunterricht aufzuheben. Schüler dürfen dann nicht nur eine gute Stunde am Stück lernen, sondern gleich den ganzen Tag lang – wie in einer normalen Schule.

Bis dahin lässt sich online üben – selbst wenn die Zeit nicht für die Prüfberechtigung angerechnet wird. Auch Quentin hat nichts gegen das Lernen im Internet: „Online-Unterrichtsangebote von Fahrschulen sind in diesen Tagen eine superstarke Hilfe. Sie können die Lehrtätigkeit von Fahrlehrern unterstützen. Präsenzunterrichte ersetzen können sie nicht.“

Holger Holzer/SP-X