Archivierter Artikel vom 29.01.2020, 17:07 Uhr

Sparwut setzt ihm zu – Gebrauchtwagen-Check: Fiat Panda

Günstig, praktisch, wendig: Der Fiat Panda zählt seit Jahrzehnten zu den europaweit beliebtesten Kleinstwagen. Auch als Gebrauchter kann er überzeugen – wenn der Vorbesitzer kein Geizhals war.

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Der aktuelle Fiat Panda ist schon fast ein Jahrzehnt auf dem Markt
Der aktuelle Fiat Panda ist schon fast ein Jahrzehnt auf dem Markt

Kurz und schmal, aber hoch: Der Panda bietet vergleichsweise viel Raum
Kurz und schmal, aber hoch: Der Panda bietet vergleichsweise viel Raum

SP-X/Köln. Mit acht Jahren Bauzeit zählt der aktuelle Fiat Panda zu den dienstältesten Pkw-Modellen auf dem deutschen Markt. Und selbst bei der Premiere 2012 war die Technik des Kleinstwagens nicht unbedingt taufrisch. Halb so schlimm: Der Italiener gleicht das mit praktischen Qualitäten, optionalem Allradantrieb und niedrigen Preisen locker aus. Vor allem gebraucht ist er günstig zu haben.

Den Panda gibt es mit vier oder fünf Sitzen
Den Panda gibt es mit vier oder fünf Sitzen

Karosserie und Innenraum: Der Panda ist nicht nur kurz (3,70 Meter), sondern auch ungewöhnlich schmal (1,67 Meter). Weil er gleichzeitig aber vergleichsweise hoch ist (bis zu 1,66 Meter) bietet er für einen Kleinwagen recht viel Platz. Je nach Ausführung passen vier bis fünf Personen hinein, das Gepäckabteil reicht mit 200 Litern für den Wocheneinkauf und lässt sich auf rund 800 Liter erweitern. Die Karosserie des kleinen Italieners ist nicht mehr so kantig wie bei seiner Premiere vor 40 Jahren, bietet aber eine fast so gute Übersicht. Der Innenraum wirkt dank seiner farbenfrohen und munteren Gestaltung überraschend modern – selbst acht Jahre nach der Premiere. Auch die Verarbeitung ist im Kern ordentlich. Zu den schwächeren Seiten des Panda zählt das Fahrverhalten, das vor allem durch die hohe und bei Kurvenfahrt deutlich schwankende Karosserie bestimmt ist.

Das Cockpit wirkt auch heute noch modern
Das Cockpit wirkt auch heute noch modern

Motoren: Für einen Kleinstwagen bietet der Panda ein ungewöhnlich fülliges Antriebsprogramm. Anspruchsloser Basismotor ist ein 1,2-Liter-Vierzylinderbenziner mit 51 kW/69 PS, die sich so zäh anfühlen wie sie klingen, in der Stadt aber ausreichen. Spürbar flotter, aber beim Neuwagen auch deutlich teurer sind die 0,9-Liter-Dreizylinderturbos, die es über die bisherige Bauzeit mit 57 kW/78 PS, 63 kW/85 PS und 66 kW/90 PS gab. Für extreme Vielfahrer interessant ist die Erdgasvariante des Motors mit 59 kW/80 PS beziehungsweise 52 kW/70 PS. Ähnliches gilt für die 1,3 Liter-Diesel mit 55 kW/75 PS (Euro 5) und 70 kW/95 PS (Euro 6). Die beiden Selbstzünder sind mit einem mechanischen und sehr leistungsfähigen Allradantrieb kombinierbar, der mehr als feuchte Wiesen bewältigen kann. Die Technik ist außerdem für die 0,9-Liter-Benziner zu haben. Die Kraftübertragung übernehmen bei allen Panda-Varianten manuelle Getriebe mit fünf oder sechs Gängen. Eine Automatik gibt es nicht.

Fiat bietet den Panda 4x4 nun auch mit der passenden Offroad-Optik an
Fiat bietet den Panda 4x4 nun auch mit der passenden Offroad-Optik an

Ausstattung und Sicherheit: Der Panda war auch dank zahlreicher Rabatt-Aktionen zeitweise das billigste Auto auf dem deutschen Pkw-Markt. Entsprechend dürftig sind die Basismodelle ausgestattet. Auch die zweite Stufe „Pop“ zeigt noch große Lücken, akzeptabel wird es darüber („Lounge“/„Easy“), wenn zumindest Radio und Klimaanlage an Bord sind. Die Optionsliste für den kleinen Fiat ist nicht allzu lang, führt aber dafür einige interessante Optik-Extras – in der Linie „Trekking“ etwa tritt der Panda als Micro-SUV auf. An speziellen Posten gibt es zudem einen dritten Sitzplatz im Fond, ein Panoramadach und einen Notbrems-Assistenten. Der Schleuderschutz ESP ist bei den meisten Varianten an Bord, dazu kommen vier Airbags. Ansonsten klafft bei Sicherheitssystemen eine große Lücke. 2014 reichte es beim EuroNCAP-Crashtest immerhin noch für vier Sterne, 2018 waren es in einem Nachtest nach verschärften Regeln null.

Qualität: Der Panda teilt das Schicksal aller Billig-Autos – auch er wird von seinen Haltern häufig vernachlässigt, was Wartung und Reparaturen angeht. Sei es aus Geldmangel oder Lieblosigkeit. Das schlägt sich in der HU-Statistik deutlich nieder: In fast allen Bereichen ist er laut „TÜV-Report“ schlechter als der Durchschnitt. Selbst junge Modelle zeigen vom Fahrwerk über die Bremsen bis zur Dichtigkeit von Motor und Abgasanlage Schwächen, die sich im Alter noch verschärfen. Der ADAC meldet zudem relativ viele Startschwierigkeiten wegen Batterieschwächen. Ein Teil der Ersparnis beim Kaufpreis sollte man also für Reparaturen zur Seite legen.

Fazit: Unter den Kleinstwagen im unteren Preissegment bietet der Fiat Panda das beste Raumangebot. Dazu kommen das sympathische Design und vor allem die günstigen Preise. Schon unterhalb von 2.000 Euro gibt es ein recht großes Angebot, selbst sehr gute Modelle mit wenig Laufleistung und viel Ausstattung kosten nie mehr als 15.000 Euro. Besonders interessant ist – für Käufer mit entsprechendem Bedarf – das Allradmodell, das in Deutschland aber vergleichsweise selten und teuer ist.

Holger Holzer/SP-X